Bridge of Spies

Verbotene Sympathien

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Skeptisch blickt Anwalt Donovan (Tom Hanks) aus dem Autofenster auf das noch immer zerstörte Berlin.

Geschichtsstunde, grandios inszeniert: Steven Spielberg haucht den großen Zeiten des klassischen Hollywood-Films mit "Bridge of Spies" wieder Leben ein.

Ende der 50er-Jahre. Die Sowjetunion und USA rüsten um die Wette, der Begriff "Kalter Krieg" hat Hochkonjunktur. Was Serien wie "The Americans" oder "Deutschland 83" aktuell anhand fiktiver Geschichten vor realer Geschichtskulisse thematisieren - die Spionage im Kalten Krieg - hebt Steven Spielbergs "Bridge of Spies" (2015), nun fürs Heimkino erhältlich, mit der Verfilmung tatsächlich geschehener Ereignisse auf eine gänzlich neue Ebene. Zu recht wurde der Film für sechs Oscars nominiert, Mark Rylance gewann den Goldjungen als bester Nebendarsteller.

Es ist das Jahr 1957, als in den USA der sowjetische Spion Rudolf Abel (herausragend lakonisch: Mark Rylance) gefasst und angeklagt wird. Er zeigt sich als treuer Verfechter der sozialistischen Sache und verrät sein Land mit keiner Silbe an die US-Behörden. Einen Pflichtverteidiger bekommt er trotzdem. Ein undankbarer Job, den der als Versicherungsanwalt erfolgreiche, doch in Sachen Verteidigung feindlicher Agenten unerfahrene Jurist James Donovan (Tom Hanks) auferlegt bekommt. Tom Hanks, den man zweifellos auch als eine Art Wunderkind Spielbergs bezeichnen darf, verleiht jenem Donovan mit jeder Geste, mit jedem Wort und jeder Pore die Züge eines sarkastischen Idealisten.

Ein Sympathieträger - jedoch nur aus Zuschauersicht. Schließlich gilt die Verteidigung des "Kommunisten Abel" vielen US-Amerikanern als Landesverrat. Obwohl auch seine Frau Mary (Amy Ryan) und seine Tochter (Eve Hewson) bedroht sind, obwohl bald auch Steine durch die Fensterscheiben der Familienwohnung fliegen: Donovan bleibt stur und wahrt die Verfassungsrechte des Angeklagten, mit dem er bald eine Art ungewöhnliche Freundschaft beginnt. Ein flammendes Plädoyer des Anwalts, in dem er den Nutzen eines lebenden feindlichen Agenten für die USA beschwört, bewahrt Abel vor dem Tod. Donovon scheint Eindruck hinterlassen zu haben. Ein paar Jahre nach seiner Rede vor Gericht schicken die Geheimdienste ihn und den Zuschauer in den zweiten Part des Thrillers: Als Unterhändler reist Donovan ins Ost-Berlin des Jahres 1961, um dort einen über der Sowjetunion mit seinem Spionageflugzeug abgestürzten US-Agenten gegen Abel auszutauschen.

Mit spannenden Wendungen, kurzweiligen Feinheiten und subtil gestreutem Humor zelebriert Spielberg - auch dank Hanks figurgewordener Umsetzung seiner Regie-Philosophie - den klassischen Hollywood-Film im besten Sinne und in all seinen Facetten: als einnehmendes Spektakel ohne die übliche Beliebigkeit, als perfekt arrangiertes Film-Gemälde voller Liebe zum Detail, als bombastische Geschichtsstunde, die sich nie zu ernst nimmt.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

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