Die neue G 310 R

BMW kann auch klein

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Fast schon sportlich: Unser Autor Volker Pfau ist die G 310 R Probe gefahren – und hatte dabei durchaus Spaß.

Bei den Großen ist BMW Spitze. In 27 Ländern, sagt Stephan Schaller stolz, sei man Marktführer bei Motorrädern über 500 Kubikzentimetern.

Doch das genügt den Münchner Zweiradbauern auf Dauer nicht. „Wenn wir weiter wachsen wollen, müssen wir das Segment erweitern“, sagt der Leiter von BMW Motorrad. Und präsentiert die neue G 310 R für eine erste Ausfahrt.

Die Neue sei für „diejenigen, die sich eine große, schwere BMW nicht zutrauen“, sagt Stephan Schaller. Oder sie sich nicht leisten können. Denn die weiß-blaue Marke hat natürlich nicht nur den heimischen Markt im Blick, sondern will weltweit Motorräder verkaufen. Und das geht in dem Hubraumbereich zwischen 300 und 500 ccm am besten. In Asien und Südamerika, insbesondere Brasilien, kauft man sich nicht jedes Jahr das neueste Modell. Und genau dort soll die neue Kleine für gute Verkaufszahlen sorgen.

Das kostet die neue BMW G 310 R 

Gebaut wird die „Smart-BMW“, wie der Motorradchef sein neues Baby liebevoll nennt, bei TVS in Indien. Streng nach den Münchner Qualitätsrichtlinien, das sollen firmeneigene Mitarbeiter vor Ort garantieren. Den anvisierten Verkaufspreis von unter 5000 Euro hätte man in Europa nicht realisieren können. Nun kostet die G 310 R hierzulande 4750 Euro. „Es ist eine Win-Win-Situation“, sagt Stephan Schaller. Der indische Kooperationspartner TVS, der rund drei Millionen Fahrzeuge pro Jahr baut, profitiere im Gegenzug vom BMW-Know-how.

Dann gibt es endlich die Schlüssel für die neue Kleine, und es geht los. Die Sitzposition ist dank des breiten Lenkers aufrecht, das Cockpit ist übersichtlich und ansonsten gibt es wenig Schalter oder gar irritierende Gimmicks. Die G 310 R ist schlicht und selbsterklärend, sie macht einen wertigen Eindruck, die Verarbeitung ist sehr gut.

Der flüssigkeitsgekühlte Einzylinder mit 313 ccm Hubraum und einer Leistung von 34 PS will ordentlich gedreht werden, um halbwegs zügig voranzukommen. Er erledigt dies aber tadellos und bringt die 159 Kilogramm schwere BMW bei fleißigem Schalten auch durchaus auf Trab. Bleibt man konsequent am Gas, bewegt sich die G 310 R fast schon sportlich. Als Höchstgeschwindigkeit sind stolze 143 km/h angegeben.

Kurven zirkeln

Dank der niedrigen Sitzhöhe von 785 mm und dem breiten Lenker hat man das Motorrad stets gut im Griff und kann es wunderbar um Kurven zirkeln. Das Fahrwerk gelangt trotz etwas weicher Federung nicht an seine Grenzen, die Bremsen sind ihren Aufgaben bestens gewachsen. Lediglich die bisweilen sehr hakelige Schaltung, insbesondere bei der Leerlaufsuche, trübten den ansonsten sehr wertigen Gesamteindruck. Hier kann bis zum Verkaufsstart am 1. Oktober aber noch nachgebessert werden.

Der Bordcomputer am Lenker der BMW G 310 R.

Die Verbrauchsanzeige des Bordcomputers signalisierte bei unserer Testfahrt 3,5 Liter auf 100 Kilometer. Im ruhigeren Alltagsbetrieb wird es vermutlich weniger sein und der 11-Liter-Tank muss seltener frisch befüllt werden.

Die Frage nach weiteren Modellen in der Einsteigerklasse wird etwas ausweichend beantwortet. Dazu gibt es aber den vielsagenden Zusatz: „Man investiert nicht so viel Geld in nur ein einziges Modell.“ Wenn BMW auf klein macht, dann richtig.

Volker Pfau

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