"Nur für Jungs"?

Hilferuf einer Mutter an Smarties-Hersteller wird zum Facebook-Hit

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Rike Drust sorgte mit ihrem "Hilferuf" für einige Lacher im Netz.

München - Notfall im Kinderzimmer: Eine Zweijährige isst die Smarties ihres großen Bruders, die laut Verpackung für Jungs sind. Eine Mutter wendet sich hilfesuchend an den Hersteller. Wie der antwortet: 

Im Spielzeugladen wird mit einem Blick alles klar: Da, wo es pink leuchtet, stehen Sachen für Mädchen. In diesen Ecken wimmelt es vor Feen und Prinzessinnen. Bei den Jungs hingegen herrschen dunkle Farbtöne vor - dort findet man dann Roboter, Ritter und ähnliches. Diese frühe Geschlechtertrennung, die uralte Klischees bedient, finden viele problematisch, doch der Trend zum sogenannten "Gendermarketing" hat sich schon längst auf andere Produkte ausgeweitet. 

In Zeiten, wo über Unisex-Toiletten und die Frage, wo Transsexuelle aufs Klo gehen sollen, diskutiert wird, gibt bzw. gab es etwa Gurken fürs "Madl" und den "Bub", Männer- und Frauen-Tee, -Bratwürste, -Salz, -Müsli und -Grillsaucen. Hier gibt sich die männliche Variante neben der Verpackungsgestaltung meist durch eine pikantere Rezeptur zu erkennen. Dass es auch viele Frauen gibt, die scharf auf Schärfe sind, und Männer, die empfindlichere Geschmacksknospen haben - geschenkt.

Ebenso findet die genderbewusste Frau Wecker, Ohrenstöpsel, Bade-Tabs und Kugelschreiber, die sich durch nichts unterscheiden als durch die Tatsache, dass sie in pink gehalten sind. Ausschließlich für Mädchen beziehungsweise Frauen gedacht ist ein Klopapier von Hakle, ein Klebstoff von Pritt und sogar ein Schraubenzieher-Set - nach dem Motto "Ich bleibe eine Frau, auch wenn Handwerken eigentlich Männer-Sache ist." Nicht selten sind diese feminisierten Produkte dann auch etwas teurer als die nicht-pinken, aber das zahlen Möchtegern-Prinzessinnen, die die Welt durch die rosarote Brille sehen, offenbar gerne. 

Gerade bei Süßigkeiten und Knabberzeug, die bekannterweise Jungs wie Mädchen lieben, wird neuerdings gerne nach Geschlechtern getrennt. Das hat jetzt auch Nestlé erkannt und eine Version der Schokolinsen in blau und pink herausgebracht. Rike Drust, Autorin, Bloggerin und Mutter aus Hamburg, sah bei diesem kunterbunten Gender-Wahnsinn rot und schrieb auf Facebook dem Smarties-Hersteller Nestlé eine Nachricht, die in kürzester Zeit viral gegangen ist.

Smarties nur für Jungs werden zum Notfall

"Hallo Nestlé", schrieb sie höflich, "Ich brauche Ihre Hilfe. Meine Tochter (2) hat heute aus Versehen von den Ritter-Smarties ihres Bruders (7) gegessen. Ich habe wirklich nur ganz kurz nicht hingeschaut, weil ich meinem Mann sein Bier bringen musste." Spätestens hier ahnt der Leser: Die Mutter hat den Spieß umgedreht und greift nun selber ganz tief in die Mottenkiste der Klischees.

"Einen blauen Smartie konnte ich ihr noch aus dem Mund fischen", erzählte die Hilfesuchende weiter, "aber ich schätze, sie hat bestimmt vier bis fünf gegessen. Jetzt weiß ich nicht, was ich machen soll, weil die ja, wie auf der Verpackung steht, nur für Jungs sind. Ich habe große Angst, dass der Verzehr Einfluss auf ihre Prinzessinnenhaftigkeit hat. Was mache ich, wenn sie jetzt plötzlich anfängt, sich jungenhaft zu benehmen?", fragte sie. 

"Ich hoffe, Sie verstehen, dass ich das absolut inakzeptabel fände, denn mir ist sehr wichtig, dass meine Tochter wie bisher wie ein Mädchen wirft, schießt, schnell anfängt zu heulen, und später ganz schlecht in Mathe und Einparken wird." Fünf Vorurteile in einem Satz untergebracht - Respekt. 

Doch die genderspezifischen Farb-Vorschriften lassen sich noch weiter ad absurdum führen, wie Drust im letzten Absatz ihrer Nachricht eindrucksvoll beweist: "Ich habe ihr jetzt 4 rote Smarties gegeben, weil das gemischt mit den blauen dann ja Lila ergibt, und Lila als Mädchenfarbe sollte hoffentlich die Jungswirkung neutralisieren. Kann ich sonst noch etwas tun, außer meinen Kindern immer wieder zu sagen, was und wie sie zu sein haben?" 

Das dürfte gesessen haben. Mit ihrem pointierten Beschwerdebrief sprach Drust vielen aus der Seele. Der Post wurde in nur zwei Tagen mehr als 1880 Mal geteilt und mehr als 9500 Mal gab's dafür erhobene Daumen, lachende Smileys und Herzchen.  

So reagiert Nestlé

Nestlé reagierte umgehend - und bewies Humor: "Ihre Sorge verstehen wir, wir können Sie aber beruhigen - Ihre Reaktion war absolut professionell und sollte eventuelle Nebenwirkungen im Keim ersticken", schrieb das Unternehmen und gab mit einem Zwinker-Smiley zu verstehen, dass die Kritik angekommen war. 

Etwas ernsthafter fügte man sicherheitshalber hinzu: "Unsere Smarties können nach wie vor von jedem verzehrt werden, der sie mag. Etwas anderes haben wir nie behauptet, und wer die einfarbigen Verpackungen nicht mag, kann immer noch unsere klassische Smarties-Variante erwerben." Da sei "für jeden etwas dabei".

Sogar wie es zu der umstrittenen Farbgestaltung kam, erklärte Nestlé bei dieser Gelegenheit: "Viele unserer Konsumentinnen und Konsumenten wünschen sich Rollen mit Smarties in einer Farbe. So haben wir mit den beiden aktuellen Varianten die Lieblingsfarben der Kinder aufgegriffen. Das trifft nicht jeden Geschmack, deshalb sind Vorschläge herzlich willkommen."

Zu einer Zusage, mit der blau-pinken Peinlichkeit aufzuhören, konnte sich Nestlé allerdings nicht überwinden.

Darum ist diese Feministin vom Gender-Wahn genervt!

hn

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