The Lobster

Hey du da, willst du mein Partner sein?

+
Warum diese Frau (Rachel Weisz) verbundene Augen hat? Nicht fragen, schauen! "The Lobster" ist in vielerlei Hinsicht unerträglich, für Freunde verquerer Kunstfilme aber das reinste Fest.

"Hummer sind auch nur Menschen": "The Lobster", in Cannes ausgezeichnet, erzählt von einer grotesken Welt und seltsamen Seelenverwandtschaften.

Erwachsene Singles, die binnen 45 Tagen keinen (neuen) Partner finden, werden in ein Tier ihrer Wahl verwandelt und dann im Wald ausgesetzt, ohne Wenn und Aber. - Es ist eine bizarre Idee, auf der Yorgos Lanthimos ("Dogtooth") eine bizarre Geschichte aufbaut. Wer sich von Filmen gerne in Welten transportieren lässt, die nach ganz eigenen Regeln funktionieren, dem sei "The Lobster" also wärmstens empfohlen. In Cannes gewann dieses wunderschöne, grausame, irgendwie auch komische, aber vor allem völlig verrückte Stück Film 2015 den Preis der Jury, was schon etwas heißen mag. Nun folgt die Auswertung auf DVD und als Video-on-Demand.

Die Uhr tickt für David (Colin Farrell), der an einem nicht genannten Ort in einer nicht näher datierten Zukunft lebt. Seine Frau hat ihn gerade für einen Anderen verlassen, deshalb muss der bemitleidenswerte Einfaltspinsel nun eine neue Partnerin suchen. Im Falle des Falles möchte David gerne ein Hummer werden.

Mit anderen Singles wird David in einem umwerfend in Szene gesetzten Hotel einquartiert, das stark an das Overlook aus Kubricks "Shining" erinnert. Das Masturbieren ist ihm strengstens verboten, dafür kommt jeden Tag eine Hotelangestellte aufs Zimmer, die ihren Hintern nach strengsten formellen Vorgaben gegen seine Genitalien reibt.

Warum das alles so sein muss, verrät der griechische Autor und Regisseur Lanthimos bestenfalls über kleine Andeutungen. Wie die Welt dieses Films außerhalb von Daves Wahrnehmungsfeld aussieht, auf welchem Weg man zu einer derart pervertierten Gesellschaft kommt und was Lanthimos womöglich über die Liebe in unserer realen Welt aussagen will - das darf und muss sich der Zuschauer selbst zusammenreimen.

David jedenfalls findet nicht nur das tägliche Stimulationsprozedere "entsetzlich". Irgendwie scheint er, wenngleich er es nicht recht zeigen kann, auch an seinem Dasein als Mensch zu hängen. Er wagt den Ausbruch aus dem Hotel. Er möchte in den Wald, wo neben den Tieren noch ein paar menschliche Aussteiger leben und eine Seelenverwandte auf ihn wartet ...

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren