Hannes Jaenicke

Wider die Bequemlichkeit

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Schauspieler Hannes Jaenicke ist „Im Einsatz für Delfine“ (Dienstag, 2. August, 22.15 Uhr, ZDF).

Hannes Jaenicke begab sich für eine Dokumentation auf eine Reise um die Welt, um Delfine zu erforschen. Im Interview spricht er über seine Beweggründe.

Hannes Jaenicke hat eine Mission. Sein Ziel ist kein geringeres, als die Welt ein Stückchen besser zu machen. Bereits seit 2008 widmet er sich in diversen ZDF-Dokus bedrohten Tierarten. Diesmal ist der 56-jährige Schauspieler „Im Einsatz für Delfine“. Seit 50 Millionen Jahren leben die Meeressäuger auf der Erde und gehören mit zu den beliebtesten Tieren der Menschen. Doch Delfine sind in Gefahr, da die Weltmeere immer mehr zugemüllt werden. Für seine ZDF-Dokumentation reiste Hannes Jaenicke nach Ägypten, Kanada, und er besuchte auch den Nürnberger Tiergarten. Im Interview erklärt er, warum man sich gerade als Schauspieler engagieren sollte und wie er selbst zum Thema Umweltschutz kam.

nordbuzz: Was war das Beeindruckendste, das sie während der Dreharbeiten zur Delfin-Doku herausgefunden haben?

Hannes Jaenicke: Am meisten hat mich die Tagesaufteilung von Delfinen beeindruckt. Die sieht in etwa so aus: eine Stunde Nahrungsmittelaufnahme, 23 Stunden spielen, schlafen und Sex. Fand ich als Lebensentwurf ziemlich attraktiv (lacht).

nordbuzz: Sie kämpfen mit Ihren Dokumentationen seit 2008 für den Erhalt der verschiedensten Tierarten - woher kommt Ihre Tierliebe?

Jaenicke: Das ist weniger Tierliebe als Umweltengagement. Wenn ich zum Sender gehe und sage, ich mache etwas über Mikroplastik und Überfischung, dann ist es schwer, einen Auftrag für einen Film zu bekommen. Wenn ich hingegen etwas über Delfine mache, die in Fischernetzen oder an Plastikmüll ersticken, dann komme ich ins Hauptabendprogramm. Die Idee dahinter ist, Umweltthemen dadurch massentauglich zu machen, dass man eine sehr beliebte Tierart in den Mittelpunkt stellt. Tatsächlich geht es mir bei diesem Film vor allem um Meeresschutz.

nordbuzz: Warum engagieren Sie sich als Schauspieler für Umweltschutz?

Jaenicke: Wenn man schon den Luxus des so genannten „Promifaktors“ hat, dann sollte man diesen auch sinnvoll nutzen. Ich liebe meinen Beruf, aber irgendwann kommt der Punkt, da will man etwas bewegen. Fernsehen ist immer noch ein unglaublich mächtiges Medium. Wir unterschätzen den deutschen TV-Zuschauer viel zu häufig, die Neugier und Spendenbereitschaft ist gewaltig. Das geht so weit, dass manchmal die Server von den NGO's und Umweltorganisationen, mit denen wir zusammenarbeiten, nach der Ausstrahlung einer Dokumentation zusammenbrechen, weil so viele Leute Geld spenden wollen. Nach unserem Film über Orang-Utans kam ein siebenstelliger Betrag zustande.

nordbuzz: Wann gelangten Sie an den Punkt, sich engagieren zu wollen?

Jaenicke: Ich habe mit meinen jetzigen Partnern vor Jahren Reisesendungen gemacht, für die wir an exotische Ziele gefahren sind. Leider stellten wir damals schnell fest, dass es gerade in den abgelegensten Winkeln der Erde, was Umwelt und Menschenrechte betrifft, oft eher abartig zugeht. Wir drehten zum Beispiel auf Madagaskar, einem der größten Edelsteinlieferanten der Welt. Da wurden die Schächte teils so gebohrt, dass nur Kinder - völlig ohne Sicherung - hinein können. Dass ein Drittel der Kinder verschüttet wird, spielt da keine Rolle. Hauptsache, es geht schnell und billig. Aus diesen Schächten kommen dann die Edelsteine, die hier verkauft werden. Wir haben die Situation gefilmt, aber das Material wurde aus der Reisesendung weitgehend herausgeschnitten. Das Gleiche ist uns mit Filmsequenzen über bedrohte Orcas in Kanada passiert. Daraufhin habe ich mich mit meinen Kollegen zusammengesetzt und gesagt: Lasst uns was Eigenes machen.

nordbuzz: Warum geht der Mensch so zerstörerisch mit seiner Umwelt um?

Jaenicke: Aus reiner Bequemlichkeit. Warum benutzen wir noch Plastiktüten? Weil es einfacher ist, als immer eine eigene Tasche mitzunehmen. Warum kaufen wir PET-Flaschen? Weil sie leichter sind als Glas. Warum fahren wir mit riesigen dicken Schlitten durch die Innenstädte? Menschen sind dumm und bequem und haben offenbar die Mentalität: nach mir die Sintflut! Vielen ist es leider ziemlich egal, wie sie mit ihrem Nest umgehen. Klima aber betrifft uns alle. Wir müssen uns nicht wundern, wenn halb Afrika vertrocknet, dass diese Menschen dann bei uns irgendwann an der Pforte stehen und reinwollen. Die Zahl der Klimaflüchtlinge wird sich laut UN in den nächsten 15 Jahren verzehnfachen.

nordbuzz: Als Reisender sind Sie selbst oft mit dem Flugzeug unterwegs - doch gerade das Fliegen ist ja auch extrem schlecht für unsere Umwelt ...

Jaenicke: Knapp drei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes kommt vom Fliegen. Verkehr liefert 18 Prozent, Kohleverbrennung über 50 Prozent. Wollen wir echt über die drei Prozent vom Fliegen reden? Oder vielleicht doch lieber über noch laufende Kohlekraftwerke? Oder über den deutschen Autoverkehr? Oder über den VW-Konzern mit seinem Abgasskandal? Ich wundere mich immer, wenn ich von manchen als Vielflieger gegen den Klimawandel beschimpft werde, und über zum Beispiel Herrn Winterkorn, Herrn Müller oder Herrn Piëch regt sich keiner auf. Wenn man mir eine Alternative verrät, wie ich mit meiner Kamera-Crew und meinem Equipment an die Drehorte komme, an denen meine Dokumentationen entstehen, dann mache ich das gerne so. Aber wir sind eben auf Flugzeuge angewiesen.

nordbuzz: Welcher Tierart widmen Sie sich in Ihrer nächsten Doku?

Jaenicke: Erst einmal warten wir auf die Quote, und wenn die passt, dann können wir weiterreden. Ich würde gerne einmal etwas über die einheimischen aussterbenden Tierarten machen: Schmetterlinge, Bienen, Feldhasen, Rebhühner - die Liste ist lang.

tsch

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