Dark Souls 3

Das Frust- und Lustprinzip

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Ekel-Figuren gibt es in "Dark Souls 3" wieder reichlich: Hat man die Bosse mürbe geklopft, mutieren sie manchmal zu unförmigen, klebrigen Gestalten.

Hart, härter, "Dark Souls 3": From Software und Bandai Namco führen wieder unzählige Rollenspielhelden in die Hölle. Ein Labyrinth aus nervenzerfetzenden Herausforderungen, fauligen Ekel-Kreaturen und gigantischen Boss-Gegnern. Aber für manche Spieler ist diese Hölle der Himmel auf Erden.

Es darf wieder gestorben werden. Immer und immer und immer wieder. Mit dem finstereren, dreckigen und brutalen Action-Rollenspiel "Dark Souls 3" setzt der japanische Action-Rollenspiel-Experte From Software seine Tradition fort, die Spieler in den Wahnsinn zu treiben und ihre Heldenfiguren zur Schlachtbank zu führen. Das Kuriose ist nur: Die Gamer weltweit lieben den Entwickler dafür, frustriert und malträtiert zu werden.

In seiner aktuellen Ode an die Verzweiflung hetzt From leidensfähige PS4- und PC-Besitzer durch düstere Fantasy-Bollwerke, in denen selbst der kleinste und unscheinbarste Gegner ein Killer ist - ein knurrendes, geiferndes und ebenso nerven- wie körperzerfetzendes Biest, dem ein oder zwei Hiebe genügen, um das Alter Ego des Spielers in die Helden-Hölle zu schicken. Schon wieder. Von den Bossen ganz zu schweigen: Die bizarren und meist turmhohen Kolosse sind die Eckpfeiler jedes From-Abenteuers - in ihrem Angesicht ist kein einziger taktischer Fehler erlaubt, oder das Abenteuer ist vorbei.

Mit dieser Vorgehensweise schreibt das "Dark Souls"-Studio seit der Veröffentlichung von "Demon's Souls" vor sieben Jahren erfolgreich die Gegenthese zum modernen massentauglichen Gaming-Design. Letzteres will den Spieler für gewöhnlich nicht überfordern, umso viele Kunden wie möglich zu erreichen. Bei From dagegen quält man die Gamer ganz gezielt. Und genau darum wird die "Dark Souls"-Reihe der Japaner von vielen Spielern heiß und innig geliebt: Weil sich viele Profi-Gamer von den weichgespülten Blockbuster-Produkten der großen Publisher chronisch unterfordert fühlen, begeben sie sich bei "Dark Souls" mit voller Absicht in den digitalen Folterkeller.

"Nur wenn Du Dir einen Erfolg hart erarbeitet hast, kannst Du Dich richtig drüber freuen" - getreu dieser Devise feilen Gamer hier mit schierer Engelsgeduld an Strategien und Manövern, um Panzerschweine, wandelnde Giftbäume, blinde Drachen, lodernde Könige und Chimären doch noch zu bezwingen - und eine Lücke im Spielsystem zu finden.

Die Passion für den Kampf gegen das eigene Versagen und den virtuellen Fließband-Tod geht gar so weit, dass geflucht und getobt wird, wenn das innig geliebte Folterspielzeug nicht ganz so hart ist wie erwartet: So geschehen beim PS4-Quasi-Vorgänger "Bloodborne", das vielen Liebhabern der Reihe zu seicht war, obwohl auch hier kein Otto-Normal-Spieler jemals den Abspann zu Gesicht bekommen dürfte.

Mit der Veröffentlichung von Teil drei sehen deshalb viele Fans ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Froms "Dark Souls"-Team hat sich für den Abschluss seiner Trilogie von "Bloodborne" inspirieren lassen: Die ehemals so verzwickten Level-Labyrinthe sind über weite Strecken spürbar geradliniger als in den Vorgängern, außerdem hat man bei der Spielgeschwindigkeit einen ganzen Zacken zugelegt. Vorbei die Zeiten, in denen sich alle Charaktere behäbig durch die furchteinflößende Sakral-Architektur bewegten, sich vor gegnerischen Hieben bange hinter ihrem Schutzschild verbargen und ihre Waffen mit der Behäbigkeit eines olympischen Gewichthebers hoch wuchteten. Neuerdings sind die Helden ungewohnt flott unterwegs - gerade bei vergleichsweise agilen Kerlchen wie dem Söldner oder Assassinen funktionieren flinke Konter oder Ausweichrollen ungleich besser als die "Dark Souls"-typische Schildabwehr.

An den ersten Teil der Serie erinnert dagegen die Ausgangssituation des Spiels: Der Held erwacht als Untoter auf einem Gräberfeld. Sein Auftrag: die gigantischen Aschefürsten finden - hünenhafte Endgegner-Monstrositäten, die bereits im gerenderten Intro des Spiels vorgestellt werden und die der Held jetzt mit viel Hauruck zur Rückkehr in ihre angestammte Heimat überreden soll, die ohne ihre Schutzmacht Qualen leidet.

Stirbt der Held bei der Suche den Bildschirmtod, landet er am letzten magischen Lagerfeuer. Die bis zu seinem jähen Ableben gesammelten Seelen (Erfahrungspunkte) und anderen Schätze musste er aber dort zurücklassen, wo er zu Boden ging. Soll die ganze Sammelei nicht umsonst gewesen sein, muss er sich beeilen: Nach einiger Zeit verblasst die Hinterlassenschaft seines vergangenen Lebens wieder. Blöd auch: Alle erlegten Feinde sind ebenfalls wiederauferstanden. Schützenhilfe für allzu gestresste Helden gibt's in Form anderer Helden: Die dürfen wie gewohnt in die Partie des Spielers geladen werden - gerade bei Gefechten gegen übermächtige Bosse eine vielversprechende Taktik, die tagelanges, verkrampftes Trainieren überflüssig machen kann.

Wer akzeptiert, dass sich "Dark Souls 3" eine Winzigkeit anders und vor allem leichtgängiger anfühlt als seine Vorgänger, schultert wieder Schwert und Schild - und rennt wohl wissend ins Verderben. Denn: Eine brutalere Herausforderung wird er - abgesehen von den Vorgängern - nirgendwo finden. Schade allerdings, dass der Schauplatz diesmal nicht mehr ganz so raffiniert ausgefallen ist. Statt in die Höhe geht's nun in die unglaubliche Weite. Die Atmosphäre ist jedoch sensationell.

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