Sherlock Holmes: The Devil's Daughter

Schlecht kombiniert, Holmes!

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Vieles im Krimi-Knoblel-Adventure „Sherlock Holmes: The Devil's Daughter“ erinnert an die erfolgreichen Vorgänger - und doch hat sich einiges geändert.

Action- und temporeicher sollte der neue Ableger der millionenfach verkauften Krimi-Adventure-Reihe „Sherlock Holmes“ sein. Fragt sich nur: Warum eigentlich?

Recherchieren, analysieren, kombinieren - und im passenden Moment das richtige Knöpfchen drücken: Mit „The Devil's Daughter“ wollen Frogwares und Hersteller Bigben Interactive die millionenfach verkaufte Krimi-Knobel-Reihe „Sherlock Holmes“ in ein Massenmarkt-taugliches Action-Adventure verwandeln. Doch verträgt sich das beschauliche Faktensammeln mit den neu hinzugefügten Reaktionsspielchen und Kneipenschlägereien in Superzeitlupe?

Der britische Meisterdetektiv Sherlock Holmes hat inzwischen viele Gesichter: Je nach Interpretation von Arthur Conan Doyles Klassikern ist das Geige spielende Genie aus der Baker Street entweder gutherziger Saubermann, eiskalter Soziopath oder schnodderiger Raufbold.

In seinen Spiele-Umsetzungen hat das ukrainische Studio Frogwares Holmes bislang als feinen britischen Gentleman im edlen Zwirn auftreten lassen - zuletzt im großartigen „Crimes and Punishment“. Mit „Devil's Daughter“ bewegt man sich nun mittels virtueller Verjüngungskür jedoch zusehends in Richtung Raufbold und Junkie. Kaum verwunderlich, dass man die spielerische Gangart entsprechend angepasst hat.

Diese war in den - je nach Zählweise - sieben bis elf Vorgängern, die zusammen über fünf Millionen Käufer fanden, ausschließlich von kühlen Ermittlungen und Fakten-Hamsterei geprägt. Doch neuerdings soll der Meisterdetektiv ungewohnt große Spielterrains durchqueren, sich im Schatten verstecken und allerlei Action-Sequenzen mit eingebauten Reaktionstests bestehen. Der Versuch, die Steifheit, die man „Crimes & Punishments“ vorwerfen konnte, mithilfe von Explosionen, Verfolgungsjagden, Balance-Akten und Faustkämpfen abzustreifen, glückt allerdings nur bedingt.

Erfolgreich war man nur dabei, das funktionierende Konzept aus Zeugenverhören, Indiziensammelei und dem Herleiten eines schlüssigen Verdachts aus der Balance bringen. Darum fühlt sich das neue Abenteuer von Holmes vor allem wie ein missglücktes Experiment an: Ein Experiment zwar, das einige halbwegs interessante Geschichten erzählt und in herrlich detailverliebte Schauplätze bettet, das aber letztlich nicht das Inszenierungsniveau der großen Produktionen erreicht, die es so bemüht zitiert.

Zum Glück dürfen sich Fans über ein Wiedersehen mit bekannten Elementen freuen: Die Wohnung des spätviktorianischen Meister-Detektivs mitsamt Kostümierungsecke, Recherche-Archiv und Balkon mit Ausblick auf die Baker Street kennt man bereits - ebenso wie das in verschiedene Kriminalfälle gegliederte Einsammeln von Fakten, die anschließend ins allmächtige Notizbuch des Meisters sortiert werden und mit all den anderen Hinweisen in seinem genialen Hirn zu einer richtigen (oder falschen) Schlussfolgerung verknüpft werden.

Doch auch hier enttäuscht „Devil's Daughter“ gegenüber dem Vorgänger: Weder sind die neuen Fälle und ihre Rahmenhandlung um Holmes' diabolische Ziehtochter sonderlich packend noch bestechen sie durch fordernde Rätsel und außergewöhnliche Logik. Hinzukommt die leider etwas dürftige deutsche Synchronisation.

Fazit: Freunde des interaktiven Investigations-Genies erleben hier keine völlige Pleite, trauern aber um die vergebene Chance, zumindest mit dem gelungenen Vorgänger gleichzuziehen. Dass sich die teils ungelenken und aufgesetzt wirkenden Minispiele auch überspringen lassen, lässt vermuten, dass die Entwickler selbst nicht ganz glücklich damit waren.

tsch

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