Frank Buschmann im Interview

„Wir sind nicht der SAT.1-Fernsehgarten“

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Sport ist sein Leben: Kommentator Frank Buschmann in Aktion.

Gut gelaunt in Richtung Fußball-EM: Wenn am 19. Juni SAT.1 in den dritten Vorrunden-Spieltag einsteigt, ist auch Frank Buschmann mittendrin - mit einem eigenen Talk, live aus dem Europapark Rust.

In seiner Autobiografie „Am Ende kackt die Ente!“ nennt sich Frank Buschmann selbst einen „Sportverrückten“. Das erklärt einiges: Der ehemalige Basketball-Spieler (Zweite Liga) gehört zu den besten und beliebtesten Fußball-Kommentatoren Deutschlands, ist die Stimme bei „Schlag den Raab“ und der beliebten Video-Spielreihe FIFA, bringt den Deutschen auf SAT.1 American Football und den Super Bowl näher und moderiert für SAT.1 jetzt den „ran EM-Talk“ am dritten Gruppenspieltag der Fußball-EM (ab Sonntag, 19. Juni). Ein Gespräch über seine neue aus dem Europapark in Rust live gesendete Talk-Runde mit prominenten Mitstreiten wie Marcel Reif oder Felix Magath, über „Buschi.TV“ und über seine Meinung zu den neuen Radikalen in unserer Gesellschaft.

nordbuzz: SAT.1 zeigt zum ersten Mal in der Sendergeschichte sechs Vorrundenspiele der Fußball-EM. Im Anschluss bitten Sie Ihre Gäste zum „ran EM-Talk“, live aus dem Europa-Park Rust. Worauf dürfen wir uns freuen - entspannte Gespräche oder aufregende Show?

Frank Buschmann: Der „ran EM-Talk“ ist das gewisse Extra, das wir unseren Zuschauern nach dem Live-Spiel bieten und mit dem wir uns von der sonstigen Berichterstattung positiv abheben wollen. Wir werden einiges anders machen als sonst üblich - ein bisschen lockerer soll es werden, näher dran am Fan, ohne dass Klamauk oder Comedy daraus wird. Wer mich kennt, weiß, dass ich genau dafür nicht stehe, sondern für gute, lockere Unterhaltung. Die Zuschauer können sich auf besondere und überraschende Gäste freuen - auch auf solche, die sie nicht zwingend bei einer solchen Talkrunde vermuten würden. Am Ende sind wir aber nicht der SAT.1-Fernsehgarten, sondern beschäftigen uns immer noch mit Fußball. Mit der gebotenen Ernsthaftigkeit, aber auch mit einer gewissen Lockerheit.

nordbuzz: Wieviel Buschi steckt im „ran EM-Talk“?

Buschmann: Eine Show ist immer ein großes Miteinander und das Produkt vieler Köpfe. Ich bin derjenige, der bei der Planung dabei ist und das Ganze auf den Bildschirm bringt. Am Ende steht aber immer das Ereignis im Mittelpunkt, und das ist der Fußball. Ich bringe meine eigene Note mit ein, mache aber keine Buschmann-Show daraus. Es ist die SAT.1-Show zur Fußball-EM. Wenn wir die Zuschauer zu Hause dazu bringen, dass sie auch gern dabei wären und mitdiskutieren wollen, können wir zufrieden sein.

nordbuzz: Viele Zuschauer dürften erst mal überrascht sein, dass es die Fußball-EM überhaupt bei SAT.1 gibt, nicht nur bei ARD und ZDF.

Buschmann: Meine Hoffnung ist, dass wir uns mit unserer Rundum-Berichterstattung von dem abheben, was ich seit Jahr und Tag beim Fußball erlebe. Es gibt sicher Zuschauer, die das einmal etwas anders haben wollen und sich bei uns gut aufgehoben fühlen. Ob es uns gelingt, bei einem solchen Großereignis die Zuschauer anzulocken, ist eine andere Geschichte. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Aber ich bin guter Dinge, weil wir uns nette Sachen haben einfallen lassen.

nordbuzz: Wer Sie kennt, der weiß, dass Unterhaltung und Show bei Ihnen nicht zu kurz kommen. Der „ran EM-Talk“ passt vom Format her gut zu Ihnen ...

Buschmann: Meinen Stil pflege ich jetzt seit rund 15 Jahren, und da lasse ich mich auch von keinem Sender mehr verbiegen. Muss ich auch nicht: SAT.1-Sportchef Alexander Rösner beispielsweise gehört zu den Leuten, die sagen: Wenn ich Buschi einkaufe, dann weiß ich, dass ich Buschi bekomme. Auch wenn einige in der Branche meinen, dass sei unseriös: Weil ich auch mal lache. Weil ich auch mal fröhlich bin. Und weil ich auch mal Dinge frage, die nicht schon tausendmal gefragt worden sind. Mich interessieren eben auch Sachen über die übliche Eins-zu-Null-Berichterstattung hinaus.

nordbuzz: Wie interpretieren Sie generell Ihre Rolle vor der Kamera? Für manche sind Sie zu sehr Kumpel der Sportler und Stars ...

Buschmann: Da verweise ich gern auf meine Interviews mit Leuten wie Dirk Nowitzki, Stefan Kretzschmar oder Toni Kroos. Das mag jetzt keine journalistische Distanz mehr sein. Aber die Zuschauer erfahren mehr über diese Menschen als in jedem investigativen Interview. Ich verstehe mich als Berichterstatter. Und irgendwie bin ich auch Sportfan, das gebe ich gern zu. Was übrigens nicht heißt, dass ich alles unkritisch sehe. Wer meine Haltung zur deutschen Fußball-Nationalmannschaft kennt, der weiß, dass ich einige Dinge sehr wohl kritisch sehe, auch nach dem ganz großen Erfolg. Ich bin jetzt 51 Jahre alt - und diese Haltung lasse ich mir auch nicht mehr nehmen. Nicht weil ich starrsinnig bin, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass es der richtige Ansatz ist.

nordbuzz: Ihr Stil kommt bei den meisten Fans und Zuschauern gut an. Sonst hätten Sie keine 400.000 Freunde auf Facebook.

Buschmann: Einige Medien scheinen manchmal sogar größeres Interesse an meiner Social-Media-Power zu haben als an meiner Arbeit vor der Kamera (lacht). Die vielen Fans habe ich aber nur durch die vielen TV-Jobs bekommen. Inzwischen hat das Ganze eine Eigendynamik entwickelt, mit der ich übrigens nie gerechnet hätte. Manche Schlaumeier, die meinen, sich mit Social Media auszukennen und Kurse halten, unterstellen mir, dass alles nur geschicktes Marketing ist. Das ist Mumpitz! Ich mache das alles aus dem Bauch heraus. Als ich vor vier Jahren damit angefangen habe, habe ich nicht daran gedacht, mich zu meiner eigenen Marke zu machen. Das hat sich einfach so entwickelt. Aber das Schöne ist, dass es mich ein Stück weit unabhängiger von den Geschmäckern der TV-Verantwortlichen macht.

nordbuzz: Ihre Fans scheinen zu spüren, dass das alles echt ist.

Buschmann: Die Leute auf meiner Facebook-Seite spüren sehr schnell, ob ich das bin oder eine Agentur, die für mich schreibt. Ich bin auf der Seite auch mal emotional, mal weinerlich oder euphorisch - wie sonst auch. Das ist echt. Teilweise ist die Seite ein richtiges Beurteilungsportal für Sport und Show, auf dem sich die Leute austauschen. Das ist wunderbar. Und wenn ich mich dort auch mal kritisch oder gar politisch zu bestimmten Themen äußere, muss ich auch aushalten, dass da auch Leute mitmischen, die ich auf der Seite sonst lieber nicht hätte. Das kann ich aber ab, weil ich groß und stark bin und damit umgehen kann.

nordbuzz: Sie haben mit „Buschi.TV“ ihren eigenen Youtube-Kanal. Sie produzieren die Show selbst, auch sonst sind Sie für alles verantwortlich. Wie wichtig ist Ihnen dieses Format?

Buschmann: „Buschi.TV“ ist mein Hobby. Das bezahle ich aus meiner eigenen Tasche, weil es mir Spaß macht und weil es bei den Fans gut ankommt. Ich mache das auch, weil mich Sportler wie Toni Kroos über Twitter kontaktieren und mich fragen, ob sie mitmachen dürfen. So ist das Interview mit ihm auf seiner Couch in Madrid entstanden. Da bin ich schon ein wenig stolz darauf. Denn ich glaube nicht, dass es einen TV-Sender gibt, der seinen Moderator bei Toni Kroos bei sich zu Hause auf der Couch sitzen hatte. Das zeigt aber auch, dass es kein Klamauk ist, was ich mache.

nordbuzz: Neben Fußball, Basketball oder Shows wie „Schlag den Raab“ haben Sie 2002 auch Wahlkampfveranstaltungen der SPD moderiert. Würden Sie so etwas heute noch einmal machen?

Buschmann: Im Moment wüsste ich ehrlich gesagt nicht so richtig, für welche Partei ich mich hinstellen und durch meine Präsenz signalisieren sollte, dass ich deren Weg mitgehe. Ich war auch damals kein Gerhard-Schröder-Jünger, konnte mich mit seiner Basta- und Bauch-Politik aber deutlich eher identifizieren als mit vielem von dem, was ich heute in der Politik so erlebe. Das Einzige, was mich dazu treiben könnte, wenn ich von den etablierten Parteien gefragt werden würde, ist, dass wir die radikalen Gruppen in unserer Gesellschaft verhindern müssen. Ich sage das ganz bewusst, weil ich glaube, dass wir sie sehr ernst nehmen müssen.

nordbuzz: Sie sind jetzt seit 2013 bei ProSiebenSat.1 Media. Hoffen Sie darauf, dass sich die Sendergruppe in den nächsten Jahren weitere Übertragungsrechte für Großereignisse wie die Fußball-EM, die EuropaLeague oder gar die ChampionsLeague sichert?

Buschmann: Ich habe in den mehr als 20 Jahren, in denen ich in diesem Geschäft bin, das große Glück gehabt, bei Events live vor Ort sein zu dürfen, für die andere viel Geld bezahlen müssen. Damit will ich sagen, dass ich tatsächlich demütig geworden bin. Ich habe so viel erreicht, dass ich nicht mehr darauf schauen muss, wer die einzelnen Rechte besitzt oder erwirbt. Wenn ein Sender die Rechte hat und ich das große Glück habe, gefragt zu werden, ob ich an der Umsetzung mitwirken möchte, dann ist das natürlich toll. Aber dieses Hoffen und Bangen, ob die Rechte von A nach B wandern, dem Senderchef dann auch noch meine Nase passt und die Bundesliga womöglich Angst haben könnte, dass jemand kritische Dinge anspricht - das brauche ich nicht mehr! Und jetzt bekommen wir sogar wieder die Kurve zum Anfang: Glaubt noch irgendjemand, dass im Rahmen der üblichen Bundesliga-Berichterstattung auch nur ansatzweise frei und unabhängig gearbeitet wird? Diese Frage muss jeder selbst beantworten - und dann kann er mit mir gern nochmals darüber sprechen, ob ich das ganze Geschäft manchmal etwas zu locker sehe.

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