Letzte Instanz: Liebe im Krieg

Angriff mit Herz

Letzte Instanz - Liebe im Krieg

„Wir sind der Satz: Ich will nicht mehr“: Die Letzte Instanz tritt mit „Liebe im Krieg“ die Flucht nach vorn an.

Nicht nur positiv waren die Reaktionen auf die letzten Aktivitäten der Letzten Instanz. Ambitioniert und unbeirrt gaben sich die Rocker, keine Frage. Sahen sich „Im Auge des Sturms“ (2014), suchten das eindringliche und gerne auch stille Element. Im Mai nun trennten sie sich von Gitarrist Oli, da sie „im Produktionsprozess zum neuen Album erkennen mussten, dass die musikalischen Vorstellungen immer weiter auseinandergehen.“ Das ließ einen stutzig werden. Und tatsächlich zeigt das neue Album der Dresdner „Liebe im Krieg“ eine andere Instanz.

Etwas drastisch ausgedrückt: Das Ganze gleicht einem Maßnahmenkatalog. Die zwölf Songs sind präzise formulierte, harte Deutschrocknummern, die ins dunkle Reich hineinschauen, sich dort aber niemals verirren. Ob das „brachialromantisch“ ist, wie es gerne suggeriert wird, sei mal dahingestellt. Es ist auf jeden Fall brachial haushälterisch. Praktisch, quadratisch, gut.

Kaum mehr etwas ist von der sperrigen Art zu spüren, welche die jüngste Vergangenheit der Instanz prägte. Anstatt auf diejenigen zu pfeifen, denen sie zu anstrengend sind, pfeifen sie jetzt auf diejenigen, denen sie zu pop-orientiert sind. Kein Ton ist zu viel, kein Arrangement mit experimentierfreudiger Hand gestrickt. Produziert wurde „Liebe im Krieg“ von Michael Schlichtherle, der bereits für Christina Stürmer und Juli arbeitete.

Die Nachtigall trapst. Und zwar so laut, dass ab und zu ein „unheiliger Name“ seinen Weg ins Assoziationsfeld findet. Wie es sich anhört, wenn die Instanz heillos über das Ziel hinausschießt, zeigt „Wir Sind Eins“, welches im massenfertig gebackenen Teig das Wir-Gefühl evoziert. Als wenn es dieses Jahr im Schatten sportlicher Großereignisse nicht schon genug solcher Versuche gegeben hätte.

Und doch ist dieser Ausflug eine Ausnahme. Denn „Liebe im Krieg“ ist kein Seelenverkäufer. Die typische Poesie, die typischen Streicher, das von Hoffnung getragene Grundgefühl, welches sich in Kirchen und Clubs ebenso auszubreiten vermag wie unterm Hallendach und Festivalhimmel. Alles da. Alles wohltuend.

„Tränen Aus Stein“ prescht mit Alternative-Rock-Gitarren nach vorne, „Blutmond“ trifft in allen Disziplinen der Letzten Instanz ins Schwarze. Auch getragenere Stücke wie „Reise“ oder „Tageslicht“ gehen den abgeänderten Weg ohne größere Reibungsverluste mit. Die Themen sind dabei ebenso altbekannt wie altbewährt: Liebe und Trennung, Selbstbewusstsein und Zweifel, Leben und Tod. Und so ist am Ende das Unterfangen „Liebe im Krieg“ weniger riskant, als es zunächst erscheint.

Letzte Instanz auf Tournee:

28.10.2016, Bochum, Matrix

29.10.2016, Hannover, Musikzentrum

30.10.2016, Leipzig, Werk 2

03.11.2016, Berlin, Huxley's Neue Welt

04.11.2016, Nürnberg, Hirsch

05.11.2016, Wien, Szene

10.11.2016, Augsburg, Spectrum

11.11.2016, Aschaffenburg, Colossaal

12.11.2016, Dresden, Reithalle

tsch

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