Battleborn

Hype oder Hit?

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Bild 10 zu "Battleborn"

MOBA ist das derzeit angesagteste Genre bei Online-Spielern, Shooter waren nie out. Nun gibt's den wilden Mix bald gleich in dreifacher Ausführung. "Battleborn" ist Vorreiter des nächsten großen Gaming-Hypes.

Ego-Shooter trifft auf "Multiplayer Online Battle Arena" - kurz MOBA: Mit "Battleborn" wirft "Borderlands"-Erfinder Gearbox den ersten von mehreren Titeln ins Rennen, die zwei der aktuell populärsten Genres miteinander vereinen. Aber kann die knallbunte Comic-Schlacht von der ungewöhnlichen Liason profitieren?

Im "Battleborn"-Universum wird Stern für Stern das Licht ausgeknipst: Ein Himmelskörper nach dem anderen erlischt - denn "Borderlands"-Macher Gearbox hat das Ende aller Tage eingeläutet. Für diejenigen, die das große Sternen-Sterben überleben, bedeutet das: sich auf der letzten Welt einfinden, die das galaktische Lichter-Löschen überstanden hat. Auf Solus sind nun entweder alle gleich - oder aber sie bekämpfen sich bis zum letzten Mann: Der Kampf um territoriale Vorherrschaft, Ressourcen und das Überleben der eigenen Kultur treibt seltsame Blüten und skurrile Gestalten aufs Schlachtfeld.

Aggressive Pilzköpfe, barocke Schwertkämpferinnen, vierarmige Mini-Mädchen, Energieschwert-schwingende Vampire - insgesamt 25 streitbare Kraft- und Geschicklichkeits-Protze versuchen ihr Glück - und sind dafür bereit, zumindest zeitweilige Allianzen mit anderen Helden einzugehen.

Gemeinsam die Säbel kreisen zu lassen, eine Dauerfeuer-Breitseite nach der anderen zu zünden oder die Widersacher mithilfe individuell ausgebauter Fähigkeiten zu zerlegen: Anders als die meisten anderen Multiplayer-Shooter ist "Battleborn" mit dem Genre der "Multiplayer Online Battle Arena"-Games (kurz "MOBAs") verwandt - einer Spielegattung, deren Turnier-Austragungen besonders in Asien ganze Stadien füllen und weltweit Hunderttausende begeisterte Fans vor den Twitch-Stream locken.

Die ursprünglich aus dem Genre der Echtzeit-Strategiespiele hervorgegangenen MOBAs zeichnen sich vor allem durch ausgefuchste Spielmechanismen aus, die sich hinter der knallbunten Fassade verbergen. Denn noch wichtiger als schiere Reflexe sind hier die Fähigkeiten des eigenen Charakters: Indem Genre-Vorreiter wie "League of Legends" und "Defense of the Ancients" ein unglaublich komplexes System für das Feintuning und die Steigerung der Charakter-Fähigkeiten liefern, motivieren sie ihre Fans dazu, sich intensiver mit den Figuren zu beschäftigen als in fast allen anderen vom Wettbewerb geprägten Spielesparten.

Was so gut für MOBAs funktioniert, soll jetzt auch das Shooter-Genre beleben: Gleich drei Multiplayer-Shooter heften sich diesen Monat an die Fersen von "League of Legends" & Co. Durch den extrem differenzierten Auf- und Ausbau der vielen verschiedenen Charaktere will man die Kunden so lange wie möglich an das eigene Quasi-MOBA binden. Als Favorit fürs neu aus der Taufe gehobene Subgenre wird Blizzards "Overwatch" gehandelt, auch Epics extrem Action-betontes "Paragon" hat Potenzial. Die "Battleborn"-Kämpfer von Gearbox setzen deshalb auf den zeitlichen Vorsprung.

Dabei müssen die "Battleborn" den Vergleich nicht fürchten: Die gelungene Comic-Grafik ist zwar extrem grell geraten, aber auch detailreich und charmant. Mit im 80er-Jahre-Look gehaltenen Zeichentrick-Sequenzen sorgt Gearbox gekonnt für ein bisschen Retro-Trash-Atmosphäre, außerdem ist das Shooter-MOBA der "Borderlands"-Macher ungewöhnlich aufwendig präsentiert. Klarer Fall: Hier wird sich selbst Blizzard schwertun gleichzuziehen.

Allerdings richtet sich die bonbonfarbene Ballerei, in der stets zwei Fünfer-Teams gegeneinander antreten, fast ausschließlich an Multiplayer-erfahrene Action-Gamer: Von der ersten Minute an wird der Spieler mit der vollen Breitseite aus ungefilterten Spielmechanismen und Hintergrund-Details beschossen - nur echte Profis blicken da noch durch. Wer sich allerdings die Mühe macht, hier durchzusteigen und ordentlich Zeit in seine Figur investiert, wird an "Battleborn" seine helle Freude haben - auch wenn das Gemetzel mit gerade mal drei kompetitiven Spielmodi noch etwas schwach auf der Brust ist.

Die Kampagne mit ihren acht Missionen dagegen erzählt zwar keine nennenswerte Geschichte, lässt sich aber wahlweise allein oder im Fünfer-Koop-Team bestreiten. Aber noch viel wichtiger: Die Verbindung von Multiplayer-Shooter und MOBA-Game zeigt tatsächlich das erhoffte Potenzial, denn die filigran ausdefinierte Entwicklung der skurrilen Heldentruppe ist der größte Trumpf des Gearbox-Shooters. Jetzt müssen Blizzard und Epic erst einmal nachziehen und es besser machen ...

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