The Avalanches: Wildflower

Die Auferstehung

The Avalanches - Wildflower

2000 begeisterten und überraschten The Avalanches mit ihrem Debüt „Since I Left You“. 16 Jahre später können sie zwar immer noch begeistern. Jedoch weitaus weniger überraschen.

Es war das Newcomer-Wunder des Jahres 2000: „Best New Artist Album“, „Best New Artist Single“, „Best Dance Act“ und „Producer Of The Year“ bei den Awards der Australian Recording Industry Association. „Video des Jahres“ bei den MTV Europe Music Awards. Die erste große Headlinertour war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. All das erreichten The Avalanches mit ihrem Debüt „Since I Left You“, der ultimative Karriere-Start. Doch dann folgte die große Stille. 16 Jahre haben die Australier für ihren Zweitling gebraucht. Da steigen die Erwartungen ins Unermessliche. Glücklicherweise werden sie auf „Wildflower“ erfüllt - fast ausnahmslos.

Es hieß Luft anhalten: Selten hat sich eine Band für das zweite Album so viel Zeit gelassen. Und das steigert natürlich die Spannung. Bis 2005 gab es überhaupt keine Aussagen bezüglich einer Nachfolgerplatte. Dann machten sich immer wieder Gerüchte breit, aus den unterschiedlichsten Ecken ploppten vereinzelt Anhaltspunkte auf. Doch Nägel mit Köpfen? Fehlanzeige. Lange mussten sich die Musikwelt mit Aussagen wie „It's so fuckin' party, you will die“ zufriedengeben. Versprechungen, denen man ermüdet irgendwann fast nicht mehr glaubt.

Doch endlich darf man aufatmen: Das Kollektiv aus Melbourne präsentiert auf „Wildflower“ nicht lediglich akzeptable Songs, die endlich eine halbgare Erlösung liefern. Sie bieten einen gut 60-minütigen Soundteppich, der mit verschiedenen Einflüssen und elektronischen Spielereien glänzt. Erneut gelingt der Band aus unterschiedlichsten Genre-Schnipseln eine tanzbare Klangcollage, die durch eine spezielle Grundfarbe überzeugt.

Entscheidend ist hierbei der Mix: Auf „Since If Left You“ bedienten sich The Avalanches aus über 3.500 Vinyl-Samples. Und auch auf ihrer zweiten Platte nutzen sie diese Synergien. Sie bieten funkige Songs, die sich mal mehr dem Hip-Hop, mal mehr der elektronischen Seite zuwenden. Doch zu jeder Zeit ist die Platte in sich stimmig. Die Übergänge zwischen den einzelnen Titeln verschwimmen vor allem beim Nebenherhören. Wieder zeigt sich der DJ-Hintergrund, der alles wie ein großes Set klingen lässt. So wirkt „Wildflower“ trotz Abwechslung wie aus einem Guss.

The Avalanches setzen auf Altbewährtes und gewinnen damit. Doch gleichzeitig zeigt ich hier auch ein - wenn auch kleiner - Wermutstropfen: Die Frage, wieso sie für diesen nahtlosen Anschluss an den Vorgänger 16 Jahre gebraucht haben, bleibt offen. 2016 passen sie perfekt ins Trend-Klangbild. Doch so hörte sich das Kollektiv eben auch schon an im Jahr 2000 an. Vielleicht hätte man sich von einer Band, die ihrer Zeit damals musikalisch voraus war, etwas mehr Innovation gewünscht. Vor allem, wenn sie sich so viel Zeit lässt.

tsch

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