Jane Eyre - Mi. 20.04 - ARTE: 20.15 Uhr

Was will man mehr?

+
Mia Wasikowska und Michael Fassbender stellen ihre Vorgänger Charlotte Gainsbourg und William Hurt locker in den Schatten.

Cary Fukunaga gelang die vielleicht beste Adaption des oft verfilmten Brontë-Klassikers "Jane Eyre".

Charlotte Brontës "Jane Eyre" wurde rund 20-mal verfilmt - und damit öfter als etwa Janes Austens "Stolz und Vorurteil". Die Frage nach der Notwendigkeit von Cary Fukunagas 2011er Adaption der düsteren viktorianischen Romanze wäre also durchaus gerechtfertigt. Nur besteht keinerlei Grund, sie zu stellen, wie die Free-TV-Premiere bei ARTE zeigt.

Regisseur Cary Fukunaga ("Sin Nombre") und Drehbuchautorin Moira Buffini ("Immer Drama um Tamara") nähern sich dem britischen Klassiker mit Respekt, aber ohne jede Scheu: Statt sich sklavisch an die Chronologie des 1847 erschienenen Romans zu halten, steigen sie kurz vor dem eigentlichen Höhepunkt in die Handlung ein. In Rückblenden beleuchten sie, was die junge Jane Eyre (Mia Wasikowska) dazu brachte, so überstürzt aus dem herrschaftlichen Thornfield Hall zu fliehen, dass die wackelige Kamera kaum hinterherkommt.

Die Szenen, die von Janes schwerer Kindheit im Haus der lieblosen Tante und im Mädcheninternat Lowood berichten, dauern manchmal nur Sekunden - und sprechen dennoch Bände. Ohne unterschlagen zu müssen, wie ihre Hauptfigur zu einem ernsthaften, beherrschten Wesen wurde, sparen Fukunaga und Buffini durch diesen geschickten Kunstgriff wertvolle Erzählzeit. Und die nutzen sie sinnvoll.

Denn das Kernstück der Geschichte ist nun einmal Janes Zeit als Gouvernante in Thornfield Hall: Die Monate, in denen die junge Frau die kleine Adèle (Romy Settbon Moore) unterrichtet, sich mit Haushälterin Mrs. Fairfax (Judi Dench) anfreundet und Zeugin unheimlicher Vorgänge im Herrenhaus wird. Und in denen sie mit ihrer zurückhaltenden, aber von Grund auf ehrlichen Art den mürrischen Hausherren Mr. Rochester (Michael Fassbender) für sich einnimmt.

Die Annäherung dieser beiden Charaktere auf der Leinwand nachvollziehbar herauszuarbeiten, war die größte Herausforderung, vor die Charlotte Brontës Werk Regisseure und Drehbuchautoren stellte. Dass Fukunaga und Buffini sie meistern, liegt vorrangig an zwei Dingen: Zum einen lässt das Duo seinen Hauptfiguren bewusst Zeit für längere Dialoge. Zum anderen wurden mit Michael Fassbender und Mia Wasikowska zwei außergewöhnlich präsente Hauptdarsteller verpflichtet. Sie transportieren die Spannung zwischen Jane Eyre und Mr. Rochester besser, als es 1995 Charlotte Gainsbourg und William Hurt oder - mit Verlaub - 1944 Joan Fontaine und Orson Welles gelang.

Voraussichtlich im Januar 2017 ist Michael Fassbender wieder im Kino zu sehen. Er spielt in der Verfilmung des weltberühmten Computerspiels "Assassin's Creed" die Rolle eines im Verborgenen handelnden Assassinen, der mittels eines Computers die genetischen Erinnerungen seiner Vorfahren durchlebt.

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren