New York im Herzen

„Maggies Plan“: Indie-Ikone Greta Gerwig im Interview

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Impulsiv, unsicher und mit einem gewissen Hang zur Selbstzerstörung ausgestattet: Greta Gerwig ist mit ihren Rollen in New-York-Filmen wie „Maggies Plan“ (Kinostart: 4. August) zum Gesicht einer ganzen Generation geworden.

Sie ist das Gesicht New Yorks: Indie-Ikone Greta Gerwig muss in „Maggies Plan“ (Start: 4. August) mal wieder mit dem komplizierten Leben im Big Apple zurechtkommen. Sie mache nichts lieber als das, wie sie im Interview verrät.

Impulsiv, unsicher und mit einem gewissen Hang zur Selbstzerstörung ausgestattet: So kennt man Greta Gerwig, die in den letzten Jahren zur Ikone des US-Indie-Kinos geworden ist und irgendwie auch zum liebenswertesten Werbegesicht New Yorks. Die Schauspielerin spielt moderne Variationen klassischer Woody-Allen-Frauen, die sich von Leben und Liebe in Manhattan respektive Brooklyn manchmal überfordert fühlen - aber immer optimistisch bleiben. Greta Gerwig, das strahlt sie in jeder Sekunde des Interviews in Berlin aus, liebt diese Rollen und liebt ihre Wahlheimat: An ihrem 34. Geburtstag kommt „Maggies Plan“ in die Kinos (Start: 4. August) - wieder ein New-York-Film mit gewitzten Dialogen, die auch vom berühmtesten New Yorker der Kinogeschichte stammen könnten.

nordbuzz: Ihre Filme haben immer ein gewisses Woody-Allen-Flair: Wie oft treffen Sie sich denn?

Greta Gerwig: Oh. Jeden Montag (lacht). Im Ernst: Woody Allen hat einige meiner Lieblingsfilme gemacht. Ich durfte sogar in einem seiner Filme mitspielen, das war sehr aufregend. Aber ich bin mir nicht mal sicher, ob er sich überhaupt an mich erinnert.

nordbuzz: Haben Sie ihn für Ihre eigenen Filme ausspioniert?

Gerwig: Natürlich. Das mache ich bei jedem Regisseur. Mein Lieblingsmoment mit Woody Allen war eine Szene, die wir für „To Rome With Love“ im Dunkeln vor den Toren Roms drehten. Da gab es all diese Regenmaschinen. Woody Allen ging eine tropfnasse Treppe herunter und murmelte vor sich hin: „Genau so wollte ich es haben: maximale Verletzungsgefahr.“ Er hat einen Witz für sich selbst gemacht - und das fand ich megalustig.

nordbuzz: Fühlen Sie sich eigentlich wohl dabei, ständig mit Woody Allen in Verbindung gebracht zu werden?

Gerwig: Unbedingt. Er ist einer der Größten! Es ist eine Ehre, mit Woody Allen in einem Atemzug genannt zu werden.

nordbuzz: In vielen Ihrer Filme, insbesondere auch in „Maggies Plan“, ist New York der Hauptdarsteller. Welche Rolle spielt denn die Stadt in Ihrem Leben?

Gerwig: Ich wuchs am anderen Ende der USA auf, in Sacramento, Kalifornien. New York lernte ich über Filme - insbesondere von Woody Allen - sehr gut kennen und lieben. Wenn ich jetzt durch New York spaziere, laufen ständig Filmszenen vor meinem inneren Auge ab. Egal, wo ich bin. Natürlich ist das auch anstrengend, wenn man selbst Filme macht: Immer wenn irgendetwas Witziges passiert, überlege ich sofort, wie ich das in einem Film unterbringen kann.

nordbuzz: Wie sehr verschmelzen Sie denn eigentlich mit den New Yorker Figuren, die Sie spielen?

Gerwig: Ich habe schon ziemlich oft New Yorkerinnen gespielt, oder? Wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen, dass ich bei der Besetzung oft auf einen bestimmten Typus reduziert werde. Ich neige dazu, mich sehr akribisch auf die Rollen vorzubereiten. Regisseurin Rebecca Miller und ich brauchten zum Beispiel mehr als ein Jahr, um herauszufinden, wer Maggie ist, welche Klamotten sie trägt, was sie mag. Wenn ich nach so einer Vorbereitung einen Film drehe, kann man schon sagen, dass ich mit den Figuren verschmelze.

nordbuzz: Verwechseln die Leute Sie oft mit ihren Rollen?

Gerwig: Ja, das tun sie. Selbst Freunde sagen mir immer wieder: Das bist du auf der Leinwand! Wobei ich natürlich unmöglich all diese Frauen sein kann (lacht). Aber das macht mich schon ein wenig stolz, weil sich die Filme dadurch weniger fiktional anfühlen.

nordbuzz: Ihre Figuren sind meisten liebenswert unsichere Frauen: Wie ist das denn bei Ihnen persönlich? Wissen Sie genau, was Sie wollen?

Gerwig: Bei mir ist das eine Mischung aus Verunsicherung und Selbstsicherheit - aber das ist wohl bei jedem Menschen so. Was ich an den Rollen so mag - und Maggie ist dafür das beste Beispiel: Die Frauen gehen mit einer befreienden Unbefangenheit durchs Leben. Egal, was sie vielleicht falsch machen, sie sind immer bei sich selbst und können auf ihr Herz hören. Ich hoffe, dass ich davon etwas mitgenommen habe, etwas mehr Unbeschwertheit täte uns allen gut.

nordbuzz: Maggie ist aber auch ein Kontrollfreak ...

Gerwig: Das bin ich nun ganz und gar nicht. Nur manchmal. Aber meistens kann ich aufkeimenden Kontrollzwang zügeln. Sachen, die mir wichtig sind, habe ich natürlich gerne unter Kontrolle. Alle anderen Dinge lasse ich einfach passieren. Es gibt ja Leute, die bei einer Flugbuchung ihre Sitzreihe relativ zur Flugzeuglänge aussuchen. Was soll das? Wenn das Ding abstürzt, sind wir alle tot. Um solche Kleinigkeiten will ich mich nicht kümmern, sie sind mir egal. Mir ist es ja sogar ziemlich schnuppe, was ich für Klamotten anhabe ...

nordbuzz: Können Sie als Star in so vielen New-York-Filmen noch unerkannt durch die Stadt laufen?

Gerwig: Zum Glück ja. Ich bin nicht so sichtbar, wie Stars aus den großen Hollywood-Blockbustern und genieße die Anonymität. Anstatt beobachtet zu werden, kann ich selbst beobachten. Überall erkannt zu werden und nicht mal in Ruhe ins Museum gehen zu können - das würde ich überhaupt nicht mögen. Ich stelle mir Megaruhm wie ein Gefängnis vor.

nordbuzz: Vermeiden Sie es deshalb, Rollenangebote für große Hollywood-Produktionen anzunehmen?

Gerwig: Das beruht auf Gegenseitigkeit. Ich vermeide Hollywood genauso, wie Hollywood mich vermeidet. Es gibt keinen Grund für mich, unzufrieden mit dem Status quo zu sein. Wenn mich dann doch mal jemand erkennt und anspricht, dann höre ich Komplimente für meine Arbeit und lande nicht als Trophäe auf Facebook.

nordbuzz: Gibt es gar keine Rolle, bei der Sie schwach werden würden?

Gerwig: Okay, wenn Chris Nolan anrufen und sagen würde: „Ich mache einen Superheldenfilm und will dich als Sekretärin!“, dann würde ich das machen. Aber bis es soweit ist, genieße ich es, unerkannt in der Menge unterzugehen und mit den Menschen zu verschmelzen. Ich mag Menschen, auch wenn sie - gerade jetzt - für viele schreckliche Dinge verantwortlich sind. Wir sind schon seltsam, aber ich kann mir nicht helfen, die Menschheit spannend und interessant zu finden.

tsch

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