Baskin

Warum liegt hier eigentlich Stroh?

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Was geht hier eigentlich vor? Lange hält Regisseur Can Evrenol den Schlüssel zur Enträtselung seines Arthaus-Albtraums "Baskin" zurück.

Einer der besten Horrorfilme des Jahres kommt aus der Türkei: "Baskin" schubst den Zuschauer in einen vielschichtigen Arthaus-Albtraum rund um einen desaströsen Polizeieinsatz.

Ein düsterer Kapuzenmann, den außer ihm niemand sieht. Blut, das plötzlich in Strömen aus seinen Händen fließt. Und dann dieser Horrortrip in einer alten Ruine mitten im türkischen Nirgendwo. Passiert das alles wirklich oder leidet Arda (Gorkem Kasal) einfach nur unter einer schrecklichen Psychose? Da ist sich der junge Polizist ebenso unsicher wie der Zuschauer. Fest steht aber: "Baskin" (2015) ist einer der aufregendsten Horrorfilme des Jahres.

Es war ein seltsamer Tag für Arda: erst dieser grausige Traum, der ihn seit Kindestagen plagt, als sein bester Freund tragisch zu Tode kam. Dann hatte ein Kollege seiner kleinen Polizeieinheit während eines abendlichen Restaurantbesuchs plötzlich einen hysterischen Anfall. Was ist bloß in den Mann gefahren? Von Anfang an vermittelt Regisseur Can Evrenol das Gefühl, das hier etwas richtig Verdorbenes und Fieses in der Luft liegt. Etwas Böses, das aber nie richtig greifbar wird.

Richtig zur Sache geht es jedoch erst, als Arda und seine Kollegen auf dem Nachhauseweg einen Notruf erhalten: Sie werden als Verstärkung zu einem alten Gemäuer in der Pampa gerufen, das im osmanischen Reich als Polizeistation diente und für die abergläubischeren Teile der Bevölkerung schon lange Gegenstand beunruhigender Geschichten ist. Vor dem verwitterten Eingang steht ein Streifenwagen, das Blaulicht ist noch an. Drinnen kriechen zwischen Stroh, Fäkalien und mysteriösen Ast-Basteleien unzählige Kröten umher. Nur von den anderen Polizisten, die den Funkspruch abgesetzt hatten, ist nichts zu sehen.

Lange bleibt unklar, was hier denn nun eigentlich los ist. Für den Zuschauer bedeutet das: eine Stunde puren Stress - herrlich! Geschickt spielt Evrenol in seinem Arthaus-Film mit verschiedenen Wahrnehmungs- und Zeitebenen, mit Symbolen und wunderbar düsteren Kulissen. Dass sich die Sache im letzten Drittel recht schlagartig von kunstfertigem Suspense-Horror zu einer blutrünstigen Gore-Tortur wandelt, bedauert man da fast ein wenig. Aber: Auch da verfehlt "Baskin" seine Wirkung nicht.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

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