Ulrike Kriener

"Bitte mehr Experimente!"

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In "Ein Sommer auf Lanzarote" spielt Ulrike Kriener die Bäckereibesitzerin Eva.

Ob als raubeinige "Kommissarin Lucas" oder Bäckereibetreiberin mit Hippie-Attitüde in "Ein Sommer auf Lanzarote": Ulrike Kriener ist auf starke Frauen spezialisiert, die klar Position beziehen - genau wie sie selbst.

In der bittersüßen Komödie "Ein Sommer auf Lanzarote" (Sonntag, 14. Februar, 20.15) aus der "Herzkino"-Reihe des ZDF lebt Ulrike Kriener (61) den Traum vieler Deutscher: Sie genießt die Sonne und das Leben auf der Kanareninsel Lanzarote. Als die von ihr gespielte Bäckereibetreiberin und engagierte Umweltaktivistin die Insel kurzzeitig verlassen muss, um sich gegen Ölbohrungen vor der Küste zu einzusetzen, springt Tochter Juliane (Christina Hecke) ein - was eine Reihe von Verwicklungen nach sich zieht ... Ein Gespräch über Fernweh, freiwillige Auswanderung und Flüchtlinge.

teleschau: Was macht für Sie den Reiz von Lanzarote aus?

Ulrike Kriener: Für mich bietet Lanzarote die perfekte Kombination aus Meer und Bergen. Durch die karge Landschaft und das Fehlen von Massentourismus wirkt die Insel fast wie ein Kloster auf mich: Man wird ganz auf sich selbst zurückgeworfen, ist allein mit den Elementen.

teleschau: Ihre Figur im Film ist dorthin ausgewandert. Was denken Sie, warum zieht es so viele Deutsche ins Ausland?

Kriener: Freiwillige Auswanderung hat es schon immer gegeben, gerade auf Lanzarote habe ich viele Deutsche kennengelernt. Manche flüchten vor dem Winter, andere wollen einfach entspannter leben. Was mir bei vielen Auswanderern aufgefallen ist, dass ihnen Karriere nicht so wichtig zu sein scheint. Sie wollen das Leben eben genießen. Ich selbst habe aber nie ernsthaft darüber nachgedacht, Deutschland den Rücken zu kehren. Ich fühle mich wohl in meiner Heimat und bin gerne mit meiner Familie und Freunden zusammen.

teleschau: Der Film beschreibt auch das zum Teil schwierige Verhältnis von Mutter und Tochter. Worin liegen die Konflikte dieser Beziehung?

Kriener: Wie in vielen Familie geht es auch bei diesen beiden um das Thema Loslassen und Abnabeln. Erschwert wurde dieser Prozess in der Vergangenheit allerdings durch den Verlust des Vaters: Er verunglückte, als er die Tochter von einer Party abholen wollte. Sie hat deshalb immer noch Schuldgefühle und die beiden einsamen Frauen haben sich in ihrem Kummer sehr aneinandergeklammert. Das macht das Abnabeln schwer.

teleschau: Ein weiteres Themenfeld, das "Ein Sommer auf Lanzarote" anschneidet, ist Umweltschutz und Engagement. Wie stehen Sie persönlich dazu?

Kriener: Ich denke, jeder der bei Verstand ist, ist für den Umweltschutz. Es ist doch klar, dass wenn wir die Natur weiter ausbeuten, wir letztendlich an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen. Hier müsste die Politik viel mehr tun. Aber auch jeder Einzelne ist in der Pflicht: Mehr Züge, weniger Flüge muss die Devise lauten. Es sind die kleinen Dinge, die den großen Unterschied machen. Ich persönlich habe mir zum Beispiel für dieses Jahr vorgenommen, endlich keine dieser vermaledeiten Plastiktüten mehr zu benutzen.

teleschau: Sie selbst engagieren sich für den ambulanten Dienst des Kinderhospizes der Malteser in München. Wie sieht Ihre Arbeit dort aus?

Kriener: Wenn Kinder sterben, ist dies nicht nur ein äußerst schmerzhafter, sondern oft auch ein langjähriger Prozess. Der ambulante Dienst der Malteser ermöglicht es, diese Kinder und ihre Familien zu Hause zu betreuen. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen besuchen die Familien mehrere Stunden pro Woche. Sie spielen mit den Kindern und deren Geschwistern, entlasten die Eltern und helfen, finanzielle Einbußen auszugleichen. Ich selbst bin zu Anfang meines Engagements mit in die Familien gegangen, um die Arbeit der Helferinnen kennenzulernen. Wenn ich eines Tages einmal weniger vor der Kamera stehe, möchte ich dies wieder tun. Momentan unterstütze ich die Organisation vor allem durch meinen Namen und Spenden, die ich akquiriere.

teleschau: Im Film wird die philosophische Frage: "Was ist Glück?" gestellt. Wie würde Ihre Antwort lauten?

Kriener: Glück ist für mich das, was sich aus glücklichen Beziehungen speist. Wenn ich weiß, dass die Menschen, die ich liebe, glücklich und gesund sind, geht es mir gut. Daneben gibt es natürlich noch das kleine, alltägliche Glück: einen schönen Kaffee in der Sonne zu trinken oder einen tollen Urlaub auf Lanzarote zum Beispiel.

teleschau: Sie sind in Dramen und Komödien gleichermaßen zu Hause. Worin liegt für Sie jeweils der Reiz?

Kriener: Wenn ich ein Drehbuch lese, frage mich immer als Erstes: Stimmt die Geschichte? Es ist unerheblich, ob es sich um eine Komödie oder ein Drama handelt, das ist eben die Form des Erzählens. Nehmen wir beispielsweise "Ein Sommer auf Lanzarote": Der Film bedient sich komödiantischer Mittel und unser Regisseur Jophi Ries erzählt ihn mit leichter Hand, obwohl die Geschichte durchaus auch tragische Züge trägt. Man hätte sie auch anders erzählen können. Aber so wie sie erzählt, ist gefällt sie mir gut.

teleschau: Viele Zuschauer kennen Sie als "Kommissarin Lucas", die am Samstag, 20. Februar, in einem neuen Fall zu sehen ist. Was macht diese Figur aus?

Kriener: Sie ist etwas unterkühlt, raubeinig und angriffslustig. Es ist wohltuend, eine Frau zu spielen, die nicht gefallsüchtig ist oder auf kleines Mädchen macht.

teleschau: Welcher Fall ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Kriener: Natürlich mag ich alle der bisher 22 Filme. Aber besonders hängen geblieben ist bei mir der vierte Fall "Das Verhör" aus dem Jahr 2006. Die Geschichte war an die Entführung und Ermordung des Bankierssohns Jakob von Metzler angelehnt, die damals in den Medien sehr präsent war. Da der Tatverdächtige schwieg, ging es auch um die Frage, welche Mittel man in einem Rechtsstaat anwenden darf, um ihn zum Reden zu bringen. Von dieser Problematik haben wir uns inspirieren lassen, ohne den Fall zu kopieren.

teleschau: Wie lange werden Sie der Kommissarin noch die Treue halten?

Kriener: Solange wir noch neue Ideen haben, und die Kollegen von ZDF und Produktion sagen: "Da geht noch was!", bin ich dabei. Unser nächster Fall, der am 20. Februar ausgestrahlt wird, beschäftigt sich beispielsweise mit dem Finanzgebaren der katholischen Kirche und Flüchtlingen. Ein wichtiges Thema! Ich persönlich finde es bedenklich, wie die Stimmung in unserem Land allmählich von Offenherzigkeit in Angst und Ressentiments umschlägt.

teleschau: Nicht zuletzt dank prestigeträchtiger Serien aus den USA gewinnt das Fernsehen in letzter Zeit wieder mehr an Bedeutung. Was bedeutet dieser Wandel für Sie?

Kriener: Zu allererst erhoffe ich mir natürlich bessere Möglichkeiten als Schauspielerin. Ich war in diesem Jahr in der Jury für den Fernsehpreis und fand es wirklich verblüffend, wie viel sich im Bereich der fiktionalen Stoffe getan hat. Bei der Riesenauswahl an tollen Produktionen war es unheimlich schwer, mögliche Gewinner unter den Nominierten in den 22 Kategorien auszumachen. Mich persönlich hat die VOX-Serie "Der Club der roten Bänder" besonders beeindruckt. Die Geschichte der jungen Patienten einer Kinderkrebsstation auf komödiantische Weise zu erzählen, fand ich besonders. Und ich bin froh, dass das Publikum genauso begeistert ist von der Serie.

teleschau: Was würden Sie sich vom deutschen Fernsehen für die Zukunft wünschen?

Kriener: Einfach mehr Kreativität und Lust auf Neues. Ein fester Platz zu einer guten Sendezeit für TV-Experimente, das wär's!

Schauspielerin Ulrike Kriener

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