Die Kommune

Zusammen allein

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Alle wollen in „Die Kommune“, doch niemand ahnt, wie kompliziert das freie Leben wirklich ist in Thomas Vinterbergs einfühlsamer Erinnerung an die eigene Jugend.

Wenn unterschiedliche Lebensentwürfe aufeinanderprallen, bricht auch in einer äußerst liberalen „Kommune“ das Chaos aus, wie Thomas Vinterberg humorvoll und herzlich in seinem autobiografisch inspirierten Film zeigt.

Thomas Vinterberg („Das Fest“) kehrt in das Haus zurück, in dem er in den späten 70er-Jahren selbst aufwuchs. Mit leisem Humor und völlig unaufgeregt erzählt der dänische Regisseur vom Leben und Lieben in der Post-Hippie-Ära. Schauspielerin Trine Dyrholm ist der emotionale Mittelpunkt in Vinterbergs Drama „Die Kommune“ (2016, nun erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand): Dyrholm, die für ihre Rolle den Darstellerpreis auf der Berlinale 2016 gewann, spielt eine Frau, die nicht aufhören kann, ihren Mann zu lieben. Selbst als dieser seine neue Freundin in die illustre Gesellschaft mitbringt.

Nach dem Tod seiner Eltern erbt Erik (Ulrich Thomsen), seit 15 Jahren mit Anna (Dyrholm) verheiratet, deren Villa. Aber so ein Riesenhaus kann man alleine nicht mit Leben füllen. Anna schafft Fakten und beschließt, alte Freunde einzuladen, um eine WG zu gründen. Durch die Augen von Freja (Martha Sofie Wallstrøm Hansen), Eriks und Annas Tochter im Teenageralter, beobachtet man das bunte Treiben. Sie sieht, dass man zwar zusammen unter einem gemeinsamen Dach wohnen kann, aber trotzdem alleine lebt. Vor allem emotional ist der Mensch ein Einzelkämpfer.

Vinterberg ändert den Tonfall seines Films kontinuierlich und sehr subtil: Anna rückt immer mehr in den Mittelpunkt, nachdem sich Erik in eine blutjunge, ausgesprochen hübsche Studentin verliebt. Weil genug Platz im Haus ist, soll Emma (Helene Reingaard Neumann, im echten Leben Vinterbergs Ehefrau) sogar einziehen. Auch wenn Anna versucht, stark zu sein, auch wenn sie im Sinne des Kommunen-Ideals von der freien Entfaltung nichts dagegen hat: Sie verliert die Nähe zu einem Menschen, der nur ein Zimmer weiter wohnt. „Ohne Streicheln stirbt man“, sagt sie und kann nicht anders, als Erik weiter zu lieben.

Die neue Konstellation in der WG stellt auch die Kommune vor eine Zerreißprobe, in der es Vinterberg clever vermeidet, sich offensichtlich auf eine Seite zu stellen. Sein Film ist eine angenehm urteilsfreie Beobachtung des Lebens mit all seinen Herausforderungen und eine wunderbare Liebesgeschichte, in deren Tragik am Ende die Chance für einen Neuanfang liegt. Natürlich kann Anna an ihrer Liebe nur verzweifeln. Und sie braucht erst klare Worte ihrer Tochter für die Erkenntnis, dass die Freiheit dem Leben einen sehr persönlichen Preis abverlangt: Man muss loslassen können.

tsch

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