ReCore

Die Wüste bebt!

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Heldin Joule schraubt fortwährend an einer Handvoll Roboter-Begleitern herum, um sie zu verbessern.

„ReCore“ läutet die Play-Anywhere-Ära ein. Wer das wüste Action-Adventure digital kauft, kann es sowohl auf der Xbox One als auch auf einem Windows-10-PC spielen.

Fast vier Millionen Dollar spendeten Fans via Kickstarter dem „Mega Man“-Schöpfer Keiji Inafune für sein Projekt „Mighty No. 9“. Doch nach fünf Jahren Wartezeit und zahllosen Verschiebungen hielt sich die Begeisterung in Grenzen. Nun meldet sich die Game-Designer-Legende mit einem weiteren Projekt zurück, das er zusammen mit ehemaligen „Metroid Prime“- und „Destiny“-Entwicklern exklusiv für PC und Xbox One geschaffen hat: „ReCore“ - der erste echte Play-Anywhere-Titel. Bedeutet: Wer sich das Action-Adventure digital kauft, kann es sowohl auf einem Windows-10-PC als auch Xbox One nutzen.

Mädchen verstehen nichts von Technik? „ReCore“ räumt mit diesem Vorurteil auf. Heldin Joule schraubt fortwährend an einer Handvoll Roboter-Begleitern herum. Muss sie auch. Denn nur mithilfe der sogenannten Corebots gelingt es ihr herauszufinden, warum der erdähnliche Planet „Neu Eden“ ein lebensfeindlicher Ort anstelle eines künstlichen Paradieses geworden ist - und was mit allen Menschen, vor allem ihrem Vater, geschehen ist, während sie selbst jahrhundertelang im Kälteschlaf lag.

Was nach dem bösen Erwachen folgt, ist ein wilder Genre-Mix aus rasanten Feuergefechten, fordernden Jump&Run-Einlagen und „Zelda“-ähnlichen Rätseln - angesiedelt in einer gigantischen Wüsten-Welt voller versteckter Hinweise und verstreuter Corebot-Teile. Mit deren Hilfe lassen sich der hundeähnliche Robo „Mack“, der krabbelnde Spinnen-Bot „Seth“, der zähe Gorilla „Duncan“ sowie zwei weitere Bodyguards wie in einem Rollenspiel fortlaufend verbessern, was wiederum dazu führt, dass weitere Passagen in Gebieten zugänglich werden, die man schon bereist hatte ...

Die ständige Suche nach neuen Teilen ist auch ein Grund, warum der Spieler in den temporeich inszenierten Feuergefechten nicht alles blindlings über den Haufen schießen sollte. Manchmal lässt sich das Herzstück wild gewordener und mürbe geschossener Blechkübel per Greifhaken in einer kleinen Geschicklichkeitseinlage entreißen.

Kerne in verschiedenen Arten und Farben spielen in „ReCore“ eine zentrale Rolle - nicht nur bei der Aufwertung der eigenen Begleiter, sondern auch im Kampf. Joules Gewehr lässt sich mit bunten Aufsätzen bestücken. Gleicht die Farbe der Munition dem Kern des Gegners, richtet man deutlich höheren Schaden an, was bei Duellen mit mehreren unterschiedlichen Widersachern oder zähen Bossbrocken durchaus entscheidend sein kann. Gleiches gilt für die Wahl des Begleiters, denn maximal zwei der insgesamt fünf Bots darf man gleichzeitig mit in die offene Spielwelt mitnehmen. Geändert werden kann die Besetzung nur an Schnellreisepunkten oder im Crawler.

„ReCore“ ist ein Spiel voller guter Ideen, präziser Steuerung und einem völlig neuem Setting, das sich in seinen besten Momenten so anfühlt, als würde man eine ganze Ära von alten Action-Games gleichzeitig spielen. Allerdings verschenkt der Titel auch einiges von seinem Potenzial, weil die vielen Mechaniken (nahezu alles lässt sich aufleveln!) nicht reibungslos ineinander greifen, schrecklich lange Ladezeiten und zahlreiche technische Patzer zusätzlich Sand ins Gameplay-Getriebe streuen.

Was am Ende bleibt, ist ein mit 39 Euro günstiges Action-Abenteuer, das vermutlich auch nach einem Patch nicht in Detailfluten ertrinken wird, dann aber hoffentlich ein rundes und kurzweiliges Vergnügen ist, das eine Chance verdient hat - auch wenn sich vieles irgendwann wiederholt und manche Elemente wie die Suche nach grünen Tür-Öffner-Bots das Ganze unnötig in die Länge zieht.

tsch

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