Friederike Kempter

„Wer mich nicht sehen mag, sollte ein gutes Buch lesen“

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Friederike Kempter ist das Gesicht der Woche im deutschen Fernsehen. Sie kann Drama - und sehr lustig sein!

Friederike Kempter ist in diesen Tagen gleich mehrfach im Fernsehen zu sehen: als Rabenmutter, selbstbewusste Schönheit und als Kommissarin in Münster. Ein Gespräch über Tigermütter, Anke Engelke und ihre große Lust auf Drama.

Friederike Kempter ist ein Gesicht der Stunde im deutschen Fernsehen - schön und ausdrucksstark, dazu wandlungsfähig und sympathisch. Gerade bieten sich wieder einige Gelegenheiten, es zu sehen. Kempter spielt eine der vier „Rabenmütter“ in der gleichnamigen neuen Sketch-Comedy bei SAT.1 (Freitag, 23. Septembr, 23.10 Uhr) sowie die Hauptrolle in der romantischen Komödie „Dating Alarm“ (Dienstag, 20. September, 20.15 Uhr, ebenfalls bei SAT.1). Und am Sonntag, 25. September, 20.15 Uhr, ist sie auch wieder in ihrer wohl bekanntesten Rolle als Kommissarin Nadeshda Krusenstern im Münster-„Tatort“ im Ersten zu sehen. Da passt es gut, dass gerade auch ihre Beziehung zu Regisseur Jan-Ole Gerster („Oh Boy“) öffentlich wurde. „Wer mich in dieser Fernsehwoche nicht sehen mag, sollte ein gutes Buch lesen“, meint sie dazu verschmitzt.

nordbuzz: Frau Kempter, Sie spielen eine der vier „Rabenmütter“ bei SAT.1. Worum geht es in der neuen Sketch-Comedy?

Friederike Kempter: Es geht um vier Frauen, die jeweils für einen Typ Mutter stehen - alleinerziehend, ökobewusst, ich selbst spiele eine sogenannte Tigermutter. Die Geschichten spielen immer im gleichen Umfeld, und ab und zu treffen sie sich und tauschen sich aus, beispielsweise auf dem Spielplatz. Mir hat der Ansatz gefallen, dass es über die einzelnen Folgen hinweg immer die gleichen Figuren sind.

nordbuzz: Was muss man sich denn unter einer Tigermutter vorstellen?

Kempter: Ich bin streng und bissig, eine erfolgreiche Anwältin, die so auch in der Familie auftritt. Der Mann und die Kinder werden gedrillt und müssen nach ihrer Peitsche tanzen. Die Figur ist sehr weit von mir entfernt, wunderbar überzeichnet und hat richtig schöne böse Momente.

nordbuzz: Gehen Sie beim Spielen an eine solch überzeichnete Figur anders heran als sonst?

Kempter: Am Ende ist die Schauspielerei immer gleich. Einfach gesagt: Ich bekomme einen Text, überlege mir etwas dazu, lerne ihn auswendig und laufe von A nach B. Gute Sketchcomedy zeichnet sich aber dadurch aus, dass die Figuren oder das System, nach dem sie funktionieren, immer ernst genommen werden. Es geht darum, die Absurdität des Lebens zu zeigen. Aber „Rabenmütter“ ist kein Quatschtheater - das ist nicht mein Ansatz, und das würde auch nicht funktionieren.

nordbuzz: Da haben Sie sich mit Muttersein und Kinderkriegen das perfekte Thema ausgesucht. Beides wird bei uns sehr ernst genommen. Das ist die perfekte Vorlage für Überzeichnungen und Überhöhungen - zumal Sie selbst noch keine Kinder haben.

Kempter: Absolut. Natürlich waren Kinder schon immer wichtig, aber auf einmal werden dazu so große Diskussionen angeschoben, alles scheint komplizierter und komplexer, und immerzu muss man sich verorten und eine Meinung haben. Manchmal kommt mir der Humor dabei zu kurz. Bei den „Rabenmüttern“ sprechen wir alle Themen an, die wichtig und weniger wichtig sind oder viel zu wichtig genommen werden. Es ist wirklich befreiend, an dieses Thema mit Humor heranzugehen - nicht nur für Mütter, sondern auch für Väter oder Nichtmütter und Nichtväter. Oftmals geht es auch um klassische Alltagssituationen, die nicht unbedingt etwas mit dem Muttersein zu tun haben. Ich bin gespannt, wie die Geschichten ankommen.

nordbuzz: Schauen sich das eher Frauen an?

Kempter: Vielleicht. Aber Männern würde es genauso Spaß machen - sofern sie sich einen ironischen Blick auf sich selbst bewahrt haben.

nordbuzz: Das könnte schwierig werden.

Kempter: Das stimmt. In England und in den USA hat man mit solchen Formaten mehr Erfahrung. Aber gerade unserem Land, das immer alles so ernst ausdiskutiert, tut es ganz gut, über solche Situationen zu lachen. Aber es ist kein Schenkelklopfhumor - jemand rutscht auf der Bananenschale aus und solche Sachen. Wobei ich für körperliche Comedy auch empfänglich bin.

nordbuzz: Sie gehörten viele Jahre lang zum „Ladykracher“-Team von Anke Engelke. Gibt es etwas, das Sie von ihr gelernt haben?

Kempter: Mut und Radikalität im Spiel. Eine Sache richtig machen, mit Freude und großem Ernst. Sich nicht zurückhalten. Hier bin ich, und das mache ich jetzt mit Leib und Seele - so ist Anke. Mit angezogener Handbremse zu spielen oder immer nur zu denken, wie peinlich und unangenehm das jetzt ist - das funktioniert nicht. Man muss innerlich frei an die Sache herangehen.

nordbuzz: Neben den „Rabenmüttern“ sind sie bei SAT.1 auch in „Dating Alarm“ zu sehen.

Kempter: Diese Rolle ist etwas ganz anderes. Eine nette und einfache Geschichte, charmant erzählt. Mir hat an „Dating Alarm“ dieses Kammerspielartige gefallen, der Film spielt fast nur in zwei Wohnungen. Eine beinahe klassische Screwball-Komödie, alles ein einziges Missverständnis. Es hat großen Spaß gemacht, das zu spielen. Dabei ist das vermeintlich Einfache oftmals schwer und für uns Schauspieler eine echte Herausforderung.

nordbuzz: Wird man Sie noch öfter in solchen Filmen sehen?

Kempter: Ich weiß nicht. Ich hätte keine Lust, nur Romantic- oder Sketch-Comedy zu machen. Gerade würde ich mir wieder etwas mehr Drama wünschen.

nordbuzz: Im letzten Jahr haben Sie in Berlin auch Theater gespielt, im Stück „Eine Familie“. Hat das Spaß gemacht?

Kempter: Absolut. Ich bin vor allem deshalb Schauspielerin geworden, um auf der Bühne zu stehen und vor Publikum zu spielen. Aber Theater kostet immer mehr Zeit als Film, der nach sechs bis acht Wochen abgedreht ist. Aber wenn es gerade passen und mir eine schöne Rolle angeboten werden würde, würde ich es immer und immer wieder tun.

nordbuzz: Demnächst steht auch der nächste Münster-„Tatort“ an, mit ihnen als Kommissarin Krusenstern.

Kempter: Wer mich im Fernsehen nicht sehen mag, sollte in dieser Woche ein gutes Buch lesen. „Dating Alarm“ kommt, die „Rabenmütter“ fangen an, und sonntags läuft der „Tatort“. Das ist irgendwie lustig. Als Schauspielerin arbeitet man das ganze Jahr daran, und auf einmal wird alles innerhalb einer Woche gezeigt.

tsch

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