Kleine Maße, große Leistung: das bessere iPad Pro im Test

Kompaktes Kraftpaket

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Passend zum kleinen iPad Pro gibt es auch ein passendes SmartKeyboard - eine Schutzhülle mit Tastatur, die an einem neuen Magnetanschluss ankoppelt. Laptops? Haben bald ausgedient, wenn es nach Apple geht.

Äußerlich sieht es dem iPad Air 2 zum Verwechseln ähnlich, doch technisch lässt das iPad Pro 9.7 seinen Quasi-Vorgänger ziemlich alt aussehen. Und auch der große 12,9-Zoll-Bruder blickt neidisch auf so manches Upgrade.

Bigger is better? Nicht immer. Ende letzten Jahres präsentierte Apple mit dem 12,9 Zoll großen iPad Pro ein Riesen-Tablet, das man als echte Alternative zum Laptop etablieren wollte. Vielen potenziellen Käufern war das Gerät aber wohl zu groß, zu schwer, zu unhandlich, zu teuer - weshalb es nun die gleiche, leistungsstarke Technik im kompakteren 9,7 Zoll-Design gibt. Und zu etwas niedrigeren Preisen. Ob der iPad-Air-2-Nachfolger, den Apple mit dem Slogan "Der beste Computer ist vielleicht keiner" auf seiner Webseite bewirbt, im Zusammenspiel mit Tastatur und Stift wirklich das Notebook überflüssig macht? Was es mit dem True-Tone-Display auf sich hat? Und warum es so viel mehr ist als ein reines Arbeitsgerät, zeigt der Test.

Die harten Fakten vorweg: Rund 450 Gramm bringt das neue iPad Pro auf die Waage und ist doch ein echtes Technik-Schwergewicht. Im Inneren arbeitet der mit 2,25 Gigahertz getaktete 64-Bit A9X Chip vom großen 12,9-Zoll-Bruder. Zusammen mit den nur noch 2 statt 4 GB Arbeitsspeicher entwickelt er in etwa doppelt so viel Leistung wie das gleichgroße iPad Air 2 - und mehr Gaming-Power als eine Xbox 360. Durch die spezielle Schnittstelle Metal bekommen Spiele noch einen Extra-Schub. Das Ergebnis: Selbst grafisch anspruchsvolle Titel im App-Store bringen das iPad Pro nicht einmal ansatzweise ins Schwitzen. Und auch Schnitt und Bearbeitung von Videos in 4K-Auflösung klappen reibungslos.

Ebenso für Filmfans interessant: Das neue iPad Pro, nur 6,1 Millimeter dick und mit einem Akku für 10 Stunden Dauer Betrieb ausgestattet, besitzt vier Lautsprecher, einer an jeder Ecke, die Bässe und Höhen getrennt wiedergeben. Der Clou: Beim Drehen des Tablets bleibt die Aufteilung stets gleich: Die unteren Boxen sind basslastiger eingestellt, die Höhen kommen oben - und das mit einer Qualität, die im Tablet-Markt aktuell ihresgleichen sucht.

Geblieben ist zwar die Auflösung des Retina Bildschirms von 2048x1536 Pixel. Allerdings besitzt das neue iPad Pro neben dem P3-Farbraum, wie ihn auch der aktuelle 27-Zoll-5K-iMac unterstützt, als erstes Apple-Gerät überhaupt ein TrueTone-Display. Bedeutet: Unabhängig von der mit iOS 9.3 eingeführten NightShift-Funktion messen Sensoren permanent das Umgebungslicht und passen die Farbeinstellungen binnen Sekunden entsprechend an, sodass die Farben immer realistisch wirken. Im direkten Tageslicht wird die Farbtemperatur deutlich kühler, blaustichiger, heller - bei Kunstlicht spürbar wärmer durch höhere Gelbanteile.

Darf man Apple glauben, haben die Kalifornier sogar extra ein Labor eingerichtet und jede erhältliche Lampe gekauft, um deren Farbtemperatur zu katalogisieren - mit dem Ziel, das Tablet wie ein Blatt Papier wirken zu lassen, das je nach Lichtverhältnissen unterschiedlich aussieht. Beim Lesen und Surfen mag True Tone eine angenehme Komfortfunktion fürs Auge sein, bei der Wiedergabe von Filmen und Serien wirkt die Funktion eher verfälschend. Wir haben sie deaktiviert.

Ebenso mit bloßem Auge sichtbar: Das Display ist heller als beim iPad Air 2 - und reflektiert weniger stark, was beim Lesen am Strand helfen könnte. Aber als reine Urlaubsbegleitung ist das Pro schlicht überqualifiziert. Es will mehr Werkzeug für Kreative als reines Konsumgerät sein.

Entsprechend bietet Apple diverse Accessoires an, die das Arbeiten erleichtern sollen. An erster Stelle ist hier das 170 Euro teure Smart Keyboard zu nennen, das Tastatur, Bildschirmdeckel und Stütze in einem ist - aber bislang nur im US-Layout verfügbar ist. Eine deutsche Fassung soll in Kürze folgen. Das Anschlagsgefühl auf der mobilen Schreibmaschine ist erstklassig, allerdings passen alle zehn Finger nur bedingt auf die kleine Tastatur, die sich über drei kleine magnetische Kontaktpunkte mit dem iPad verbindet und ohne Konfiguration sofort funktioniert. Auf dem Schoß abgelegt, ist das Ganze jedoch eine wackelige Angelegenheit. Immerhin: Mit nicht einmal 700 Gramm ist die Kombination spürbar leichter als das aktuelle MacBook Air. Ein echtes Argument für Menschen, die beruflich viel unterwegs sind ...

Das neue iPad Pro unterstützt auch Apples 109 Euro teuren Pencil. Künstler schaffen mithilfe der feinfühligen und präzisen Erfassung der Druckstärke und des Aufsatzwinkels des Stifts bestimmt wahre Kunstwerke in entsprechenden Apps. Im Test eindrucksvoller war jedoch die Handschrifterkennung - und die Möglichkeit, mit zwei Fingern ein Lineal zu formen, während man mit dem Stift eine gerade Linie zeichnet. Als neues Zubehör kündigte Apple zudem einen USB-Adapter mit Strom-Versorgung und einen schnellen Slot für SD Cards an.

Auf Letzteren lassen sich die Fotos und 4K-Filme übertragen, die mit der 12-Megapixel iSight Kamera gemacht wurden. Es ist dieselbe Kamera, die sowohl beim iPhone 6s als auch beim neuen 4-Zoll-iPhone SE zum Einsatz kommt. Mehr geht im Hause Apple gerade nicht - albern sieht es trotzdem aus, mit Tablets Bilder zu schießen. Für Selfies und Videokonferenzen liefert eine 5-Megapixel-Frontkamera scharfe Ergebnisse. Dank WLAN nach 820.11ac Standard und LTE mit Datenübertragungsgeschwindigkeiten bis 300 MBit/s auf insgesamt 23 Frequenzbändern sollte es auch bei Facetime- oder Skype-Telefonaten nicht zu Rucklern kommen.

Technik, die jedoch ihren Preis hat: Je nach Speicher-Ausstattung reißt das neue iPad Pro ein tiefes Loch in die Haushaltskasse. Das 32-GB-WiFi-Modell gibt's ab 689 Euro. Das mobilfunktaugliche Pendant, das zudem mit einer eSIM-Karte für die Nutzung von Prepaid-Tarifen in anderen Ländern etwa ausgestattet ist, kostet 839 Euro. Für das Topmodell, in das erstmals 256 GB Speicher verbaut wurden, muss man hingegen satte 1.200 Euro hinlegen. Zusammen mit der Tastatur kommt man dabei in Preisregionen eines gut ausgestatteten MacBook Airs, ohne allzu schwer zu schleppen.

Zurück zur alter Größe hieß es auch beim iPhone SE: Das hat mit seinem 4-Zoll-Bildschirm die Maße des 2013 eingeführten iPhone 5s, besitzt aber die Technik des iPhone 6s. Im Inneren werkelt der 64-Bit-A9-Prozessor, Fingerabdrucksensor und Kamera sind ebenfalls identisch. Nur die 3D-Touch-Funktion des Bildschirms - eine Art rechte Maustaste - bleibt bis auf Weiteres dem iPhone 6s und 6s Plus vorbehalten.

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