„Ich habe Blut geleckt“

Neue „The Voice“-Jurorin Yvonne Catterfeld im Interview

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Yvonne Catterfeld ist neue Jurorin bei „The Voice“.

Yvonne Catterfeld möchte als neue „The Voice“-Jurorin den männlichen Jurymitgliedern zeigen, wo der Hammer hängt.

In der sechsten Staffel „The Voice of Germany“, die am Donnerstag, 20. Oktober, 20.15 Uhr, zunächst bei ProSieben startet, suchen Rückkehrer Samu Haber, Andreas Bourani sowie die Titelverteidiger Michi Beck und Smudo von den Fantastischen Vier wieder einmal die „beste Stimme Deutschlands“. Mit dabei ist auch Neuzugang Yvonne Catterfeld, die den Männerhaufen ordentlich aufmischt. Im Interview erzählt die sympathische 36-Jährige, welcher der Jury-Kollegen es ihr am schwersten macht, was sie jungen Künstlern mit auf den Weg geben kann, und sie verrät ihre Taktik, mit der sie als erster weiblicher Coach gewinnen will.

nordbuzz: Sie sind die einzige weibliche Jurorin neben vier Alpha-Männchen - was erwartet den Zuschauer bei dieser Konstellation?

Yvonne Catterfeld: Alpha-Männchen trifft's (lacht). Es wird intensiv, feurig, lustig, emotional, und es gibt Battles auf Augenhöhe.

nordbuzz: Ist es für Sie schwer, sich bei „The Voice“ gegen die anderen durchzusetzen?

„Habe die Männer überrascht mit meinem Kampfgeist“

Catterfeld: Ich bin schnell in meine Rolle gekommen und habe die Männer, glaube ich, etwas überrascht mit meinem Kampfgeist. Es gab jedoch auch ein paar Momente, in denen ich kaum zu Wort kam.

nordbuzz: Dabei heißt es doch immer, Frauen reden so viel ?

Catterfeld: Ich nicht, aber Andreas Bourani und Smudo reden dafür umso mehr (lacht). Wobei man Andreas zugutehalten muss, dass er sich wirklich sehr gut mit Gesang auskennt. Er hat oft genau das gesagt, was ich mir dachte.

nordbuzz: Und wie sind die anderen so?

Catterfeld: Die Fantas sind unglaublich witzig und herzlich, und letztlich waren sie alle meistens echte Gentlemen. Samu Haber war am meisten auf Kampf eingestellt (lacht).

nordbuzz: Sie nicht?

Catterfeld: Eigentlich schon (lacht). Wenn wir jemanden haben wollten, dann haben wir alle gekämpft. Und wenn ich jemanden unbedingt haben wollte, dann habe ich den am Schluss auch bekommen! Das hat mich manchmal selbst überrascht.

nordbuzz: Ist es Ihnen leicht gefallen, in die Jury-Rolle hineinzufinden?

„Es ist alles spontan und unberechenbar“

Catterfeld: Ich habe so etwas noch nie gemacht, deshalb war die Zeit vor den Aufzeichnungen für mich eine Herausforderung, da noch alles sehr ungewiss war. Ich mag es eigentlich lieber, wenn ich mich an Texten festhalten kann, sowohl beim Gesang, als auch beim Schauspielen, denn ich bin jemand, der gerne auf alles perfekt vorbereitet ist. Bei „The Voice“ geht das aber nicht. Man muss sich einfach darauf einlassen und loslassen. Bei der Sendung ist alles spontan und unberechenbar und man muss sich als Coach immer neu auf die jeweilige Situation einstellen. Genau das ist die Herausforderung.

nordbuzz: Was ist das Besondere an „The Voice“?

Catterfeld: Es gibt inzwischen ja nicht mehr so viele Familien-Unterhaltungsshows, und nachdem irgendwann Mitte der 2000-er alle Musikshows mehr oder weniger wegfielen, gab es keine richtige Plattform mehr für Musik im TV. Als dann „The Voice“ kam, trat das Künstlerische endlich wieder mehr in den Vordergrund. Die Talente werden mit sehr viel Respekt behandelt, auch Sänger, die noch keine Erfahrung haben. Da würde keiner auf die Bühne gelassen, der nicht das Zeug dazu hat, etwas aus sich zu machen. Es wird eben keiner vorgeführt, das zeichnet die Show aus und unterscheidet sie von manch anderer.

nordbuzz: Was hat Sie bei „The Voice“ richtig überrascht?

„Dachte nicht, dass das so an die Substanz geht“

Catterfeld: Ich dachte nicht, dass das Ganze so an die Substanz geht. Die Show ist unglaublich emotional. Man freut sich einfach riesig, wenn jemand zu einem ins Team kommt. Das gibt einem eine gewisse Bestätigung.

nordbuzz: Was bewegt die Sänger, da mitzumachen?

Catterfeld: Viele der Talente haben wahrscheinlich einfach ein gewisses Gefühl, auf die Bühne zu gehören. Wenn Sie nicht davon überzeugt wären, gut zu sein, würden sie sich dieser Situation bestimmt nicht stellen. Manche wollen dagegen einfach nur sehen, wie weit sie kommen, andere machen wegen einer Wette mit oder weil Familie und Bekannte sie überredet haben, und manche wollen einfach das Rampenlicht für sich oder ihre Karriere nutzen.

nordbuzz: Sie selbst sind sehr jung berühmt geworden: Hatten Sie das Künstlersein im Blut?

Catterfeld: Ich denke, ich hatte definitiv die Musik im Blut. Meine Stimme war meiner Persönlichkeit aber weit voraus. Was ich definitiv nicht im Blut hatte, war das „in der Öffentlichkeit stehen“. Das erforderte hartes Training. Ich musste immer wieder ins kalte Wasser springen und meine Ängste diesbezüglich überwinden.

nordbuzz: Aber wie kann man das üben?

„Im Leben dem Unbekannten nicht aus dem Weg gehen“

Catterfeld: Mich hat es vor allem weitergebracht, andauernd an mir zu arbeiten. Wenn ich vor einer Mauer stehe, dann befriedigt mich das nicht. Ich will immer, dass die Mauer fällt. Ich hätte es genau aus diesem Grund auch bereut, „The Voice“ nicht zu machen. Darum geht's ja im Leben, dass man dem Unbekannten nicht aus dem Weg geht, sondern die verschiedensten Hindernisse irgendwie meistert. Man lernt schließlich nie aus.

nordbuzz: Und ihr Gefühl, dass sie das können, hat Sie nicht getrogen?

Catterfeld: Nein, ganz im Gegenteil, bereits in der ersten Show fühlte ich mich total angekommen. Ich habe diesen Platz hier eingenommen und verteidige ihn auch (lacht). Das geht so weit, dass es mir anfangs gar nicht so wichtig war, zu gewinnen, aber inzwischen habe ich Blut geleckt. Ich will, dass einer meiner Schützlinge das Rennen macht.

nordbuzz: Sie wären dann der erste weibliche Coach, der gewinnt ?

Catterfeld: Das ist natürlich auch ein Ansporn, aber am Ende entscheide das nicht ich. Ich kann mein Team nur dazu bringen, dass sie über sich hinauswachsen. Das ist eines meiner Prinzipien, dass man immer sein Bestes gibt und die Erwartungen anderer möglichst übertrifft. Genau das wünsche ich mir eben auch von meinen Talenten.

tsch

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