Zweite Staffel von „Ash vs. Evil Dead“

Bruce Campbell: „Es wird schlimmer als man sich es vorstellen kann“

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Bruce Campbell (58) spielt Ash aus dem „Tanz der Teufel“-Franchise nun seit 37 Jahren. Gelangweilt ist er von der Rolle aber noch lange nicht. „Ash wird mehr und mehr zu meinem Lieblingscharakter.“

Die „Tanz der Teufel“-Serie „Ash vs. Evil Dead“ geht am 3. Oktober in die zweite Staffel. Hauptdarsteller Bruce Campbell spricht im Interview über sein Verhältnis zu Ash, den er seit über 30 Jahren spielt.

1981 machte sich Ash (Bruce Campbell) mit seinen Freunden auf, um ein Wochenende in einer entlegenen Waldhütte zu verbringen. Dort fanden sie das Necronomicon, ein Buch aus Menschenhaut gefertigt und mit Blut geschrieben. Sie lesen ein paar Zeilen daraus vor und beschwören damit buchstäblich die Hölle auf Erden. Das ist die Handlung des Horror-Trashfilms „Tanz der Teufel“ (Original „The Evil Dead“) von 1981. Damals schockierte der Film mit seiner drastischen Gewaltdarstellung, in Deutschland war er bis August diesen Jahres sogar noch beschlagnahmt. Die Serie „Ash vs. Evil Dead“, die die Handlung des Kultfranchises fortsetzt, ist weiterhin immens brutal, widerwärtig und obszön, aber auch verdammt lustig. Ab Montag, 3. Oktober, ist die zweite Staffel bei Amazon Prime Video abrufbar. Hauptdarsteller Bruce Campbell (58) spielt immer noch den chaotischen Protagonisten Ash. Er entwickelte in dieser Zeit eine sehr besondere Beziehung voller körperlichen Schmerz und tiefer Liebe zu seiner Rolle.

„Tanz der Teufel“ ist Kult, keine Frage. Schon im Film von 1981 und seinen beiden Forsetzungen von 1987 und 1992 war fast alles überzeichnet, der Splatter- und B-Movie-Charme mit allerhand unrealistischen Masken und Kunstblut war offensichtlich.

2014 wurden die Gebete der Fans weltweit endlich erhört, als Regisseur Sam Raimi auf der Comic-Con verkündete, an einer Fernsehserie von „Evil Dead“ zu arbeiten. Die erste Staffel „Ash vs. Evil Dead“ ist erst seit September beim Video on Demand Anbieter Amazon Video verfügbar. Darin beschwört Ash im Marijuana-Rausch erneut „versehentlich“ die Dämonen des Necronomicons, weswegen er erneut den Kampf gegen die Unterwelt antreten muss. Diesmal bekam er allerdings Unterstüzung von den beiden jungen Mitstreitern Kelly (Dana DeLorenzo) und Pablo (Ray Santiago). Mit Lucy Lawless („Xena - Die Kriegerprinzessin“) fand man eine kongeniale neue Widersacherin für Ash.

„Er ist einfach ein Idiot mit Attitüde"

Obwohl Ash, dieser irre Typ, der nicht gerade intelligent ist, häufig eher Entscheidungen aus dem Lendenbereich heraus trifft und einen doofen Spruch nach dem anderen bringt, Bruce Campbell nun schon seit so vielen Jahrzehnten begleitet, hat der Schauspieler das Interesse an der Rolle noch lange nicht verloren: „Ash wird mehr und mehr zu meinem Lieblingscharakter“, verrät er im Interview. „Vor der Serie wussten wir ja nicht viel über Ash, er war quasi ein zweidimensionaler Charakter. Dass er jetzt eine dritte Dimension bekommt macht ihn nun erst richtig interessant für mich.“

Seine Erklärung, warum auch die Faszination der Fans gegenüber Ash nicht nachlässt, ist simpel: „Ash ist jemand, mit dem sich der durchschnittliche Zuschauer identifizieren kann. Er hat keine besonderen Fähigkeiten, er ist nicht beim CIA oder FBI. Er ist einfach ein Idiot mit Attitüde.“ Wobei man auch sagen muss, dass ein Protagnist, der eine Motorsäge hat, wo sich bei anderen Leuten eine Hand befindet, auch ohne die idiotische Attitüde cool wäre. Diese macht ihn aber, wie Ash selbst sagen würde, erst so „groovy“ wie er ist.

Aber auch Ash ist in den letzten Jahrzehnten älter geworden, worunter der einstige Frauenschwarm durchaus leidet. Seinem 58-jährigen Darsteller geht es ähnlich mit dem Altern: „Als Schauspieler hat man die einmalige Möglichkeit, zurückzublicken und sich in seiner eigenen körperlichen Blüte zu betrachten. Das ist die Schönheit und der Horror des Schauspielerdaseins. Ich stehe dem Altern wohl ähnlich gegenüber wie Ash. Es wird immer schwerer, sich den Text zu merken, ich kann nicht mehr ewig auf meinen Füßen stehen, der Rücken schmerzt mehr. Es ist nun mal eine sehr körperliche Serie, und die Drehtage sind lang und hart.“

Das Leiden hat sich gelohnt 

Wenn man sich die ersten Folgen der neuen Staffel ansieht, versteht man sofort, was Campbell meint. Eine irre Zombiekampf-Slapstick-Szene folgt auf die nächste. „Diese Staffel war für alle beteiligten Schauspieler eine ziemliche Herausforderung. Wir hoffen einfach, dass die Zuschauer Spaß haben. Wir hatten den nämlich nicht immer unbedingt.“ So zerrte sich Campbell während der Dreharbeiten unter anderem die Kniesehne. Ans Unterbrechen dachte er allerdings nie, er zog die Sache durch, auch wenn es mitunter wirklich hart war: „Die letzten beiden Drehwochen waren nichts als Kampfszenen! Physiotherapie ist mittlerweile zu meinem besten Freund geworden.“

Das Leiden hat sich jedoch gelohnt, denn die zweite Staffel übertrifft in Punkto Tabulosigkeit, Anrüchigkeit, Ekel und Obszönität die kühnsten Träume eines jeden eingefleischten Horror-Trash-Fans. „Der Reiz der Serie liegt darin, dass es keine Zensur oder Einschränkungen gibt. Das gibt den Fans ein Gefühl von Aufregung. Was wird alles passieren, wenn es keine Tabus gibt? Und die Antwort ist meistens: Es wird schlimmer als man sich vorstellen kann!“

Das selbsternannte Ziel seines Schaffens dürfte Bruce Campbell spätestens mit einer Szene der neuen Staffel erreicht haben, in der Ash im Rektum einer aufgeschnitten Leiche steckt, während er sich mit deren zum Leben erwachten kampflustigen Eingeweide herumschlagen muss: „Ich hoffe, wir waren erfolgreich darin, Szenen zu kreieren, die den Leuten im Gedächtnis bleiben. Ich denke, das ist das ganze Ziel, wenn es um Unterhaltung geht: zu versuchen, Dinge zu tun, an die man sich erinnern wird.“

tsch

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