Mit „Winnetou“ und „Deutschland 83“

Programm-Offensive bei RTL

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Sah im Trailer schon sehr gut aus: Old Shatterhand (Wotan Wilke Möhring, links) und Winnetou (Nik Xhelilaj) kehren als RTL-Dreiteiler um Weihnachten herum ins Fernsehen zurück.

Programm-Offensive bei RTL mit 20 neuen Formaten: Der Dreiteiler „Winnetou“ mit Wotan Wilke Möhring, die Verfilmung der Lebensgeschichte Gaby Kösters und die Fortsetzung von „Deutschland 83“ sorgen für Gesprächsstoff.

In den letzten Jahren stand RTL, der Supertanker unter den Privatsendern, im Ruf, teure Fiction-Produktionen zu scheuen und stattdessen auf preiswerteres „Real Life“ sowie Showformate zu setzen. Einzig und allein die international gefeierte Miniserie „Deutschland 83“ - bei RTL selbst ein Misserfolg in Sachen Quote -, der Adidas-Film „Das Duell der Brüder“ sowie die Serien „Der Lehrer“ und Trash-Dauerbrenner „Alarm für Cobra 11“ standen für die Fiction-Produktion der Kölner TV-Macher in der vergangenen Saison. Auch wenn dies wirtschaftlich nachvollziehbar ist, scheint RTL Geschäftsführer Frank Hoffmann dennoch persönlich unter dem Image seines Senders zu leiden. Der 50-jährige Manager kündigte jedenfalls am Dienstagabend in Hamburg zahlreiche neue Serien und einige wenige Filme an. Zumindest eine Überraschung gelang ihm dabei.

„Winnetou“ mit Wotan Wilke Möhring

Dass RTL seinem Publikum eine Neuverfilmung des Karl May-Kultstoffes „Winnetou“ anbietet, ist schon länger bekannt. Auch die Besetzung mit Wotan Wilke Möhring als Old Shatterhand und dem unbekannten albanischen Schauspieler Nik Xhelilaj in der Titelrolle steht bereits geraume Zeit fest. Erstmals gab es jedoch im großen Rahmen einen längeren Trailer des Programms zu sehen, das um Weihnachten herum gesendet wird. Gemäß der Ausschnitte darf man sich auf den neuen „Winnetou“ freuen, der übrigens mit einer feinen Neubearbeitung der Originalmusik von Martin Böttcher daherkommt. Regisseur Philipp Stölzl („Der Medicus“) schuf ein sehr hochwertiges, bildgewaltiges Epos, das zudem sensibel und modern erzählt zu sein scheint.

Zudem kündigte Hoffmann die Verfilmung von Gaby Kösters Roman „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ an. Die humorvoll-schonungslose Autobiografie der Komödiantin, die 2008 einen schweren Schlaganfall erlitt und danach ein neues Leben lernen musste, wird mit der Dortmunder „Tatort“-Kommissarin Anna Schudt in der Hauptrolle realisiert.

Fortsetzung von „Deutschland 83“

Schon länger munkelt man über eine Fortsetzung des national und international mit Preisen überhäuften Achtteilers „Deutschland 83“. Die Serie muss mit dem kleinen Schönheitsfehler leben, dass sie bei RTL trotz bombastischem Vorab-Lob ziemlich miserabel eingeschaltet war. Hoffmann, der bei seinem Auftritt in Hamburg betonte, wie wichtig eigenproduzierte Programme als „Trademark“ für einen TV-Sender seien, kündigte jedoch an, dass die geplanten Fortsetzungen „Deutschland 86“ und „Deutschland 89“ wohl „mit sehr großer Wahrscheinlichkeit“ umgesetzt werden.

Dass amerikanische Serien, früher ein Quoten-Faustpfand der Privaten, längst nicht mehr laufen, ist seit längerem eine Tatsache. Die guten und preisgekrönten Stoffe finden zumeist vor ausgewähltem Publikum bei kleinen Pay TV-Sendern und Streamingdiensten statt. Die großen, frei empfangbaren US-Sender bieten hingegen zumeist berechenbare Stangenware. Weil man bei RTL um diesen Trend weiß, nimmt man zur neuen Saison nur eine neue US-Serie ins Programm: Im NBC-Produkt „Shades of Blue“ arbeiten Jennifer Lopez und Ray Liotta als Polizisten in New York. Die Kritiken zur Serie in den USA fielen eher gemischt aus, wenn auch die Leistung der Hauptdarsteller fast durchgängig gelobt wurde.

Sechs Serienpiloten im Auftrag

Um das geplante „Eigene“ zu schaffen, gab RTL satte sechs Serienpiloten in Auftrag, von denen bisher jedoch nur der grundlegende Plot nebst einer Genre-Einordnung bekannt gegeben wurde. „Lifelines“ ist die Geschichte eines Truppenarztes, der in Afghanistan arbeitete und nach seiner Rückkehr in ein deutsches Krankenhaus sowohl medizinisch wie menschlich überrascht. Die Geschichte stammt von den Autoren der RTL-Erfolgsserie „Der Lehrer“. Weitere Drama-Piloten hören auf den Namen „Bad Cop“ (ein krimineller Zwilling übernimmt das Leben seines toten Kripo-Bruders), „Single Cop“ (alleinerziehender Ermittler), „Plötzlich Anwalt“ (ein langjähriger Hausmann muss sich nach dem Beziehungs-Aus im ungewohnten Beruf etablieren), „Jenny“ („Ritas Welt“ in der Anwaltskanzlei, O-Ton Hoffmann) und „Sankt Maik“ (ein Kleinkrimineller in der Soutane eines Priesters). Wann diese Serienpiloten gesendet werden und welche davon letztendlich fortgesetzt werden, ist noch völlig offen.

Konkreter wurde Hoffmann in Sachen Show. Barbara Schöneberger wird die Udo-Jürgens-Gala „Merci Udo! Deutschland sagt Danke“ moderieren, während Daniel Hartwich der in England eingekauften Datingshow „Meet The Parents“ vorsteht. Das besondere an diesem Programm: Die Kandidaten treffen zuerst die Eltern des potenziellen Partners, ehe sich entscheidet, wen man tatsächlich kennenlernt. Ebenfalls aus England stammt „This Time Next Year - Heute in einem Jahr“. Zwölf Monate lang werden Menschen bei der versuchten Erfüllung ihres Lebenstraumes begleitet

Hartz-IV-Experiment

Kontrovers dürften die Kritiken zum TV-Experiment „Raus aus der Armut - Ein Koffer voller Chancen“ ausfallen. Die untersuchte These hier: Schaffen Hartz IV-Empfänger den Schritt aus der Armut, wenn sie ihre Jahresbezüge auf einen Schlag erhalten? Die Statistik sagt: ja. Laut Frank Hoffmann machten zwei von drei Kandidaten der bereits in anderen Ländern etablierten Show einen klaren Schritt aus ihrer misslichen Lebenssituation heraus. Ob dies jedoch an anderen Effekten liegen können, beispielsweise an der „neuen“ Prominenz der Teilnehmer oder auch an deren gestiegenem Selbstbewusstsein aufgrund der Show, müsste man näher betrachten.

Ebenfalls von Hoffmann euphorisch als „ganz neu“ angekündigt: die Showidee „Schnapp dir das Geld“. Zwei Spieler erhalten dabei einen Koffer voll Bares, das sie wie Kriminelle verstecken müssen, um danach von Profilern verhört und gejagt zu werden. Versagen die professionellen Ermittler, behalten die Kandidaten das Geld. Die gezeigten Ausschnitte des von Annett Möller moderierten Formates offenbarten ein Problem: der emotionale Druck bei den „Verbrechern“, die hier natürlich emotional unbelastete Spieler sind, fehlt und könnte - im schlechten Falle - extra fürs TV inszeniert werden.

„Adam sucht Eva - Promis im Paradis“

Wer dachte, dass nach der unbekleidet auf einer südlichen Insel durchgeführten Dating-Show „Adam sucht Eva“ nichts Absurderes mehr kommen kann, irrt. RTL motzte das Programm für eine dritte Staffel zur Promi-Variante auf und lässt hüllenlose TV-Trash-Arbeiter wie Moderator Peer Kusmagk, Ex-Richter und Politiker Roland Schill, Ex-DSDS Teilnehmerin Sarah Joelle Jahnel, „Model“ Janina Youssefian, Surferin Janni Hönscheid, Ex-Tennisprofi Daniel Köllerer und Songwriterin Leo Bartsch aufeinander los. „Adam sucht Eva - Promis im Paradies“ startet mit sieben Folgen am Samstag, 1. Oktober, um 22.15 Uhr.

Zwei weitere Abwandlungen erfolgreicher Show-Formate seien noch erwähnt: In der neuen Musikshow „It Takes 2“ treten Prominente zur Blind Audition an. Vor drei Profisängern müssen sie „Voice of Germany“-mäßig incognito performen, während es in „Dance Dance Dance“ bereits am kommenden Samstag (03.09., 20.15 Uhr) unter der Moderation von Nazan Eckes und Jan Köppen darum geht, dass sechs prominente Paare berühmte Originalvideos und Filmszenen möglichst naturgetreu nachtanzen. Dank moderner Technik soll die Aufführung der Kandidaten in die Originalbilder integriert werden. Immerhin eine nette Idee, auch wenn die Anzahl der im deutschen Mainstream berühmten Tanzszenen à la Michael Jacksons „Thriller“ oder „Dirty Dancing“ begrenzt sein dürfte.

tsch

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