Der Festivalsommer bei 3sat (ab 26.05.)

Von Wacken bis zum „Parsifal“

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Die Kulisse des Schlossparks von Schönbrunn bietet den idealen Rahmen für das „Sommernachtskonzert Schönbrunn 2016“ und für den 3sat-Festivalsommer, der damit beginnt. (3sat, 26.05., 21.45 Uhr.)

Am 26. Mai startet 3sat in den Festivalsommer - ein abwechslungsreiches Konzert- und Opernprogramm aus Aufzeichnungen und Live-Premieren.

Störrisch oder selbstbewusst? Man mag es nennen, wie man will: Unbeeinflusst von Fußball-EM und allfälligen Hitzewellen kündigt 3sat verlässlich wie die Sonnenuhr seinen alljährlichen „Festivalsommer“ an. Versprochen wird Kulturgenuss in Konzertsälen und auf Bühnen. Premieren von monströsen Ausmaßen, in die kein Normalsterblicher je gelangt, aber auch Lederbefracktes, wie das Heavy-Metal-Festival Wacken, das ja inzwischen nicht nur die örtlichen Biobauern ins Herz geschlossen haben, sondern eben auch die Feuilletons. Schon am Start beim „Sommernachtskonzert Schönbrunn“ am Donnerstag, 26. Mai, 21.45 Uhr, werden - live aus Wien - jedoch zu allererst ganz konservativ die Träume von lauen Sommernächten und edler Klassik genährt.

Vom Klassik-Open-Air aus Nürnberg (Picknick im Park„) bis zur viereinhalbstündigen Bayreuth-Premiere (“Parzifal„, am 30.07.) und zur unvermeidlichen “Aida„ aus Verona (10.09.) nebst einer “Turandot„ aus Bregenz (17.09.) ist alles vertreten, was das musikalische Herz begehrt. Dabei zehrt das Fernsehen von der Erkenntnis, dass “live" nicht immer live sein muss, um zu wirken - es geht auch mit einer Aufzeichnung vom Vorabend oder gar vor einem Jahr um die gleiche Zeit.

Selbst die in Kulturdingen sonst so wagemutigen Nachbarn aus Österreich, die für den europäischen Kulturkanal ein verlässliches Standbein sind, bringen ihre Aufzeichnung der „Faust“-Oper von Gounod bei den Salzburger Festspielen (Premiere ist am 10.08.) erst  am 27.08. an den Fernsehkunden. Dauert nur 180 Minuten, und den Faust gibt der polnische In-Tenor Piotr Beczala, der an gleicher Stelle in „La Bohème“ bereits mit der Netrebko sang.

Den Besuchern des Grünen Hügels von Bayreuth mag man die Strapazen einer Fernsehaufzeichnung beim „Parsifal“ nicht gönnen, weil es im Festspielgehäuse auch ohne sie schon seine 40 Grad im Schatten hat. Die neueste elektronische Technik hilft da nicht so viel, die Fans beim Public Viewing im Freien haben es da leichter. Dank 3sat ist man aber bereits am 30.07., also wenige Tage nach der Premiere, 260 Minuten lang dabei. Uwe Eric Laufenberg, der Regisseur, will die religiöse Komponente des letzten Wagner-Werks betonen. Er sprang für Jonathan Meese ein, der der sich voller Groll und mit dem Vorwurf einer „Kunsthasskampagne“ aus Bayreuth verabschiedet hat.

Fürs Erste heißt es aber nun, der EM und der allerorts um sich greifenden Vorfreude darauf zu trotzen. Das „Sommernachtskonzert Schönbrunn 2016“ (26.05.) kann da nur ein zartes Gegenpflänzchen sein, auch wenn im Schlosspark wieder Hunderttausende erwartet werden, um den Wiener Philharmonikern und den Klaviergeschwistern Katia und Marielle Labèque bei Prosecco und Burgunder zu lauschen. Das Konzert der Massen hat sich im Klassik-Kalender fest eingenistet, genauso wie das Freilichtkonzert der Berliner Philharmoniker, das diesmal - mit Smetana und Dvoràk - unter dem Motto „Ein tschechischer Abend in der Waldbühne“ steht (26.06.).

Eher schon Fanmeilen-Charakter haben die Rock-Events, die man in den sonst so braven 3sat-Festivalsommer eingebaut hat: Am 11. Juni bietet 3sat zeitnah einen dreistündigen Zusammenschnitt des diesjährigen Festivals „Rock am Ring“, und am 06.08. meldet man sich vier Stunden lang aus Wacken - vom „biggest heavy metal festival in the world“. Allen Teilnehmern wünscht man selbstverständlich vor Ort keinen Morast, ist aber doch ganz froh, für alle Fälle im geschützten Sessel im Wohnzimmer zu sitzen. Da sind sich der Klassikfreund und der Rockliebhaber dann doch wieder sehr gleich: Eine gut gemachte Konserve ziehen sie einem frostigsten Sommerabend oder einem nassen Himmel ganz gerne vor.

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