The Curious Expedition

Pixel-Hommage an das Entdeckertum

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Eingeborene Stämme im afrikanischen Dschungel, totgeglaubte Dinosaurier als Reittiere und das ganz große Pixel-Abenteuer: Mit „The Curious Expedition“ will der Berliner Entwickler Maschinen-Mensch das Entdecker-Gen wecken.

„The Curious Expedition“ lädt zur Pixel-Safari mit Forscher-Promis in fremden Gefilden voller Gefahren. Und jede Entscheidung in diesem interaktiven Abenteuerroman kann weitreichende Folgen haben.

Ferne Länder, fremdartige Tiere, geheimnisvolle Tempel und das ganz große Pixel-Abenteuer: Mit dem Browser-Game „The Curious Expedition“, das auch über die Plattformen Steam und Gog.com für PC und Mac erhältlich ist, liefert das Berliner Zwei-Mann-Team Maschinen-Mensch eine Hommage an das Entdeckertum. Mit Indiana Jones und Allan Quatermain darf man zwar nicht auf Expedition gehen, dafür mit über einem Dutzend historischer Figuren aus dem 19. Jahrhundert - darunter Marie Curie, Nikola Tesla oder Charles Darwin. Und jeder verfügt über andere Fähigkeiten, die sich im Kampf gegen die Natur, Eingeborene und den Wahnsinn als äußerst hilfreich herausstellen.

Spiele, die dem grobkörnigen Stil der 8- oder 16-Bit-Ära folgen, gibt es aktuell zuhauf - entsprechend schwierig ist es, Akzente zu setzen. Trotzdem ist dem Berliner Entwickler dieses Kunststück gelungen: Mit ihrer „Curious Expedition“ wagen die beiden Macher Johannes Kristmann und Riad Djemili den Trip in die Vergangenheit des Mediums und lassen nebenbei auch noch den guten alten Abenteuerfilm hochleben.

Ob „Indiana Jones“, die „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ oder die Suche nach „König Salomons Diamanten“: „The Curious Expedition“ ist um kein Zitat verlegen, um den Entdeckergeist Retro-affiner Gamer zu wecken. Und wie in Jules Vernes Roman „In 80 Tagen um die Welt“ beginnt alles im Wettstreit der feinen britischen Gesellschaft. Für Ruhm, Ehre und Reichtum bricht man Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Reise in die noch unerforschten Regionen des Erdballs auf: Afrika, Südamerika, Asien. Die Wahl der richtigen Ausrüstung und geeigneter Gefährten ist der Schlüssel zum Erfolg.

Was folgt, lässt sich am besten zwischen „Sid Meier's Pirates“, dem entscheidungsfreudigen „FTL“ und einem rustikalem Grafik-Adventure verorten. Am Ufer eines unbekannten Landes angelegt, laden sechseckige Felder zum Erkunden ein. Fragezeichen deuten auf eine Besonderheit hin - was es ist, erfährt man allerdings erst, wenn man seine Expedition dorthin schickt. In Dörfern kann man Vorräte auffrischen, in Ruinen nach wertvollen Überresten suchen. Trifft man im Dschungel auf ein wildes Tier, wird der Ausgang der Begegnung wie bei „Risiko“ ausgewürfelt.

„The Curious Expedition“ ist wie ein Abenteuerroman, der dem Leser zwar permanent Gefahren entgegenschleudert, ihm zwischen den Seiten aber genügend Platz lässt, um all die fantastischen Schauplätze, weiten Steppen und den dampfenden Dschungel mit seinen eigenen Bildern zu füllen. Doch gerade das macht den Trip so reizvoll.

Für Höhepunkte oder besondere Momente liefert der interaktive Roman seine eigenen, wunderbar detaillierten Pixel-Illustrationen: Dann beobachtet der „Leser“, wie seine Gruppe am prasselnden Lagerfeuer Platz nimmt. Oder im Zeremonien-Raum der Goldenen Pyramide einer epochalen Entdeckung beiwohnt. Einer Entdeckung, die von „seitenfüllenden“ Pixel-Gemälden und blumigen Textpassagen untermalt wird. Darin werden meist kleine Geschichten geschildert, wie die Expedition beispielsweise von indigenen Dorfbewohnern empfangen wird, es die Gefährten im Angesicht eines uralten Relikts mit der Angst zu tun bekommen oder wie im Schein des Lagerfeuers der Tod eines Gefährten beklagt wird.

In diesen Momenten stellt das Abenteuer die Reisenden immer wieder vor Entscheidungen von echter Tragweite: Entschließt man sich dazu, die Opfergaben auf dem Altar der Pyramide mitgehen zu lassen, wird die ehemals fruchtbare Region von einer verheerenden Dürre heimgesucht. Lässt man sie dagegen liegen und respektiert die einheimischen Kulturen, kommt das Team unter Umständen mit leeren Händen nach Hause.

Der schwindende Gemütszustand der eigenen Truppe, das Abwägen zwischen Gier und Vernunft, die Wahl des Expeditionsleiters und seines Gefolges - all das lässt Spieler nicht so schnell los. Was die Entdeckungsreise aber besonders spannend macht, ist ihre geschickt gewählte Reduktion: Das Spiel, das auf den ersten Blick komplex wirkt, ist in Wahrheit rundum selbsterklärend. Dabei verzichtet es auf genau die richtigen Elemente, um das Abenteuer zum angenehm leichtgängigen Sucht-Erlebnis zu machen.

tsch

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