Gundula Gause

"Wissen ist Macht"

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Claus Kleber ist der Mann an Gundula Gauses beruflicher Seite.

Nein, lacht Gundula Gause, sie sei nicht süchtig, nur weil sie ständig auf ihr Smartphone schaut, um die News zu checken. Ein Interview über gesunden Medienkonsum, professionelle Nachrichtenarbeit und aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen.

Gundula Gause ist eine Bank - zumindest, was Nachrichten im ZDF betrifft. Seit 1993 ist sie als "heute-journal"-Moderatorin im Einsatz, besonders beliebt im News-Team mit Claus Kleber. Ein Gespräch mit der 51-Jährigen über einen Drang zur ständigen Aktualität, fast durchgehende Erreichbarkeit, mögliche Jobs nach den Nachrichten, Merkels Flüchtlingspolitik und die Sache mit Jan Böhmermann.

teleschau: Gundula Gause, es ist 16 Uhr. Wie hoch ist Ihr Stresslevel in diesem Moment?

Gundula Gause: Heute ist einer meiner freien Tage, an denen ich zu Hause arbeite und damit auch Zeit habe, mit Ihnen zu sprechen. Also bin ich recht entspannt. Morgen bin ich wieder in der Redaktion und habe um diese Zeit sicher schon die wirklich wunderbare Konferenz im Kreise meiner geschätzten "heute-journal"-Kollegen hinter mir.

teleschau: Klingt ja fast kitschig, wie Sie von Arbeit sprechen.

Gause: Nun, ich bin ein Fan unserer Sendung und ebenso ein Fan des Teams, zu dem ich das Glück habe gehören zu dürfen. Als Teamplayer liegt es mir einfach, mit den Kollegen Rechercheergebnisse zu diskutieren und so die Nachrichten für die Sendung auszuwählen. Seit 23 Jahren mache ich diesen Job - und ich mache ihn einfach sehr gerne. Ich empfinde selten Stress dabei.

teleschau: Sie haben mal gesagt, Sie würden schon mit dem Smartphone in der Hand in den Tag starten und überhaupt rund um die Uhr erreichbar sein. Das muss doch spätestens am Nachmittag zu Reizüberflutung führen. Ist das nicht anstrengend?

Gause: Nein! Tatsächlich bekomme ich nie genug von Nachrichten. Es ist doch ein Privileg, als politisch interessierter Mensch über die Tätigkeit in der Redaktion so nah am Weltgeschehen zu sein. Ich bin froh, somit gewissermaßen Anteil daran zu haben und bemühe mich, mit meinem Team über die Auswahl der Nachrichten einen interessanten und informierenden Beitrag zur Sendung zu leisten.

teleschau: Haben Sie eine Leistungsgrenze?

Gause: Neulich traf ich im ZDF mal wieder eine Studentengruppe, aus der heraus die Frage gestellt wurde: "Aber Frau Gause, Sie können doch nicht alles wissen, in all' den Themen der Nachrichten sattelfest sein - oder?"

teleschau: Und? Können Sie?

Gause: Nein, natürlich nicht, kein Mensch kann alles wissen. Aber wenn ich etwas nicht weiß, weiß ich doch, wo und wie es wahrscheinlich herauszufinden ist. Man lernt permanent und voneinander. Was ich den jungen Leuten, den interessierten Besuchern, Praktikanten und Hospitanten auch immer wieder ans Herz lege: Wissen ist Macht. Jeder sollte versuchen, so viel wie möglich zu lesen, zu erfahren und über den Tellerrand hinaus zu schauen. Die Welt wird immer komplexer, und es wird immer wichtiger, einen verlässlichen Kompass zur Orientierung zu haben: ein belastbares Basiswissen.

teleschau: Erlauben Sie sich, während des Tages auch mal keinen Input zu haben und machen das Smartphone aus?

Gause: Als Botschafterin der Aktion "Schau hin, was deine Kinder machen" setze ich mich intensiv mit den Folgen der Digitalisierung auseinander und mit dem ganz individuellen Umgang mit digitalen Medien. Auch im persönlichen Umfeld, in der Familie, ist es mir wichtig, Maß zu halten und kontrolliert mit digitalen Medien umzugehen. Ja, man sollte sich immer wieder auch eine Auszeit vom Smartphone nehmen. Zum Beispiel mindestens bei den Mahlzeiten.

teleschau: Das ist ja keine besonders lange Pause.

Gause: Oft liegt das Smartphone mal zwei, drei Stunden einfach in der Handtasche - zum Beispiel, wenn ich mich unterhalte, Freunde treffe oder lese. Aber nach einer gewissen Zeit muss ich es auch wieder zur Hand nehmen.

teleschau: Schalten Sie zur Nacht alles aus?

Gause: Ja, na klar! Aber spätestens mit dem ersten Kaffee bin ich - wie viele andere - wieder online.

teleschau: Ist da auch eine Sucht nach Aktualität im Spiel?

Gause: Aktualität ist mir sehr wichtig. Ich bin es nun über fast drei Jahrzehnte gewöhnt, frühzeitig über Weltgeschehen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft informiert zu sein. Aber die Vernunft gebietet: Maß halten! Sucht sieht anders aus.

teleschau: Haben Sie neben dem Hang zu neuesten Nachrichten auch manchmal Lust auf öffentliche Meinungsäußerung dazu?

Gause: Da fahre ich eine sehr sachliche Linie. Ich sehe es als meine Aufgabe, Nachrichten in der Kürze auf den Punkt zu bringen und mich einer eigenen Meinung zu enthalten.

teleschau: Kribbelt es Ihnen nicht ab und an in den Fingern, in der Sendung zu sagen, was Sie persönlich denken - etwa zuletzt in Sachen Jan Böhmermann?

Gause: Böhmermann hat als Satiriker Grenzen getestet. Jetzt müssen die Gerichte entscheiden, ob das Satire war und inwieweit Meinungs- und Pressefreiheit in dieser Sache eine Rolle spielen. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Da halte ich mich raus.

teleschau: Und was die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung betrifft, über die Sie ständig berichten müssen: Sind Sie einer Meinung mit der Kanzlerin, die sagte: "Wir schaffen das"?

Gause: Ich hoffe sehr auf europäische Solidarität und bin damit natürlich auf der gleichen Linie wie die Bundesregierung, die ja immer wieder an die europäischen Partner appelliert: Deutschland kann das nicht alleine - das geht nur gemeinsam!

teleschau: Wenn wir schon bei Merkel sind: Käme für Sie auch ein Schritt wie der von Steffen Seibert in Frage, also ein Wechsel in den aktiven Politikbetrieb?

Gause: Dazu sage ich immer: noch einmal 23 Jahre Co-Moderation im "heute-journal" sind eher unwahrscheinlich. Natürlich wird es irgendwann zu Veränderungen kommen. Welche genau, wird man sehen. Auch da muss Vernunft walten: Veränderungen müssen sinnvoll und vernünftig sein. Da ich ein ZDF-sozialisiertes Wesen bin, würde ich mich zunächst mit meinen ZDF-Kollegen und natürlich auch in der Familie besprechen.

teleschau: Und wie steht es nun mit dem Seibert-Job?

Gause: Die Frage stellt sich mir nicht - es ist ja illusionär, zu denken, dass ich so etwas heute gefragt werde.

teleschau: Aber Sie haben tolle Angebote, oder?

Gause: Es gibt durchaus interessante Ideen und Vorschläge. Aber sollte es konkret werden, würde ich mich wie gesagt zunächst mit meinen Leuten zusammensetzen. Ich bin und bleibe ein Teamplayer und konsensorientiert.

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