Drei Modell im Test

McLaren: Brexit-Power aus England

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Orange und giftig: Der McLaren 570 S ist die vielleicht purste Form, einen McLaren zu fahren, die Farbe jedenfalls passt gut dazu.

Selten werden Autos ihrer Definition so gerecht wie die Rennraketen aus dem Hause McLaren. Sucht man im Internet nach dem Begriff „Auto“, spucken Suchmaschinen die schnöde Übersetzung „Kraftwagen“ aus.

Und das trifft es bei den Briten-Boliden mehr als präzise. McLaren will mit den drei rasanten Geschwistern der Sports Series – dem 540 C Coupé, dem 570 S Coupé und dem 570 GT – den Verkauf weiter ankurbeln. 1650 Exemplare hat der Autobauer aus dem südenglischen Woking 2015 an den Mann oder die Frau mit dem etwas größeren Geldbeutel gebracht. Schon in naher Zukunft will McLaren die 3000er-Marke knacken. Die zornige 5er-Reihe bildet die Einstiegskategorie. Doch schon die hat es in sich!

Brav - McLaren 540 C 

Los geht‘s mit dem vermeintlich bravsten Sprössling – dem 540 C. Die Optik: Respekt einflößend. Der rote Lack glänzt in der Sonne und warnt schon vor dem Einsteigen: Vorsicht, giftig! Karbonelemente an Frontschürze und Lufteinlässen in Verbindung mit den Flügeltüren machen den Supersportler zum Insekt. 

Der 540 C von McLaren.

Einsteigen und los! Drückt man den Startknopf, kündigt der 3,8-Liter-Doppelturbomotor, der in allen drei Modellen verbaut ist, hinter den Schulterblättern röhrend an, was für ein Konzert er gleich auf der Straße abbrennen wird. Die Fakten: 540 PS bei 1311 Kilogramm. Die Leichtbauweise aus der Formel-1-Technologie hält den direkten Konkurrenten aus dem Hause Porsche mit satten 150 Kilo Gewichtsunterschied auf Distanz. Nach 3,5 Sekunden steht die Tachonadel bei Tempo 100. Für die 200 Stundenkilometer braucht der 540 C 10,2 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit: 320 Sachen. 

Noch Fragen? Ach, ja: Mit 160.000 Euro ist er der „Günstigste“ in der McLaren-Familie. Wählt man ein paar der extravaganten Sonderausstattungen, ist die 200.000er-Marke schnell geknackt.

Giftig - McLaren 570 S

Aber es geht noch mehr! Sowohl beim Preis als auch bei der Power. Rein in den 570 S, den 30 PS stärkeren großen Bruder. Will man auf der Straße auffallen, ist das knallige Orange die ideale Wahl. 

Im McLaren 570S arbeitet ein 3,8 Liter großer V8 mit Doppelturbo, der 419 kW/570 PS leistet und auf 600 Nm kommt.

An einer Kreuzung irgendwo im Voralpenland zeigt sich, wie der Kraftprotz ankommt. Kein Neid, keine bösen Blicke. Viel mehr: Bewunderung und Begeisterung, die Menschen winken und lächeln einem zu. 
Andere Erfahrung: Landstraße. Tempo 100. Unerwartet blinkt der Vordermann nach rechts, hält am Straßenrand und lässt den McLaren ehrfürchtig überholen. Erst dann setzt er seine Fahrt fort. 

Der McLaren 570 S setzt noch Mal einen drauf. In 3,2 Sekunden von null auf Hundert. Auf der Autobahn schiebt der Brutalo-Brite sogar bei 200 Sachen noch beängstigend kraftvoll an. Dort fällt auch auf: Der 570S fühlt sich straffer, direkter und noch sportlicher an als der 540C. Das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet weich und direkt. Und im Sportmodus – einem der drei Fahrstufen – auch bei extremen Drehzahlen. 

Wer schnell unterwegs ist, braucht auch gute Bremsen. Die sind beim 570S aus Keramik und Karbon gefertigt. Sportlich auch der Preis: ab 181.750 Euro.

Edel -  McLaren 570GT

McLaren 570GT: Das GT-Modell mit einem größeren Kofferraum.

Letzter und edelster im Bunde ist der 570GT. Mit dem Grand Tour bietet McLaren den reisetauglichsten Renner in der Produktpalette. 
In Sachen Geschwindigkeit, Kraft und Technik entspricht er dem 570 S, eine Glasluke hinter dem Rücksitz offenbart jedoch zusätzliches Kofferraumvolumen. Das steigt damit auff 370 Liter. Der 540C und der 570 S müssen hier mit mickrigen 150 Litern auskommen. 

Auch beim Fahrverhalten entspricht der GT eher dem vornehmen Lord als dem rauen Hooligan. Das klassische Silber unterstreicht diese Eigenschaft. Die knallroten Lederbezüge und das Panoramaglasdach werten das Erscheinungsbild noch mal auf. Für den König der Sports Series blättert man mindestens 195.350 Euro hin.

Johannes Heininger

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