The Pineapple Thief: Your Wilderness

Abseits der Autobahn

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The Pineapple Thief begeben sich wieder auf progressive Reise.

Die Schönheit einer staubigen Straße: „Your Wilderness“ ist ein ebenso edler wie unkonventioneller Ausflug in die Täler des zeitgemäßen Progressive Rock. Am Steuer: The Pineapple Thief.

Auch wenn der Bandname es vermuten lassen könnte: An Obstplantagen steuern The Pineapple Thief eher selten vorbei. Ihre Reise geht in Richtung verlassener, schroffer Gegenden. Auf staubigen Straßen, die eine magische Anziehungskraft ausüben. Komplexe Felsformationen und mondlichtbeglänzte Ebenen dominieren das Bild, welches die Band bei ihrem unkonventionellen Progressive-Rock-Ausflug auf „Your Wilderness“ zeichnet.

Nach „Magnolia“ (2014) nähert sich die Gruppe um Bruce Soord wieder stärker ihrer progressiven Herkunft - ohne dabei die Songdienlichkeit am Wegesrand zurückzulassen. Wobei solche Begrifflichkeiten zwischen den Linien eines imposanten Panoramas verschwimmen. Piano- und Akustikgitarren schmiegen sich an die Stimme von Bandgründer Bruce Soord, Unebenheiten werden als gezielte Farbtupfer eingesetzt. Vieles auf „Your Wilderness“ zieht in Zeitlupe am Betrachter vorbei. Und gewinnt dadurch an Intensität.

„Don't be afraid to miss me“ heißt es im Eröffnungsstück „In Exile“. Der Trip ist eine Reise ins Innere; dorthin, wo einem klar wird, dass man am ehesten etwas an sich selbst vermisst. Schonungslos ist die Musik. Traurig auch. Umso wichtiger sind die Gäste, welche ab und an frischen Wind in die Gedanken bringen. Allen voran Weltklasse-Schlagzeuger Gavin Harrison (Porcupine Tree, King Crimson), der deutliche Spuren hinterlässt. Nur wenige Vertreter seiner Zunft wissen die Aufmerksamkeit so geschickt auf sich zu lenken, ohne dabei dem Song an sich in die Quere zu kommen. Sofort ins Ohr sticht auch das Klarinettenspiel von Supertramp-Mann John Helliwell, während Geoffrey Richardson (Caravan) ein Streichquartett auf die Rückbank packt.

„Your Wilderness“ wird vorzugsweise als komplettes Album genossen. Als Reisebeschreibung vorab eignet sich das Doppel aus „Tear You Up“ und „That Shore“, welches die Grundstimmung des insgesamt elften Studiowerks von The Pineapple Thief zumindest grob einzuklammern vermag. Die Hauptsehenswürdigkeit indes hört auf den Titel „The Final Thing On My Mind“: Einer der wichtigsten Progressive-Rock-Longtracks des Jahres. Das ist jetzt schon sicher. Knapp zehn Minuten dauert er. Viel zu kurz. Mehr wird nicht verraten. Und jetzt: Einsteigen.

The Pineapple Thief auf Tournee:

29.01.2017, Hamburg, Knust

tsch

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