Die quotenstärksten Fußballübertragungen aller Zeiten

Vereint in Freud und Leid

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1:0 in der Verlängerung, der Moment, in dem Mario Götze unsterblich wurde: 34,65 Millionen Menschen verfolgten im Ersten die Live-Übertragung des WM-Finals zwischen Deutschland und Argentinien.

Götzes Geniestreich, Schweinis Trauer: Die zehn quotenstärksten Sendungen in der deutschen TV-Geschichte sind allesamt Fußballübertragungen.

Nachgeborenen kann man es kaum noch begreiflich machen: Aber als etwa Professor Brinkmann Mitte der 80er-Jahre in der „Schwarzwaldklinik“ zum Skalpell griff, fieberte mitunter die halbe TV-Nation mit. Heute, in Zeiten der (multimedialen) Programmvielfalt, sind die goldenen Straßenfegerjahre wohl unwiederbringlich vorbei. Und doch, es gibt sie noch, die Momente, in denen die Fernsehnation sozusagen Flagge zeigt. Etwa alle zwei Jahre, nämlich dann, wenn ein großes Fußballturnier ausgetragen wird, erreichen ARD und ZDF Marktanteile wie zuletzt zu Großvaters Zeiten - jenen Jahren, in denen es noch keine private Senderkonkurrenz gab. Die Tendenz weist sogar in immer schwindelerregendere Höhen. Ob im Zuge der Europameisterschaft in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) wohl die Rekorde aus dem brasilianischen WM-Sommer purzeln? Hier ein Überblick über die bislang quotenstärksten Fußballübertragungen aller Zeiten.

Man hätte drauf wetten können: Die meistgesehene Sendung im deutschen Fernsehen wurde am 13. Juli 2014 ausgestrahlt: 34,65 Millionen Menschen verfolgten im Ersten die Live-Übertragung des WM-Finals zwischen Deutschland und Argentinien. 86,3 Prozent betrug der Marktanteil der ARD, als Reporter Tom Bartels in der Verlängerung das Siegtor von Mario Götze bejubelte.

Sogar noch etwas höher war der Marktanteil (87,8 Prozent) fünf Tage zuvor, am 8. Juli 2014, als im ZDF das denkwürdige Halbfinale zwischen Deutschland und WM-Gastgeber Brasilien ausgetragen wurde. 32,57 Millionen Fußballfans trauten ihren Augen nicht, als die DFB-Elf den Turnierfavoriten mit 7:1 demontierte - die zweitmeistgesehene Sendung aller Zeiten.

Zuvor thronte vier Jahre lang eine weniger erfreuliche Episode der deutschen Fußballgeschichte auf Platz eins im Allzeitquotenranking: Das verlorene Halbfinale von Durban (Südafrika) gegen die seinerzeit schier unbezwingbaren Spanier betrauerten am 7. Juli 2010 insgesamt 31,10 Millionen WM-Enthusiasten vorm TV-Gerät. Derzeit auf Platz vier: eine weitere schmerzliche DFB-Niederlage: Am 4. Juli 2006, bei der Heim-WM, sahen 29,66 Millionen Fans, wie der Finaltraum in der Verlängerung gegen Italien platzte.

Auffällig: Europameisterschaften scheiden im Hinblick auf die Quoten klar schwächer ab als die WM-Turniere. Erst auf Platz fünf rangiert die reichweitenstärkste EURO-Übertragung. Das EM-Halbfinale vom 25. Juni 2008 dürfte indes auch vom großen Fan-Potenzial des Gegners beflügelt worden sein: Von den 29,46 Millionen Fans, die den 3:2-Sieg der Deutschen im ZDF verfolgten, drückten vermutlich etliche der Türkei die Daumen.

Die weiteren Partien der Quoten-Top-Ten:

Platz 6: 23. Juni 2010; Fußball-WM-Vorrunde: Deutschland - Ghana im Ersten (29,30 Millionen Zuschauer, 79,6 Marktanteil)

Platz 7: 8. Juli 1990; Fußball-WM-Finale: Deutschland - Argentinien im Ersten (28,66 Millionen Zuschauer 87,9 Marktanteil)

Platz 8: 30. Juni 1996; Fußball-EM-Finale: Deutschland - Tschechien im ZDF (28,44 Millionen Zuschauer, 76,3 Prozent Marktanteil)

Platz 9: 29. Juni 2008; Fußball-EM-Finale: Deutschland - Spanien im Ersten (28,05 Millionen Zuschauer, 82,0 Prozent Marktanteil)

Platz 10: 13. Juni 2010 Fußball-WM-Vorrunde: Deutschland - Australien im ZDF (28,03 Millionen Zuschauer, 74,4 Prozent Marktanteil)

Und welche war die quotenstärkste Sendung, die nicht aus dem Imperium von König Fußball stammt? Nun, da landet man dann tatsächlich doch bei Professor Brinkmann und Medizinerkollegen. Am 17. November 1985 schalteten unglaubliche 27,97 Millionen Bundesbürger Folge sieben der ZDF-Serie „Die Schwarzwaldklinik“ ein. In Vorwendezeiten wohlgemerkt, also abzüglich des potenziellen Publikums östlich der innerdeutschen Grenze. Stolze Marke. Man darf schwer annehmen, dass dies keine TV-Serie mehr toppen wird.

tsch

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