Trumbo

Widerstand aus dem Salon

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„Trumbo“ erzählt von den Schrecken der Kommunistenjagd im Hollywood der 50er-Jahre.

Bryan Cranston wurde in der Rolle des kommunistischen Drehbuchschreibers „Trumbo“ endgültig zum Hollywoodstar und erzählt dabei von der repressivsten Zeit der Traumfabrik.

Hollywood dreht und dreht sich - am liebsten um sich selbst. Ihren Ursprung hat jene unvergleichliche Eigensucht in den verklärten „Goldenen Jahren“: Während die Coen-Brothers in ihrer Hommage „Hail, Caesar!“ die US-Kinoindustrie der 50-er unlängst liebevoll-kritisch würdigten, beleuchtet das Biopic „Trumbo“ (2015, nun fürs Heimkino erhältlich) die wohl repressivste Phase Hollywoods. Im Zuge der Kommunistenjagd zu Beginn des Kalten Krieges belegte das „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ zahlreiche Drehbuchautoren mit Berufsverbot, das Business sollte durch eine Schwarze Liste bereinigt werden. Auf jener und schließlich im Knast fand sich auch der legendäre Dalton Trumbo wieder. Anhand dessen Geschichte entblößt Jay Roachs fantastisches Drama die goldene als zugleich dunkelste Zeit Hollywoods.

Der Part steht „Breaking Bad“-Star Bryan Cranston ausgezeichnet: Ein sorgender Ehemann und Familienvater, der aber rasch zum arbeitswütigen Ekel mutieren kann. Ein überzeugter Kämpfer für die klassenlose Gesellschaft, der von den Privilegien des bürgerlichen Daseins immer profitierte. Ein leidenschaftlicher Schreiber, der in den 40er-Jahren Erfolge wie „Fräulein Kitty“ und „Dreißig Sekunden über Tokio“ ebenso verantwortete wie die kursierenden revolutionären Aufrufe an die Arbeiter in den Studios. Einer, dessen Courage, Intellektualismus und Strahlkraft dem konservativen US-Establishment direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gehörig die Muffe sausen ließ. Die Angst vor der „roten Gefahr“ im Inneren, so zeigt es „Trumbo“ und so geschah es historisch, ergriff irgendwann auch Hollywood.

Vor liebevoll ausgestatteter Kulisse inszeniert, entfaltet das Werk dramaturgisch klug, wie sich die Paranoia folgenschwer Bahn brach: Nach und nach werden alle Mitglieder der kommunistischen Agitation und der Zusammenarbeit mit der Sowjetunion verdächtigt und müssen vor dem „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ aussagen. Trumbo verweigert die Aussage. Für elf Monate muss er ins Gefängnis und bekommt anschließend Berufsverbot - einzig Regisseur Frank King (John Goodman) interessiert das wenig und lässt ihn anonym weiterschreiben.

Trumbos verbotene schöpferische Leistungen jener Zeit wurden mit zwei Oscars ausgezeichnet. Auf den Awards standen natürlich andere Namen, die Falschen nahmen sie in Empfang. Irgendwann, auch das erzählt das einnehmende Biopic, steht ein gewisser Mister Kirk Douglas (Dean O'Gorman) in der Tür und redet von einem geplanten Film namens „Spartacus“. Kubricks Sklaven-Befreiungsdrama sollte das erste Werk sein, in dessen Credits der Name des Ausgestoßenen wieder genannt wird. Einen Seitenhieb auf das Denunziantentum jener dunklen Jahre baute Trumbo natürlich ebenfalls ein. Hollywood hatte sein liberales Gewissen wiedererlangt - und grandiosen Stoff für eine faszinierende Nabelschau ein halbes Jahrhundert später gewonnen.

tsch

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