Lügen und Tricks

Familie spart ganz dreist Geld - und wird dann doch überrascht

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WDR-Sendung "Das Experiment": Familie Bellartz soll Sparen lernen.

Aachen - Beim Einkauf,  im Urlaub oder in der Freizeit: Die WDR-Sendung "Das Experiment" zeigt, wie eine Familie dauerhaft weniger Geld ausgeben kann, mit fragwürdigen Methoden und dem Fazit: Sparen ist leichter als gedacht. 

Wer sparen will, muss zunächst einiges an Ballast abwerfen: Mit diesem Rezept startet der WDR ein "Experiment", bei dem die fünfköpfige Familie Bellartz aus Aachen erst einmal die Wohnung entrümpeln muss. Die Bellartz' haben ein Nettoeinkommen von 3200 Euro, was dem durchschnittlichen Budget einer deutschen Familie entspricht. 

Wegwerfen statt Weiternutzen

Alles, was in den Augen der Minimalistin Sina Jasur unnötige Kosten produziert, muss raus: Der Wäschetrockner ist als erstes dran. Schließlich ist er ein Stromfresser, und es ist allseits bekannt: Wer Wäsche an der frischen Luft, statt in der Trommel trocknet, spart Energie. Doch dabei bleibt es nicht. Immer mehr Gegenstände werden aus der Wohnung der Familie verbannt, als ginge es darum, Platz  zu sparen, und nicht Geld. Im weiteren Verlauf müssen das Radio, ein Schlagzeug sowie einige Sitzgelegenheiten aus der Wohnung entfernt werden. Es wirkt wie ein Plädoyer für die Wegwerfgesellschaft: Die "überflüssigen" Möbel finden keinen neuen Besitzer, sondern nur noch den Weg in den 15 Quadratmeter großen Container im Garten. 

Urlaub im Boxring

Schließlich soll die Familie auch noch auf ihr Auto verzichten. Ein Versuch, der bei drei Kindern, die verschiedene Kitas besuchen,  in einer Odyssee ausartet. So kommentiert Mutter Isabel den Versuch mit den Worten: "Das geht gar nicht" - und behält mit ihrer Vermutung Recht. Vier Stunden dauert die Fahrt mit dem Bus. Auch das Reisen mit minimalem Budget ist alles andere als erholsam. Seit zwei Jahren war die Familie nicht mehr im Urlaub. Nun sollen Vater Ralf und Sohn Antonio - ausgestattet mit zehn Euro - einen Ausflug ins Bergische Land wagen. Wie das gehen soll? Die beiden verdienen sich mit Minijobs ein bisschen Geld hinzu, schlafen im Boxring eines Fitness-Studios und bekommen gegen einen Witz von Vater Ralf beim Fleischer Wurst geschenkt. Auch ins Kino kommen sie kostenlos, weil sie putzen. Dass man auf diese Weise sparsam reisen kann, daran gibt es nach der Sendung keine Zweifel mehr. Man könnte diesen seltsamen Trip jedoch auch in der Kategorie "Abenteuerurlaub" verbuchen. Der WDR nennt es "No-Budget-Tour". Ob diese Art des Sparens angenehm ist? Man darf es bezweifeln. 

Die Erkenntnis: Sparen ist einfacher als vermutet

Wer spart, ist auf die Hilfe anderer angewiesen. So könnte eine Erkenntnis der Sendung lauten. Bei einer Gartenparty sollen die Bellartz' die Gäste bitten, ihr Essen selbst mitzubringen. Denn für die Feier haben sie nur 40 Euro für Verpflegung und Rahmenprogramm zur Verfügung. So leihen sie sich Bierbänke, Stehtische und einen Pavillon bei Freunden und engagieren eine Band - gegen einen Kasten Bier. Das Experiment glückt, die Party findet statt. Man kann also mit wenig auskommen, ohne auf soziale Events verzichten zu müssen. Fraglich ist, ob man sich mit derart geizigem Verhalten langfristig Freunde macht. "Sparen um jeden Preis" heißt es für die Familie auch beim Einkaufen für eine Lasagne. Auf dem Markt handeln sich Vater und Sohn mit allen Mitteln einen Rabatt von 4,50 Euro heraus und schrecken auch nicht vor einer Lüge zurück, um Nachlass zu bekommen. 

Überraschung: Der beste Sparansatz ist ein anderer

Die Liste der mehr oder weniger effizienten Sparversuche, die die Familie unternimmt, könnte fortgesetzt werden. Hin und wieder gelingt es ihr, durch diese Maßnahmen weniger Geld auszugeben. Das beste Mittel, um die Ausgaben zu drücken, verrät der Sender den Zuschauern jedoch erst kurz vor Schluss der Sendung: Familie Bellartz kann jährlich 190 Euro beim Strom und 313 Euro beim Gas sparen, wenn sie sich für einen anderen Anbieter entscheidet. Nach den spektakulären und fragwürdigen Sparversuchen, erwartet den Zuschauer am Ende eine relativ banale Lösung.

ae

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