Ratchet & Clank

Das Spiel zum Film zum Spiel

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Computerspiele und Animationsfilme rücken immer näher zusammen, wie "Ratchet & Clank" eindrucksvoll beweist.

Allseits heldenhaft: Das ungewöhnliche Duo "Ratchet & Clank" rettet die Galaxie nicht nur im Kino, sondern auch auf der PlayStation4.

Auf der PlayStation2 gehörte das schräge Science-Fiction-Abenteuer "Ratchet & Clank" zu den ganz großen Hits. Doch während der PS3-Ära litt die kurzweilige Mixtur aus Jump&Run-, Baller- und Knobeleinlagen unter allerlei mittelprächtigen Fortsetzungen. Darum nutzen Entwickler Insomniac und Sony den zeitgleich startenden "Ratchet & Clank"-Kinofilm, um Langohr Ratchet und seinem kleinen Blechkumpel Clank auch auf der PS4 zu einem fulminanten Comeback zu verhelfen. Der Neustart orientiert sich am allerersten Spiel, greift aber auch viele Elemente und Szenen aus dem Kinofilm auf. Welche Sequenz für die große Leinwand, welche fürs Wohnzimmer gedreht wurde? Die Übergänge sind mitunter fließend und die Unterschiede kaum noch zu erkennen.

Ich wäre so gerne ein Space-Ranger. Der größte Traum des kleinen Lombax Ratchet ist es, zur intergalaktischen Schutztruppe des legendären Captain Quark zu gehören. Also bricht er zusammen mit Robo-Kumpel Clank auf, um sich dem Idol zu beweisen, das wenig Heldenhaftes im Sinn hat ...

Langjährige PlayStation-Fans kennen die Hintergrundgeschichte von Insomniacs Action-Jump&Run "Ratchet & Clank" schon seit der Erstveröffentlichung 2002. Doch nach rekordverdächtigen zwölf Episoden in 14 Jahren hatte die Serie ihre ursprünglichen Stärken aus den Augen verloren. Der Stern des einstigen Erfolgsgespanns war im Sinkflug.

Deshalb stellte Sony die Uhren zurück auf Neuanfang und kehrt nun zu den Wurzeln der Reihe zurück: "Ratchet & Clank" ist spielerisch ein überraschend akkurater Nachbau des Originals, auch die in aufgeregten Bildern erzählte Geschichte vom letzten Lombax und seiner Helden-Karriere hält sich ans Original. Mit einer kleinen Änderung: Das Remake steigt am Ende des Abenteuers und einem Rückblick durch Captain Quark ein. Der sitzt längst hinter schwedischen Gardinen, um für seine Gaunereien zu büßen. Inzwischen hält er seine Mithäftlinge bei Laune, indem er ihnen die Geschichte von Ratchet und Clank erzählt - in Form vieler Sequenzen aus dem Kinofilm und eigens produzierter Szenen.

Dass diese nach all der Zeit noch immer besser funktioniert als jede Fortsetzung, ist nicht nur dem zeitlosen Spieldesign des Originals zu verdanken. Auch die spektakuläre neue Grafikkulisse trägt dazu bei. Der Kampf gegen den skrupellosen, galaktischen Business-Bösewicht "Vorsitzender Drek" gehört zur visuellen Crème de la Crème des PS4-Universums: Brodelnde Metropolen, effektreiche Gefechte und aberwitzige Cartoon-Gegner machen "Ratchet & Clank" zum Animations-Spektakel à la Pixar. Dass die fadenscheinige Story mit all ihren hysterischen Akteuren, übertrieben dargebotenen Plattitüden und insgesamt unterirdischem Timing eher nervt als unterhält, tut dem Entertainment-Faktor des Spiels keinen Abbruch. Sie ist Mittel zum Zweck - und Showbühne für den eigentlichen Star des Spiels: das aberwitzige und in mehreren Stufen ausbaubare Waffenarsenal.

Von einer abschießbaren Disco-Kugel, die alle Gegner zum Tanzen zwingt, bis hin zum Verpixler, der Widersacher in grobe Bildpunkte zerbröselt - im Lauf des Abenteuers sammelt man gut zwei Dutzend überdrehte Wummen ein. Raumschiffgefechte sowie Renn- und Flugeinlagen bringen die nötige Abwechslung ins Spiel, das seine Geheimnisse nach und nach offenbart: Viele Terrains sind erst dann zugänglich, wenn die Helden vorher den passenden "Schlüssel" organisieren - meistens ein Gegenstand, der die Mobilität des Duos steigert.

Darum sind Laser-Greifhaken, Magnetstiefel & Co. für das Duo noch wichtiger als mächtige Vernichtungswerkzeuge. Sie machen "Ratchet & Clank" zur explorativen Wundertüte. Das ist zwar nicht neu, aber in der Welt der überdimensionierten Blockbuster-Produktionen ist es in den letzten Jahren zunehmend in Vergessenheit geraten.

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