Wolfgang Rademann

Herr der Meere und der Fernsehträume

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Trauer um einen großen Unterhalter: Der "Traumschiff"-Erfinder und Produzent Wolfgang Rademann ist tot.

Er erfand einst die berühmte "Peter Alexander Show", die "Schwarzwaldklinik" und das "Traumschiff". Jetzt ist der deutsche Erfolgsproduzent Wolfgang Rademann im Alter von 81 Jahren verstorben.

Ihn durfte man ruhigen Gewissens den "König unter den deutschen Fernsehproduzenten" nennen, zeitweise liefen jährlich 50 Filme von ihm, er erfand einst die "Peter Alexander Show", die "Schwarzwaldklinik" und "Das Traumschiff", wo er bei jedem Dreh selbst mit an Bord war. Wolfgang Rademann, der große Mann der deutschen Fernsehträume, ist tot. Er verstarb am 31. Januar mit 81 Jahren in einer Berliner Klinik, nachdem er bereits seit dem Herbst an den Folgen eines schweren Sturzes laborierte.

"Wolfgang Rademann kannte und liebte sein Millionenpublikum und hatte ein untrügliches Gefühl für neue Unterhaltungsshows und Fernsehserien", würdigte ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut Rademann am Montag in einer ersten Stellungnahme. "Seine Produktionen im ZDF-Programm haben Fernsehgeschichte geschrieben. Wir trauern um einen großen Unterhalter."

Ein großer Unterhalter war er fraglos. Aber Rademann blieb bis ins hohe Alter immer auch ein Abenteurer, der von sich wie einst Karl V. von Spanien behaupten konnte: "In meinem Reich geht die Sonne nicht unter." Zuletzt führten seine dramaturgisch aufbereiteten Kreuzfahrten nach Macau und am 1. Januar 2016 zu den Cook Islands. Jene Traumschiffepisoden fanden selbstredend wieder ein Millionenpublikum - die Massen hielten Rademanns Fernwehproduktionen stets die Treue, auch wenn sie in jüngerer Vergangenheit keine Straßenfeger mehr waren.

Einst sahen sein 1981 gestartetes "Traumschiff" 27 Millionen Zuschauer, die Mullserie "Die Schwarzwaldklinik" fuhr in den 80-ern Rekorde ein und modelte ganz nebenbei die Geschmacksgrenzen der Fernsehzuschauer um. Mittlerweile plagten den Produzenten Wolfgang Rademann mindere Sorgen: Nach mehr als 70 "Traumschiff"-Folgen waren ihm die Fernziele ausgegangen. Einer wie Rademann wiederholte sich nicht gern. Einfach wieder "von vorn anfangen", wie ihm vom Sender geraten, das gab's bei ihm nicht.

Dabei handelte Rademann nach der alten Adenauer-Devise: "Keine Experimente": "Ich bin stolz darauf, auch nach 33 Jahren im Grunde immer noch mit dem gleichen Inhalt wie in der ersten Stunde über die Weltmeere zu schippern. Mit drei Geschichten: einer komischen, einer Lovestory und einer dramatischen. Und immer geht's gut aus, immer gibt's ein Happy-End." Die zwei Folgen an Weihnachten und Neujahr sollten ein Event bleiben - "etwas Besonderes".

Davon, sein "Traumschiff" für das Plagiat einer US-Serie zu halten, war er weit entfernt. Und Rechtekosten? - "Dafür, dass einer uff'm Schiff fährt, gab's keine müde Mark." Zudem wurde das "Love Boat" mit Lachern aus der Konserve unterlegt. "Der Kapitän trug kurze Hosen und saß ständig bei irgendwelchen Frauen auf dem Schoß. Bei uns ist er eine Respektsperson mit Uniform und Mütze." Dass Rademann beim Casting vor allem auf die Kopfbedeckung sah, ist altbekannt: "Hauptsache, die Mütze sitzt. Ob das Schauspieler sind, ist mir egal", hat er einmal gesagt.

Obwohl er stets bedauerte, dass Deutschland über Jahrzehnte "kein Zentrum" hatte "wie London oder Paris", blieb Rademann durch und durch ein Berliner Urgestein. "Zur Freude der Lufthansa" sei Deutschland nach dem Krieg zersplittert worden, er selbst habe "ein Feldbett in Tegel". Berlin werde wohl leider "och nich' mehr det, wat et mal war". Die TV-Autoren saßen meist "in Bayern am See oder in den Bergen", und "von Mainz wusste man früher nicht mal, wo das liegt". Seine Lebensgefährtin Ruth Maria Kubitschek lebt am Bodensee, die erstaunliche Fernbeziehung funktionierte bis zuletzt. Als Wolfgang Rademann am 12. November 2015 den "Bambi" für sein Lebenswerk bekam, der Ehrung aber aus gesundheitlichen Gründen nicht beiwohnen konnte, nahm sie die Auszeichnung für ihn entgegen.

Alte "Traumschiff"-Folgen sah sich Wolfgang Rademann übrigens nie an: "Ich schaue mir doch nicht mal die aktuelle Folge an, wenn sie im Fernsehen läuft. Ich nehme die Folge vorher ab, und dann bin ich in Gedanken schon bei der nächsten Sendung." Er sei schon immer ein Mensch, der in der Gegenwart und in der Zukunft lebt: "Die Vergangenheit interessiert mich nicht."

Der leidenschaftliche Zeitungsleser ("Ich lese täglich fünf bis sieben Tageszeitungen und lasse sie mir in die Häfen hinterherschicken"), der noch jede seiner Produktionen selbst begleitete, hielt trotz der alten Traumquoten das frühere Fernsehen nicht für besser als das heutige. Ganz im Gegenteil: "Ich finde, dass heute viel publikumswirksamer erzählt wird. Tolle Geschichten und super Schauspieler hatten wir schon immer. Heute ist das deutsche Fernsehen, was seine Fernsehfilme anbetrifft, meiner Meinung das beste der Welt", sagte Wolfgang Rademann vor einigen Jahren. Und einer wie er musste es wissen.

Das ZDF ändert zur Ehrung von Wolfgang Rademann sein Programm. Am Mittwoch, 3. Februar, wird ab 20.15 Uhr eine Folge der Reihe "Das Traumschiff" gezeigt, in der Sascha Hehn, Heide Keller, Nick Wilder zu einer Reise nach Perth aufbrechen. In der Sendung "Markus Lanz" wird Rademanns Leben ab 23.15 Uhr gewürdigt. Um 0.45 Uhr nimmt das ZDF erneut die "Die Traumschiff-Gala" ins Programm, die anlässlich seines 70. Geburtstages ausgestrahlt wurde.

Traumschiff-Produzent Wolfgang Rademann

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