Uncharted 4 - A Thief's End

Endstation Sehnsucht

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Nate muss seinem tot geglaubten Bruder aus der Patsche helfen.

War's das wirklich? "Uncharted 4" soll laut Entwickler Naughty Dog die Abschiedsvorstellung von Schatzjäger Nathan Drake gewesen sein. Wer "A Thief's End" spielt, kann diese Entscheidung sogar halbwegs nachvollziehen. Mehr Detailliebe und Bombast gehen kaum ...

Kämpfen, klettern, knobeln - und immer wieder staunen. Das PS4-exklusive "Uncharted 4 - A Thief's End" ist großes, atemberaubendes digitales Kino - und die vorläufige Abschiedsvorstellung des größten Glücksritters seit Indiana Jones.

Er fand die Goldene Stadt El Dorado, das mystische Himalaya-Königreich Shambala und Iram, das "Atlantis der Wüste". Sonderlich reich wurde Nathan Drake durch seine Streifzüge um den Globus nie - mächtig abgeräumt haben nur Sony und Entwickler Naughty Dog, die bislang weit über 15 Millionen Kopien der Action-Adventure-Reihe "Uncharted" verkaufen konnten. Aber immerhin: Nate bekam das Mädchen. Happy End also? Nicht ganz. Wer so viel Wundersames erlebt hat, kann offenbar kein normales Leben mehr mit Haus, Kuschel-Abenden auf der Couch und geregeltem Tagesablauf führen ...

Der Dachboden mit all den gesammelten Relikten, auf dem sich Nate eine Auszeit von seinem Job als Industrie-Taucher gönnt: Er ist wie eine schmerzhafte Erinnerung an goldene Zeiten. Der vorzeitige Ruhestand des größten Glücksritters seit Indiana Jones - Endstation Sehnsucht. Aber der Jäger der verlorenen Schätze will es noch einmal wissen. Zusammen mit seinem lange tot geglaubten Bruder Sam und Mentor Sully stürzt er sich in sein erstes und wohl auch letztes PS4-exklusives Abenteuer: "A Thief's End". Und es sei vorweg gesagt: Es ist ein furioses, filmreifes Finale.

Keine Einstellung und keine Szene in diesem interaktiven Blockbuster, die nicht an großes Hollywood-Kino erinnern würde. Keine Sekunde Langeweile. Und vor allem: kein Kleckern. Bei der Suche nach dem legendären Piratenschatz des Freibeuters Henry Every, auf den es auch noch ein Ex-Komplize der Drake-Brüder und ein Drogenbaron abgesehen haben, wird nach allen Regeln der digitalen Kunst geklotzt.

"Uncharted 4" ist mit seiner filmischen Inszenierung, der absolut glaubhaft animierten Mimik seiner Darsteller, seinen vielfältigen Schauplätzen (Italien, Panama, Schottland, Madagaskar, Südsee) und seiner atemberaubenden Mixtur aus Kletter-, Knobel- und Kampfeinlagen das packendste Spiel, das es derzeit für die PS4 zu kaufen gibt. Und zweifellos eines der schönsten. Egal, ob prachtvolle Villa am Meer, lebhafter Basar, Tauchgang oder tiefster Dschungel: "Uncharted 4" lockt mit derart vielen Details, dass man - trotz des rastlosen Drehbuchs - oft einfach nur an Ort und Stelle verweilt und staunt.

Aber auch spielerisch beweist Naughty Dog einmal mehr, dass man nicht viele Knöpfe benötigt, um zahllose Kraxel-, Sprung- und Geschicklichkeitspassagen zwar fordernd, aber nicht überfordernd zu gestalten. Egal, ob Nathan aus einem panamaischen Gefängnis flieht, eine Burgruine über die Außenfassade erklimmt, einen Jeep durch die Steppe Madagaskars steuert, sich im tiefen Gras vor Söldnern versteckt oder per neuem Kletterhaken über Abgründe schwingt: Alles ist stets im Fluss und wird weder von technischen Unzulänglichkeiten noch Design-Patzern behindert. Die Übergänge zu den zahllosen Zwischensequenzen sind ohnehin nahtlos - und grafisch kaum noch zu erkennen. Das hat man so noch in keinem anderen Spiel gesehen.

Dass Naughty Dog sein Erfolgsrezept aus klettern, knobeln und kämpfen nur behutsam modernisiert hat, mag man den Kaliforniern angesichts des großen digitalen Kinos, das hier geboten wird, nicht ankreiden. Bei "Uncharted 4" steht klar das Erlebnis im Vordergrund. Durch gekonnte Tempowechsel bleibt aber immer noch genügend Platz für die Figuren, um sich zu entfalten, für echte Lacher angesichts der erstklassig vertonten Dialoge und für gelungene Rätselpassagen.

Rund 15 Stunden dauert dieser interaktive Actionfilm, der durch seine Inszenierung Maßstäbe setzt und sich mit Nachdruck für den Titel "Bestes Spiel des Jahres" empfiehlt. Wer nicht genug bekommen kann, darf alles in einem ultimativ hohen Schwierigkeitsgrad noch einmal in Angriff nehmen, alle versteckten Extras finden - oder sich in einem mystisch angehauchten Mehrspieler-Modus mit acht Karten und vier Varianten austoben, der zum Testzeitpunkt allerdings noch nicht verfügbar war.

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