Die Story im Ersten: Terror von rechts - die neue Bedrohung - Mo. 07.03 - ARD: 22.45 Uhr

Wutbürger oder Terroristen?

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Im August brannte in Baden-Württemberg ein Haus, in das Asylbewerber ziehen sollten - nur ein Anschlag von vielen, die 2015 das Land erschütterten.

Beinahe täglich werden in Deutschland Flüchtlingsunterkünfte angegriffen. Sind das Taten von Einzelnen - oder stecken organisierte Rechtsextreme dahinter?

Allein im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 63 Brandanschläge auf Unterkünfte für Asylbewerbern verübt. Dass es dabei noch keine Toten gegeben hat, ist reines Glück. Die Dokumentation "Terror von rechts - die neue Bedrohung" lässt keinen Zweifel daran, dass es durchaus anders hätte laufen können. Im sächsischen Freiberg etwa. Hier kam bei einem Anschlag nur durch Zufall niemand ums Leben. Ernst nahm den Angriff dennoch lange Zeit niemand. Diesen skandalösen Fall nimmt der Film von Thomas Reutter als Aufhänger, und fragt, ob der Terror gegen Asylbewerber von einzelnen "Wutbürgern" ausgeht - oder von organisierten rechten Banden.

Unbekannte hatten Anfang 2015 ein Asylbewerberheim in der 40.000-Einwohner-Stadt Freiberg angegriffen, ein Mensch wurde dabei verletzt. Polizei und Presse sprachen von einem harmlosen Böllerwurf; später stellte sich heraus, dass es sich um einen Sprengstoffanschlag gehandelt hatte. "Menschen hätte ums Leben kommen können", urteilt heute Polizeipräsident Bernd Merbitz. Wie leicht die Täter an das explosive Material gelangen konnten, zeigt die Doku mit einem Selbstversuch in Polen. Auf Märkten werden hier hochgefährliche Böller angeboten, ganz offen.

Insgesamt sieben Sprengstoffanschläge habe es im vergangenen Jahr allein im Raum Freiberg gegeben, rechnet Filmemacher Thomas Reutter nach. "Rechtsterrorismus" nennt er das. "Wortklauberei", entgegnet ihm Emily Haber, Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, die in ausführlichen Interviews Rede und Antwort steht. Derweil macht Polizeipräsident Merbitz eine "Pogrom-Stimmung" von rechts aus, die sich nicht nur gegen Asylbewerber richte, sondern auch gegen Polizisten. Ihm selbst sei angedroht worden, ihn "aufzuhängen".

Die Täter bleiben unterdessen meist unbekannt. Vielleicht, so mutmaßt Dokumentarfilmer Reutter, weil der Staat bei Terror von rechts nicht immer mit der ganzen Härte des Gesetzes vorgehe. Siehe "NSU". Zu oft, lässt Reutter durchblicken, würden Einzelne für die Anschläge verantwortlich gemacht. Dabei gebe es deutliche Hinweise darauf, dass sich die rechtsextreme Szene zunehmend organisiere, Stimmung mache und Anschläge auch im großen Stil plane.

Eine abschließende Antwort hierauf findet die Dokumentation freilich nicht. Und sie lässt eine weitere Frage offen: Sind einige hundert organisierter Neonazis tatsächlich erschreckender als Gewalt, die aus der Mitte der Bevölkerung hervorbricht?

Name der Sendung Die Story im Ersten: Terror von rechts - die neue Bedrohung
Sendedatum 07.03.2016
Sender ARD
Sendezeit 22:45:00
produzierender Sender SWR
Genre Dokumentation
Genre Dokumentation

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