Homefront: The Revolution

Rebellen von der Reste-Rampe

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Das potente Beleuchtungs-Modell der verwendeten CryEngine taucht die Szenerie in ein teilweise unwirkliches Licht. Das Ergebnis ist eine extrem atmosphärische Umgebung.

Eine Revolution, die beinahe im Untergrund versickert wäre: Nach etlichen Hersteller- und Studio-Wechseln ist das Ego-Shooter-Projekt „Homefront: The Revolution“ endlich fertiggestellt. Doch hat das ehrgeizige Projekt die Publisher-Odyssee schadlos überstanden?

Eine Revolution, die beinahe im Keim erstickt worden wäre: „Homefront: The Revolution“ ist ein Parade-Beispiel für all das, was bei einer teuren Games-Entwicklung so alles schieflaufen kann. Ursprünglich sollte der Nachfolger zu „Homefront“ beim Traditions-Entwickler Free Radical („TimeSplitters“) entstehen. Doch finanzielle Schieflagen führten zu einer regelrechten Odyssee von Hersteller zu Hersteller. Nun ist der US-Widerstandskampf gegen nordkoreanische Besatzer endlich unter dem Dach der britischen Spieleschmiede Dambuster und des deutschen Publishers Deep Silver erschienen. Dem fertigen Produkt für PC, PS4 und Xbox One sieht man allerdings die Irrfahrt deutlich an ...

Eigentlich sollte das neue „Homefront“ den glücklosen Vorgänger von 2011 vergessen machen und den ehemals geradlinigen Shooter obendrein in die Welt der Open-World-Games überführen. Maximale Bewegungsfreiheit war die Maxime. Die gute Nachricht: Die Erzählung um die Besatzung der USA durch ein technologisches Konglomerat aus Nord- und Südkorea hat nach wie vor Potenzial. Entwickler Dambuster gibt sich alle Mühe, das Unterdrückungs- und Widerstands-Szenario mit einem stimmungsvollen Intro-Film zu erklären. Auch der Auftakt zum eigentlichen Abenteuer provoziert gekonnt das Gefühl der Beklemmung. Wenn der Spieler als angehendes Mitglied der Untergrund-Bewegung durch zerschossene und verregnete Vorstadt-Slums schleicht, während koreanische Besatzungstruppen und Roboter-Drohnen durch die Straßen patrouillieren, macht „Homefront“ geradezu hollywoodreif Stimmung.

Schade nur, dass das eigentliche Spiel diese Atmosphäre nur noch bedingt transportieren kann: Dann geht es nur noch darum, mit vorgehaltener und selbst zusammengebasteltem Waffenarsenal gesichtslose Soldaten über den Haufen zu schießen. In den Zwischensequenzen dazwischen werden vor allem hohle Phrasen gedroschen und Kampfparolen auf Trash-Movie-Niveau gebellt, wobei vor allem die fehlerhafte Tonabmischung auffällt.

Kritische Abhandlung des an sich komplexen Themas? Politische Eigen-Reflexion der vielleicht nicht ganz zu Unrecht besetzten USA? Fehlanzeige - solche Fragen stellt sich die Revolution an der unterdrückten Heimatfront nur selten. Dafür ist das Helden-Hirn wohl viel zu sehr damit beschäftigt, abenteuerliche Waffen-Konstruktionen zu schmieden und zwischen den verstaubten Ruinen um sein nacktes Überleben zu kämpfen.

Anders als im geradlinigen Vorgänger ist der Kriegsschauplatz weitgehend offen gestaltet und seine unterschiedlichen Stadtviertel frei begehbar. Hier heißt es dann: Durch den Schutt schleichen, Häuserdächer erklimmen - und zur Not auch mal auf ein Motorrad steigen und halsbrecherische Stunts vollführen, wenn es denn dabei hilft, den Besatzern zu entkommen.

Der von koreanischen Truppen okkupierte US-Schauplatz bietet reichlich Bewegungsfreiheit, wird mithilfe der CryEngine weitgehend hübsch präsentiert und verführt zum hemmungslosen Erkunden - auch wenn einige unschöne Einbrüche bei der Bildwiederholungsrate und Verzögerungen den Action-Trip immer wieder stören.

Dass der Funke der Revolution trotz der gesteigerten Bewegungsfreiheit nicht überspringt, liegt aber weder an dessen technischen noch dramaturgischen Unzulänglichkeiten - vielmehr ist es die fast vollständige Abstinenz von konsistentem Gameplay oder Spieldynamik, die das Erlebnis immer wieder eintrübt.

Nicht allzu clever agierende, geradezu passive Computer-Gegner, mangelhaftes Treffer-Feedback und allgemein nervige Feuergefechte sorgen dafür, dass „Homefront“ gerade als Ego-Shooter eine nur mäßige Figur abgibt. Außerdem wirkt das Abenteuer bisweilen reichlich konfus: Wo geht's hin und warum? Die Missions- und Standort-Verwaltung per Ingame-Smartphone ist nur in der Theorie eine nette Sache - praktisch wird sie wie so vieles in „Homefront“ von Bugs geplagt und sorgt deshalb eher für Verwirrung denn Orientierung.

Schade, dass Dambusters Open-World-Ballerei aktuell zu wenig Anreize bietet, um sich durch dieses massive Dickicht aus Design-Schnitzern und technischen Verfehlungen zu ackern - auch wenn sich irgendwo dahinter ein ambitioniertes Spiel versteckt. Derzeit arbeitet das Studio unter Hochdruck an Updates, um die „Revolution“ doch noch in Gang zu bringen - aber bis dahin ist „Homefront“ wenig mehr als ein hübsch inszeniertes Ärgernis.

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