Studie sieht "Internet-Optimismus" in Deutschland

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Ohne digitale Teilhabe wird eine soziale Teilhabe immer schwieriger. Foto: Jens Kalaene

Das Internet ist in der deutschen Gesellschaft inzwischen omnipräsent. Doch jeder Sechste ist noch immer offline. Und auch internet-affine Menschen fühlen sich häufig nicht souverän genug im Umgang mit dem Netz, ergab eine Studie.

Berlin (dpa) - Immer mehr Menschen in Deutschland können sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen. "Das Internet ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen" - das ist die Kernaussage einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI).

Daran hätten auch die zahlreichen Datenskandale und Enthüllungen etwa von Edward Snowden nichts ändern können, sagte DIVSI-Direktor Matthias Kammer am Dienstag zur Vorstellung der Studienergebnisse in Berlin.

Dabei sei "ein ausgeprägter Internet-Optimismus und -Pragmatismus" erkennbar. Denn demnach sieht mit 72 Prozent die große Mehrheit der Bevölkerung wesentlich mehr Chancen als Gefahren im Netz. Zugleich bezweifeln aber 68 Prozent der Befragten, dass Datensicherheit überhaupt möglich ist. "Es hat sich eine realistische, aber auch sehr pragmatische Grundhaltung in Sicherheitsfragen etabliert, teils gleichgültig, teils resigniert", sagte Kammer.

Den Menschen sei es bewusst, dass es in puncto Sicherheit und Datenschutz keine einfachen Lösungen gebe, hieß es. Dies werde noch untermauert von der Tatsache, dass die Nutzer bei der Frage nach der Verantwortung für Sicherheit und Datenschutz gleichermaßen auf sich selbst (82 Prozent), den Staat (70 Prozent) sowie Unternehmen (88 Prozent) verweisen. 64 Prozent der Befragten gaben an, dass man sich an einen freieren Umgang mit Daten gewöhnen muss, auch wenn sie ihre persönlichen Daten davon gerne ausgenommen sehen würden.

Die Studie habe bei den Nutzern in Sachen Sicherheitsbedenken teilweise ein paradoxes Verhalten gezeigt, sagte Silke Borgstedt, Direktorin beim Sinus-Institut, das die Studie durchgeführt hat. So hätten beispielsweise nur 21 Prozent der Befragten angegeben, sie würden im Tausch für einen Service etwa in einer App Anderen Zugriff auf ihre persönlichen Daten ohne Bedenken gewähren. Die meisten täten es im Alltag jedoch ohne Bedenken. "Man tut, was man eigentlich ablehnt."

"Der digitale Wandel vollzieht sich bei weitem nicht nur technisch, sondern unsere Gesellschaft hat sich im Hinblick auf ihre Grundhaltungen zum Internet in nur vier Jahren massiv verändert", sagte Kammer. Waren etwa 2012 zur ersten Erhebung des Vereins noch 38 Prozent der Befragten täglich online, seien es vier Jahre später bereits 58 Prozent. Allein der Anteil der Besitzer von internetfähigen Smartphones hat sich in Deutschland demnach seit 2012 vervierfacht und ist von 16 Prozent auf 68 Prozent gestiegen.

Dennoch seien heute noch immer 16 Prozent der Menschen in Deutschland offline, viel davon im fortgeschrittenen Alter. Aber auch die aktiven Nutzer fühlten sich häufig überfordert. "Nicht wenigen macht es Angst, dass immer mehr Bereiche des Alltags dem digitalen Wandel unterworfen werden", sagte Borgstedt. Demnach wollen mehr als zwei Drittel an dem teilhaben, was im Internet geschieht, zugleich schätzt sich ein Drittel jedoch als wenig kompetent dafür ein.

Besonders ältere oder weniger gebildete Menschen mit geringerem Einkommen müssen nach Einschätzung des DIVSI beim digitalen Wandel mitgenommen werden, "damit dieser nicht zu einer gesellschaftlichen Spaltung führt". Die Studie zeige, wie zentral das Internet für die Gesellschaft geworden ist. Ohne digitale Teilhabe sei eine soziale Teilhabe kaum noch möglich, sagte Kammer.

Die Wertschätzung des Internet sei bei den Offlinern im Vergleich zu vier Jahren zuvor deutlich gestiegen, sagte Borgstedt. Anders als noch 2012 hätten aber viele Menschen angegeben, sich nicht souverän genug zu fühlen. "Die digitale Gesellschaft driftet auseinander." Es bestehe die Gefahr, dass nicht nur die Nicht-Onliner, sondern auch die nicht ganz Souveränen der Zugang zum Netz verwehrt bleibe.

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