Neue „Make Love“-Folgen mit Ann-Marlene Henning

Was man wirklich alles über Sex wissen sollte

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„Es wundert mich nicht, dass unser Format auch bei Jüngeren ankommt“, sagt die „Make Love“-Sexologin Ann-Marlene Henning. „Für mich ist es nicht heikel, sondern dringend notwendig, Jugendliche zu informieren.“

Wie „versext“ sind die deutschen Jugendlichen wirklich? Und was können auch Erwachsene immer wieder dazulernen, um ihr Liebesleben zu beflügeln? Vier neue Folgen der ZDF-Reihe „Make Love - Liebe machen kann man lernen“ (ab 12.7.) geben darüber Auskunft.

Über Geld redet man nicht, über Sex aber schon? Ann-Marlene Henning, Sexologin, Paartherapeutin und Bestsellerautorin, ist sich gar nicht so sicher, wie selbstbewusst die Deutschen mit dem liebevollen Nahkampfthemen umgehen und wie „aufgeklärt“ die Nation über vier Jahrzehnte nach den Hauptwerken von Oswalt Kolle wirklich ist. „Ich spüre in meiner Praxis täglich, wie groß der Bedarf an Aufklärung ist“, sagt die erfrischend zupackende Dänin, die 1964 in Mitteljütland geboren wurde. „Es gibt ein Bedürfnis, über Sexualität auf entspannte und humorvolle Weise zu sprechen - und fast jeder hat Fragen.“ In vier neuen Folgen ihrer ZDF-Reihe „Make Love - Liebe machen kann man lernen“ öffnet sie ab Dienstag, 12. Juli, wieder ihre TV-Sprechstunde. Erstmals auch für homosexuelle Paare ...

„Auch in diesen sogenannten aufgeklärten Zeiten stoße ich auf jede Menge Falschwissen und sehe Druck“, sagt Henning, die durch die alles andere als reißerisch, aber sehr „praxisnah“ aufgemachte ZDF-Spätsendung führt. „Viele haben ein ungutes Gefühl, nicht zu genügen, oder meinen, 'mit ihnen stimme was nicht'. Da hilft es, die Tatsachen zurück auf den Boden zu holen“, sagt die offenherzige Sexpertin beim sonst oft als etwas prüde verschrienen Mainzer Sender.

Rechtfertigen muss sie sich für ihre jeweils 45-minütigen Aufklärungsarbeit, die stark auf unverklemmte Gespräche, aber durchaus auch auf „nackte Tatsachen“ und praktische Stellungstipps setzt, natürlich längst nicht mehr. Die Zuschauer haben Hennings Sendereihe, die zuvor über zwei Staffeln im MDR zu sehen war, längst ins Herz geschlossen. Der Anklang ist enorm: Die dritte Staffel erreichte im ZDF-Nachtprogramm im vergangenen Sommer starke, oft klar zweistellige Marktanteile - und das vor allem auch bei den umgarnten jüngeren Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren.

Gerade hier setzt die neue Staffel an - bei den Jugendlichen, die zwar vermeintlich mehrheitlich mit Internet-Pornos und drastischen Rollenbildern aus Werbung, Popkultur und Filmen aufgewachsen sind, aber oft eben doch gar nicht so souverän mit ihrer Sexualität umgehen. Und dass, obwohl sich aktuellen Studien zufolge 80 Prozent der Jugendlichen als aufgeklärt bezeichnen. In der ersten neuen „Make Love“-Folge besucht Ann-Marlene Henning mit dem Kamerateam die neunte Klasse einer Leipziger Gesamtschule, um herauszufinden, wie die Jugendlichen „sexuell ticken“. Mit teilweise überraschenden Ergebnissen.

„Unsere Jugendlichen sind nicht 'übersext' im Sinne von, 'sie haben mehr oder früher Sex' als vor zehn bis 15 Jahren, sondern sie haben mehr gehört, gesehen oder gelesen, dazu aber - statistisch gesehen - später ihr erstes Mal“, weist Henning populistische Vorwürfe zurück. „Sie fühlen sich aufgeklärt und wissend, aber gerade weil sie so früh mit sexuellen Inhalten in Kontakt kommen - oft unbeabsichtigt und wenig altersgerecht auf dem eigenen Computer oder Handy -, besteht große Verunsicherung darüber, was normal ist“, so Henning. „Jugendliche haben deswegen viele Fragen, nur an wen sollen sie diese stellen? Es wundert mich nicht, dass unser Format auch bei Jüngeren ankommt. Für mich ist es nicht heikel, sondern dringend notwendig, Jugendliche zu informieren.“

Umso entschiedener bezieht die Sexologin, die sich im besten Sinne als Volksaufklärerin versteht, Stellung gegen Tendenzen, den Sexualkundeunterricht an deutschen Schulen - oft auf Betreiben einzelner Elterninitiativen - in der Lehrplanpraxis wieder stärker zurückzudrängen. „Sehr kritisch“ sieht Ann-Marlene Hennig derlei Bestrebungen. „Denn die Argumente der Eltern entstammen einem romantischen Bild des unschuldigen, asexuellen Kindes, das einfach der menschlichen Biologie nicht entspricht. Kinder sind sexuelle Wesen, es stellt sich eher die Frage, was alles als 'sexuell' gilt, nämlich nicht nur Geschlechtsverkehr“, sagt sie.

„Zur sexuellen Entwicklung gehört auch, eigene Bedürfnisse erkennen zu lernen und um deren Erfüllung zu suchen, Beziehungen führen zu können oder die eigene sexuelle Identität finden zu dürfen. Dabei haben alte Klischees und Rollenmuster ausgedient“, fordert die Dänin. „Kinder müssen breit gefächert aufgeklärt werden, dazu gehören Themen wie Geschlechteridentität oder Homosexualität. Keiner sollte über andere entscheiden, wer mit wem schlafen darf oder soll. Der Mensch hat ein Recht auf selbstbestimmte Sexualität“, sagt Henning. „Hier kommt die Schule ins Spiel, denn viele Eltern wissen zu wenig oder sind zu verklemmt und versuchen über Verbote die natürliche sexuelle Entwicklung und Wissensbegierde zu unterbinden, das erhöht aber nur die Gefahr für Grenzüberschreitungen oder gar unerwünschte Schwangerschaften, wie Studien zeigen.“

Doch nicht nur explizit die noch experimentierfreudigen Jüngeren dürften an ihren vier neuen „Make Love“-Unterrichtseinheiten Freude finden. In der neuen Staffel möchte das Team auch heiße Themen anpacken, die bislang selten den Weg auf den Bildschirm gefunden haben. So thematisiert eine Folge auch homosexuelle Liebe - mit einem schwulen Paar. „Das hat es in der TV-Geschichte noch nie gegeben. Der Mut des ZDF ist sehr groß“, freute sich der „Make Love“-Produzent Christian Beetz in einem Zeitungszitat über die Aufgeschlossenheit des ZDF.

Rückenwind gibt ihm und Ann-Marlene Henning die bislang starke Resonanz im Publikum. Der Anklang durch alle Alters- und Bevölkerungsschichten, den die ZDF-Sendereihe erzielt, freut die Sexologin naturgemäß sehr. „Immer wieder sprechen mich Leute im Zug, im Supermarkt oder in der Schlange im Kino auf unsere Sendung an“, sagt sie. „Der letzte Satz ist meist: 'Da kann man noch was lernen! Hätte ich nicht gedacht'. Dazu ein wissendes Lächeln. Ich schmunzele freudig zurück.“

Ausgestrahlt werden die vier neuen Folgen der vierten „Make Love“-Staffel am Dienstag, 12. Juli, 22.45, am Mittwoch, 13. Juli, 23.15 Uhr, am Dienstag, 19. Juli, 22.45 Uhr, und am Mittwoch, 20. Juli, 23.15 Uhr.

tsch

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