Champions of Anteria

Erobern statt siedeln

+
Fünf Freunde mit Faibles müsst ihr sein: Die „Champions of Anteria“ ziehen los, um ein Königreich vom Bösen zu befreien.

Aus dem anvisierten Neustart einer Traditionsreihe „Die Siedler“ wurde ein komplett neues Spiel mit Charme - aber ohne Überraschungen.

Akribisch angelegte Rohstoffketten und Wirtschaftskreisläufe? Gibt es in „Champions of Anteria“ nicht. Und auch sonst wurde nahezu jeder Hinweis auf „Die Siedler“ aus dem neuen Spiel von Blue Byte getilgt, das eigentlich die traditionsreiche Aufbau-Reihe hätte fortsetzen sollen und nach einem misslungenen Beta-Test komplett umgekrempelt wurde.

Stattdessen erwartet PC-Besitzer ein rustikal-unterhaltsamer Mix aus Action-Rollenspiel-, Rundenstrategie- und MOBA-Elementen, in dem die fünf titelgebenden Helden losziehen, um ein von finsteren Mächten gebeuteltes Fantasy-Königreich Anteria Stück für Stück zurückzuerobern.

„Champions of Anteria“ findet auf zwei Ebenen statt. Auf der Weltkarte agiert der Spieler Zug für Zug. Er wählt Gebiete aus, die es zu befreien oder zu verteidigen gilt, und baut seine Städtchen mit rudimentären Mitteln aus. Gebäude werden auf vorgegebenen Stellflächen platziert, Fischer idealerweise am Wald, Holzfäller im Wald, fertig. Mehr Tiefgang sollte man nicht erwarten.

Deutlich mehr Zeit verbringt man in den Echtzeitschlachten, die in Aufbau und Ablauf an Titel wie „Dawn of War“ oder die schwer angesagten MOBA-Vertreter „Dota 2“ und „League of Legends“ erinnern. Auf schlauchförmigen Karten klickt man sich aus einer isometrischen Perspektive durch Gegner-Heerscharen und behält dank Pausenfunktion im Getümmel die Übersicht.

Taktik kommt durch eine mögliche Aneinanderreihung von Befehlen, die Sonderfähigkeiten der Helden, Extras wie magische Selbstschussanlagen und ein Elemente-System ins Spiel. Manche größeren Brocken sind beispielsweise gegen Blitze nahezu immun, reagieren dafür auf Naturkräfte allergisch ... Mit Feuer, Metal und Wasser ergibt das ein funktionierendes Schere-Stein-Papier-Prinzip. Und weil man jeweils nur drei von fünf Recken in die Schlacht führen darf, ist man nicht automatisch bestens gerüstet.

Klassische Erfahrungspunkte gibt's nicht. Eroberte Regionen werfen stattdessen nur Gold oder Ansehen ab. Erst durch den Ausbau der eigenen Burg, des Dorfs sowie der damit einhergehenden Rohstoffe lassen sich die Fähigkeiten der Heldentruppe verfeinern. So lassen sich später in Gebäuden wie Schmieden oder Apotheken Rollenspiel-typische Objekte wie Schwerter, Rüstungen und Heiltränke herstellen.

Die liebevolle Comic-Grafik und die amüsanten Zwischensequenzen versprühen zusammen mit der stimmigen Sounduntermalung jede Menge Mittelalter-Charme, die Aufgaben in den Missionen wiederholen sich allerdings schnell: Das Abklappern von Schlüsselpunkten, das Eskortieren von Transporten, das Abwehren von Angriffswellen, das Einreißen von Verteidigungstürmen - das Repertoire ist schnell erschöpft. Hinzukommen ein paar Probleme bei der Wegfindung der Figuren.

Fazit: „Champions of Anteria“ ist ein solide-seichter Genre-Mix - ohne große Macken, aber auch ohne Einzigartigkeit. Ein netter Zeitvertreib zum günstigen Preis.

tsch

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren