Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen

Gewirbelt, geschwungen und geschwitzt wird nur noch auf dem Schirm

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Neben Mario und Sonic kämpfen rund 30 spielbare Charaktere in 14 Disziplinen um Gold, Silber oder Bronze.

Sega und Nintendo verkürzen mit ihrem Game „Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: Rio 2016“ die Wartezeit auf die „echten“ Spiele.

Die Countdown-Clock in Rio tickt. Am 5. August beginnen in der brasilianischen Metropole die 31. Olympischen Sommerspiele. Doch so lange wollten Nintendo und Sega nicht warten. Mit der bereits im April veröffentlichten 3DS-Version von „Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: Rio 2016“ legten die beiden Firmen einen echten Frühstart hin. Nun gehen ihre Maskottchen Mario und Sonic auch auf der Wii U auf virtuelle Medaillenjagd.

Die Idee, die beiden bekanntesten Ikonen und ältesten Rivalen der Videospielhistorie im höchsten sportlichen Wettkampf aufeinandertreffen zu lassen, hat sich für Nintendo und Sega bezahlt gemacht: Weit über 25 Millionen Mal wurden die bislang veröffentlichten Spiele zu den Spielen in Peking, Vancouver, London und Sotschi verkauft. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an den Rio-Ausflug.

Jedes der beiden Traditionsunternehmen schickt über 20 Helden und Schurken ins Rennen um die Medaillen. Und davon gibt es eine Menge zu holen. Insgesamt 14 offizielle Disziplinen (drei davon gibt es zusätzlich mit Mario-typischer Regelauslegung in einer Duell-Variante) stehen zur Auswahl - nur wenige davon sind in der klassischen Leichtathletik angesiedelt: Dreisprung, 100 Meter Sprint, Staffellauf, Speerwerfen. Dazu gesellen sich zahlreiche Exoten wie Boxen, BMX, Tischtennis, Bogenschießen und der 92-jährige Olympia-Abstinenzler Rugby - wenngleich in einer kompakteren 7er-Version.

Klar, dass es ein tumber Kraftmeier wie Bowser bei der rhythmischen Sportgymnastik etwas schwerer hat als Prinzessin Peach. Dafür hat der Dino einen gewaltigen Bums, der sowohl beim Fußball als auch beim Beachvolleyball zum Einsatz kommt. Wer will, kann aber auch mit dem eigenen Mii-Avatar antreten und diesen mit Kleidungsstücken für die jeweiligen Wettbewerbe optimieren. Davon gibt es Hunderte, die sich wiederum durch gesammelte Ringe und Sterne freischalten lassen.

Die aus der 3DS-Version bekannten und recht abgefahrenen „Plus“-Wettbewerbe haben es leider nicht in die Wii-U-Fassung geschafft. Das versucht Nintendo durch eine Vielzahl von Wettbewerben und Modi zu kompensieren - darunter beispielsweise die „Olympia“-Variante für Mii-Charaktere oder das „Helden-Duell“. Zugang zu Letzterem erhält nur, wer als Einzelspieler zuvor in jeder Disziplin den ersten Rang belegte oder bei Turnieren siebenmal Bronze errang. Dann muss man sich entscheiden: Team Mario oder Team Sonic? Nach jeder per Zufall ausgewählten Wettkampfrunde fliegt einer aus der Verlierermannschaft. Das geht so lange, bis entweder niemand mehr da ist - oder die Kapitäne Mario und Sonic die Segel streichen müssen.

Natürlich lassen sich all die charmanten inszenierten Wettbewerbe im Alleingang bestreiten. Doch „Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: Rio 2016“ läuft erst in geselliger Runde zu Höchstform auf, wobei es bei Vierer-Couch-Duellen bleibt. Direkte Online-Duelle gibt es nicht, stattdessen muss man mit weltweiten Bestenlisten und sogenannten Geist-Daten anderer Spieler vorlieb nehmen.

Weit schlimmer: Die Steuerung wurde im Vergleich zu früheren Medaillenjagden mitunter schmerzlich vereinfacht. Gefuchtelt und gewirbelt wird nicht mehr - stattdessen hämmert oder drückt man auf dem Touchscreen-Gamepad oder den Wiimotes nur noch Knöpfchen im richtigen Moment. Das mag einsteigerfreundlich sein, ist trotz ein paar Facetten aber auch öde. Auch beim Fußball vermisst man den Tiefgang - die Vier-gegen-Vier-Matches erinnern vielmehr an uralte NES-World-Cup-Zeiten - und nicht an „Mario Smash Football“.

Grafisch ist das sportliche Treiben hübsch bunt umgesetzt. An der Copacabana, die als Einstieg in die Wettbewerbe dient, gibt's das übliche Gesäusel der Charaktere und mitreißende Samba-Klänge, dazu ein paar Fun-Facts über die teilnehmenden Länder - inklusive Russland.

Fazit: „Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: Rio 2016“ ist ein rundum familientaugliches Sportspiel, das niemand überfordern dürfte, etwas versierten Gamern jedoch schlicht zu simpel ausgefallen ist. Ins Schwitzen gerät man jedenfalls nicht mehr. Schade um die Bewegungsvielfalt auf und vor dem Schirm ...

tsch

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