Sie hatte die ungewöhnliche Idee

"Anhalter-Bänke": Wer nimmt mich mit?

+
Ursula Berrens hatte die Idee der Mitfahrerbänke, auf denen Bürger warten können, um von einem Autofahrer an das gewünschte Ziel mitgenommen zu werden.

Speicher - Wer auf dem Land wohnt und kein Auto besitzt, hat es schwer. Wenn dann auch keine Busse fahren, ist man aufgeschmissen. Eine Gemeinde in der Eifel hat sich da was einfallen lassen. Sie setzt auf Bänke.

Sie wohnt auf dem Land, hat kein Auto und der Bus ist lange weg. Wenn Diana Mauksch einkaufen gehen will, setzt sie sich daher erst einmal auf eine Bank. Die 28-Jährige weiß, dass sie dort nicht lange sitzenbleiben wird - denn es ist eine sogenannte Mitfahrerbank. „Ich warte meistens so zehn Minuten, bis jemand anhält und mich mitnimmt“, sagt die junge Mutter in Speicher (Rheinland-Pfalz). Und siehe da: Kurz darauf stoppt ein Anwohner und nimmt Mauksch mit. „Das mache ich öfter“, sagt Joachim Hansen.

„Die Bänke sind nicht als Massentransportmittel gedacht“, sagt Ursula Berrens vom Caritasverband Westeifel in Bitburg, die die Idee hatte. „Sie sollen eine Lücke schließen.“ Zwei Jahre ist es her, dass die erste türkisfarbene Bank in dem Städtchen mit rund 3500 Einwohnern aufgestellt wurde. Nach und nach kamen neue hinzu, die umliegenden Ortschaften wurden an die Kleinstadt angeschlossen - und zwar jeweils in beide Richtungen, damit man auch zurückkommt. Jetzt steht die 13. Bank. „Das Netz ist jetzt komplett“, sagt Berrens.

Die Bänke würden von Alt und Jung gut genutzt, sagt die 55-Jährige. Sie seien „ein Puzzlestein“ in einem Mobilitätskonzept, um das Leben in der Eifelgemeinde attraktiver zu machen. „Wir müssen auf dem Land etwas tun, um vor allem jungen und älteren Menschen das Leben leichter zu machen.“ Dazu gehöre eben das Mobilseinkönnen - und die Kommunikation: „Auf den Bänken kommt man ins Gespräch.“

Die Eifeler Bänke-Idee hat bundesweit Schule gemacht: „Wir haben das Konzept schon mehrfach exportiert“, sagt Berrens. Zum Beispiel jüngst in die baden-württembergische Gemeinde Graben-Neudorf. Ende Mai seien acht Bänke eingeweiht worden, berichtet Projektleiter Wolfgang Trautner dort.

Bei manchen gebe es aber noch Vorbehalte

„Wir wollten den Menschen die Möglichkeit geben, von A nach B zu kommen, ohne auf den Bus warten oder jemanden fragen zu müssen, wer einen fährt.“ Es laufe gut, bei manchen gebe es aber noch Vorbehalte. „Wir arbeiten daran.“ Das Bänke-Netz werde noch ausgebaut. Und: Viele umliegenden Gemeinden hätten sich inzwischen auch für die aus der Eifel stammende Bänke-Idee interessiert, sagt Trautner.

Berrens erzählt, sie habe bereits Anfragen bekommen aus Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Niedersachsen, Bayern, Berlin, Hessen und dem Saarland, wo es viele lange Straßendörfer gebe. Und auch aus Forbach im nahe gelegenen Frankreich. Das Projekt gehe aber nur über Eigeninitiative. Und man braucht freiwillige Helfer. „Denn die kommunalen Kassen sind leer.“ Gefährlich sei das Trampen von der Bank nicht. „Meistens kennt man sich wenigstens vom Sehen“, sagt sie.

Das Projekt der Mitfahrerbänke sei „ein einfaches und schönes Modell ohne große Kosten“, sagt der Fachreferent im Ressort Verkehr des ADAC, zuständig für „Mobilität im ländlichen Raum“, Christian Laberer, in München. „Eine pfiffige Ergänzung.“ Eine Patentlösung gebe es nicht: Wichtig sei, dass es jemanden gebe, der sich kümmere und das Geld dazu.

„Die Probleme auf dem Land sind überall gleich. Sie können auch ähnlich gelöst werden“, sagt Unternehmerin Karin Plein in Speicher, die das Projekt mitinitiiert hat. Dazu gehört auch ein weiteres Bänke-Netz, das derzeit im Ort wächst: das der „Ruhebänke“ und der „Ausruhebänke“. „Das sind Bänke, auf denen man sich ausruhen kann, wenn man eine längere Wegstrecke zurücklegt“, erklärt Plein.

Gerade älteren Menschen falle es schwer, lange Abschnitte am Stück zu gehen. Sie könnten sich nun entweder auf öffentliche Ruhe-Bänke setzen - oder private Bänke, die Hausbesitzer zur Verfügung stellten, indem sie ein Schild „Ausruhebank“ daran anbringen. „Auch bei jungen Leuten sind Ruhebänke beliebte Treffpunkte“, sagt Plein.

Diana Mauksch ist inzwischen vom Shoppen zurück. „Es hat alles prima geklappt“, sagt sie. „Mir hat die Bank schon wahnsinnig geholfen.“

dpa

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren