Barb Wire Dolls: Desperate

Atemlos durch die Wand

Barb Wire Dolls - Desperate

Die Punk-Tage sind angebrochen: Alles, was im Genre Rang und Namen hat, scheint etwas Neues bereitzuhalten. Die beste Platte bisher ist zweifellos „Desperate“ von den Barb Wire Dolls.

Die Punk-Rock-Gemeinde ist eine offene. So vernarrt man auch seine musikalischen Muster verteidigt und immer wieder vorbringt, so offenherzig ist man auch gegenüber neuen Gesichtern. Besonders gerne wurde in den vergangenen Jahren den Barb Wire Dolls die Bühne bereitet. Die Gründe sind vielfältig. So besitzt die Band eine zitierenswerte Hintergrundgeschichte, eine aufregende Frontfrau und, das ist an dieser Stelle das Wichtigste, einen bestechenden Sound. „Desperate“ ist ihr drittes Album.

Der Ursprung liegt auf Kreta. Barb Wire Dolls setzen sich mittlerweile aus zwei Jungs und drei Mädels zusammen. Der Kern lernte sich einst in einer Künstlerkommune auf der Mittelmeerinsel kennen. Wie der kalifornische Radio-DJ Rodney Bingenheimer von Do-it-yourself-Punks Wind bekam? Auf jeden Fall fand dieser Gefallen an der ersten Aufnahme der Barb Wire Dolls, einer EP, aufgenommen 2010.

So großen Gefallen, dass er das Quintett zu sich nach Hollywood einlud und Gigs besorgte. Da lassen sich junge Griechen auf dem Höhepunkt der heimatlichen Wirtschaftskrise natürlich nicht zweimal bitten. So schnell wie die Zelte auf der langgezogenen Urlaubsinsel abgebaut waren, so schnell standen sie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Und die Floskel sollte sich bestätigen für die Neuankömmlinge.

Es folgten Touren durch die USA und Europa, Lemmy Kilmister nahm sie für sein Label unter Vertrag. Der Grund: Nicht mal der gealterte Lebemann konnte sich dem Bühnencharme von Isis Queen entziehen. Die wasserstoffblonde Frontfrau der Barb Wire Dolls zieht die Blicke auf sich, keine Frage. In Interviews bezeichnet sie ihre Bühnenperformance als „Vorspiel“, Sex nach einer Show sei „noch wilder und leidenschaftlicher“ als sonst. Nach einigen Beschwerden, gar einer Anzeige, gibt sie sich zuletzt nicht mehr gar so aufreizend, behauptet sie selbst. Vergleiche mit Brody Dalle und Courtney Love - auch optisch - sind nicht von der Hand zu weisen.

Man muss kein Prophet sein, um zu behaupten, dass wie bei deren Ex-Bands The Distillers und Hole fast alle Fan-Konzentration der Frontfrau gebührt. „Desperate“ spült sie über zehn Tracks hinweg in den Vordergrund, ohne nicht auch selbst zu glänzen. Die Kollegen lassen Miss Queen hauchen, brüllen, schreien. Die dargebotene Vielfalt benötigt es auch, geben sich die Barb Wire Dolls doch nicht gar so versessen auf die Punk-Codes, wie man erwarten dürfte.

Der „Heart Attack“ droht etwa durch Metalgitarren, die dann aber doch immer wieder Blut Richtung Old-School-Punk pumpen. Hier und auch in „Blind To Your Misery“ versucht eine Akustikgitarre gegen das sonstige Geschredder anzukommen. Zwecklos. Gegen die Energie von Barb Wire Dolls ist kein Gras gewachsen. Nach knapp 40 Minuten fehlt dem Zuhörer jede Puste. Und man wird das Gefühl nicht los, dass die Griechen noch nicht einmal eine Atempause nötig hatten.

Barb Wire Dolls auf Tournee:

06.08.2016, Wacken Open Air, Wacken

tsch

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