Abzu: Game ist Tauchgang wert

Eskapismus in seiner entspannendsten Form

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Bild mm6 zu „Abzû“

Mit Walen schwimmen, staunen, entspannen - „Abzu“ ist mehr stimmungsvolles Naturschauspiel als echtes Videogame und dennoch einen Tauchgang wert.

Digital völlig abtauchen? Geht auch ohne VR-Brille. Der Download-Titel „Abzu“ führt PC- und Konsolenbesitzer in die Tiefen des Meeres, wo Schönheit, Ruhe und Entspannung warten ...

Man stelle sich vor: Spiele, in denen man nicht sterben kann. Spiele, in denen man nicht weiß, worum es geht - oder wie es geht. Spiele, die in gerade mal zwei Stunden gelöst sind - und bei denen man sich zu Recht fragt, ob sie überhaupt die Bezeichnung „Spiel“ verdienen. Matt Nava ist ein Meister dieses Fachs. Seine digitalen Schöpfungen sind fantastische Grenzgänger - irgendwo angesiedelt zwischen virtueller Kunst, Game und Meditationsübung.

Mit seiner alten Firma thatgamecompany erschuf er als Art Director sowohl „Flower“, bei dem man als Blütenblatt über Blumenwiesen tanzt, als auch „Journey“ - eine Odyssee durch Pixelwüsten. Das Ziel der einsamen Reise: ein leuchtender Berggipfel in der Ferne. Oder doch eher der Weg dorthin, der durch düstere Ruinen, verlassene Städte und goldglänzende Sandfluten führt?

Nun veröffentlicht Nava mit seiner neuen Firma Giant Squid ein weiteres Spiel, das Eskapismus in seiner entspannendsten Form bietet: „Abzu“ - benannt nach einer sumerischen Gottheit und zusammengesetzt aus den sehr alten Wörtern „Ab“ für Wasser und „zu“ für Wissen.

Man darf bei „Abzu“ durchaus von virtueller Kunst sprechen: Es bietet genügend Interpretationsmöglichkeiten und ist dennoch ein simples Spiel mit geradezu banalem Inhalt. Man steuert eine namen- und orientierungslose Taucherin durch den Ozean. Das ist alles, das ist die Idee. Punkte, Zeitdruck, Vorgaben - all das gibt es hier nicht. Ein Ziel jedoch schon: Man soll sich die Mythologie anhand des Erlebten und Entdeckten selbst zusammenreimen und einige trost- und leblose Unterwasser-Landschaften wieder aufblühen lassen, indem man uralte Tempel und andere Relikte einer untergegangenen Kultur reaktiviert. Eingelullt von Pastellfarben, Lichtreflexionen und sphärischer Orchestermusik, kann man im besten Fall auch einfach nur die Seele baumeln lassen und den Ausblick genießen ...

Man muss kein Meeresbiologe sein, um „Abzu“ und seine simulierte Artenvielfalt unter Wasser (ent)spannend zu finden. Das Spiel ist vielmehr eine Art digitale Auszeit mit meditativem Flair. Und ein Versuch, die Faszination von Tauchgängen und die dabei entstehende Ehrfurcht vor dem Meer und den unzähligen Lebewesen darin erfahrbar zu machen - etwa, wenn man mit Manta-Rochen und Walen schwimmt oder inmitten riesiger Fischschwärme verharrt. Gefahren gibt es übrigens nur wenige in „Abzu“. Sterben kann man nicht, sich in den Untiefen verirren auch nicht.

Rund 15 Euro kostet diese etwas andere Version von „Im Rausch der Tiefe“. Im Gegenzug bekommt man eine nicht mehr ganz so frische Spielidee, die sich überdeutlich an „Journey“ orientiert, friedliches Gameplay und ein wenig Entspannung vor beeindruckender Kulisse. Zum Abschalten ideal. Spielerisch ist der Ausflug in die Tiefen des Meeres jedoch ein bisschen seicht.

tsch

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