BLANKWEINEK

Treffen sich ein Bayer und ein Österreicher ...

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Schauspieler Harry Blank (link) und Fernsehmanager Andreas Weinek haben eine Band. BLANKWEINEK versteht sich als bayerisch-österreichische Singer/Songwriter-Combo. Die Mundart-Songs ihrer Debüt-EP gehen leicht ins Ohr.

Bairisch meets Steirisch, und das klingt richtig gut: Der "Dahoam is Dahoam"-Schauspieler Harry Blank und der TV-Manager Andreas Weinek starten mit ihrer Combo BLANKWEINEK durch.

Normalerweise tut man sich als Journalist mit Newcomern leicht. Wer seid ihr, woher kommt ihr, und wo wollt ihr hin? - Die Story steht. Wollte man allerdings das Debüt der bayerisch-österreichischen Singer/Songwriter-Combo Blankweinek mit diesem Ansatz flankieren, könnte man ein Buch vollschreiben. Denn die Köpfe hinter dem in München aus der Taufe gehobenen Projekt, die Freunde Harry Blank und Andreas Weinek, sind nicht irgendwelche hoffnungsvollen Talente, sondern gestandene Mannsbilder, die mit mehr Charisma und Lebenserfahrung im Kreuz daherkommen als zehn Garagenbands auf einmal. Sänger Blank (47) ist als ein Hauptdarsteller der BR-Kultserie "Dahoam is Dahoam" ein bekanntes Gesicht, auch seine Stimme kennt im Süden jeder: Er singt den Titelsong des Dauerbrenners. Songwriter Weinek (53) hat sich als Medienmanager einen Namen gemacht. Der gebürtige Steirer ist Chef der Pay-TV-Sender HISTORY und A&E. "Heimspiel" heißt die EP der musikalischen Fernsehmänner, und ihre fünf Countrypopnummern haben das gewisse Etwas: Reife, Gewitztheit und den rauen Charme, den Freunde anspruchsvollen Alpenpops zu schätzen wissen. Danzer fällt einem ein, auch STS, von Goisern, die Arrangements haben was von Mumford & Sons. Aber für solche Vergleiche ist der Ansatz eigentlich viel zu eklektisch. Wenn nicht alles täuscht, sind Blankweinek drauf und dran, eine ganz eigene Marke zu etablieren - und damit kennt sich TV-Manager Weinek ja aus ...

teleschau: Wie fühlt es sich an, wenn man mit über 50 als Newcomer behandelt wird?

Andreas Weinek: Das passt schon. Wir fangen ja erst an. Stellen Sie ruhig Fragen, die Sie einem Teenie-Act stellen würden!

teleschau: Bitte sehr: Welches Konzert haben Sie zuletzt besucht?

Weinek: Konstantin Wecker, hier in München. Ein regelrechter Branchentreff - großartig, denn für Neulinge sind Kontakte zu anderen Musikern immer gut. Ein paar Tage vorher war ich bei Laibach ...

teleschau: Sie sind in Ihrem Geschmack offenbar nicht festgelegt.

Weinek: Ganz und gar nicht. Mich interessiert Musik immer - vor allem, wenn sie handgemacht ist und eine schlaue Idee dahinter steckt. Ich höre alles Mögliche, zum Beispiel gerade straighten Rock von The Gaslight Anthem oder Klassiker wie Giant Sand.

teleschau: Einen Newcomer-Act darf man schon nach dem Selbstverständnis fragen. Also: Was macht Ihre Lieder aus?

Weinek: Eingängigkeit, aber auch eine gewisse Melancholie, ein subtiler Umgang mit Sprache und dem Begriff Heimat. Harry Blank und ich kommen aus unterschiedlichen Kulturkreisen - daraus ziehen wir einiges. Wenn wir in Fahrt sind, fliegt der Schmäh umanand, dass es eine Freude ist.

teleschau: Treffen sich ein Bayer und ein Österreicher ... - So fangen schlechte Witze an!

Weinek: (lacht) Natürlich wissen wir um die Klischees, hier und da spielen wir damit - aber es geht allenfalls im Subtext um Identitäten. Ich rolle keine fertigen Geschichten aus, bei uns soll mitgedacht werden. Es geht darum, Emotionen zu erzeugen. Nicht von ungefähr haben wir einen Schauspieler als Sänger. Harry macht mit seiner Interpretation und seiner Wahnsinnsausstrahlung aus meinen Texten etwas sehr Eigenständiges. "Bayerisches Chanson" hat jemand gesagt - passt!

teleschau: Wie kamen Sie beide zusammen?

Weinek: In der Kurzform: Ich war auf der Suche nach einem Sänger, er wurde mir empfohlen. Als wir uns vor zwei Jahren trafen, war es Liebe auf den ersten Blick. Seit der ersten gemeinsamen Probe bin ich gar nicht mehr zu halten. Seitdem sind wir Freunde, ich schreibe wie der Teufel und habe 40, 50 Lieder in der Schublade - eine erste Auswahl findet sich auf der EP.

teleschau: Wie entstehen Ihre Songs?

Weinek: Meistens fällt mir frühmorgens beim Laufen etwas ein. Eine Hook, ein Riff, eine Textzeile ... Dann beginne ich, daraus etwas zu machen. Das Texten geht schnell, wenn's mich packt, nicht länger als zehn Minuten.

teleschau: Wie geht's weiter?

Weinek: Hoffentlich auch in schnellen Schritten. Uns unterscheidet ja etwas Grundlegendes von jungen Bands. Wir können nicht sagen: The Sky is the Limit, basteln wir die nächsten 25 Jahre einfach mal an der Karriere und probieren dies und das. Wir sind um die 50 - da gehst' anders an die Sache ran. Konkreter, ernsthafter als jede Garagenband. Das Alter hat seine Vorteile.

teleschau: Sie kennen das Geschäft ohnehin aus dem Effeff - in den 90er-Jahren arbeiteten Sie als Manager bei einer großen Plattenfirma ...

Weinek: Ja, und das Erstaunliche ist, dass mich diese Erfahrung nicht abhält, das Projekt zu starten. Nein im Ernst: Ich wusste von Anfang an, was ich will: ein Projekt, in dem ich mit professionellen Musikern zusammen meine Leidenschaft für die Musik ausleben darf. Und es geht flott voran: Wir haben den Majordeal und jetzt die EP, erste Auftritte, auch Radio und sogar Fernsehen. Im Herbst stehen die Tour und ein Album auf der Agenda.

teleschau: Klingt, als hätten Sie es verstanden, Ihre Kontakte zu nutzen.

Weinek: Ja, auch die Popularität von Harry schadet natürlich nicht. Uns wurden Türen geöffnet. Wobei: Singende Schauspieler sind schon zur Genüge gescheitert, aber so sind wir nicht aufgestellt. Wir verstehen uns als offenes Projekt. Im Zentrum steht das Duo Blank und Weinek. Wir müssen variabel bleiben, auch weil wir und unsere Gastmusiker noch andere Verpflichtungen haben. So etwas ist mit Orga-Aufwand verbunden.

teleschau: Und das neben einem Fulltimejob!

Weinek: Ja. Aber so viel auch zu tun ist, das Irre ist: Die Arbeit mit der Band beflügelt mich. All die Begegnungen mit Menschen, die genau wie ich von der Musik beseelt sind, geben mir die Energie, die ich im beruflichen Alltag auch brauche.

teleschau: Wenn Sie nicht wollen, dass das als Floskel rüberkommt, sollten Sie versuchen, es zu erklären ...

Weinek: (lacht) Sie sind kein Musiker, oder? Musiker haben ihre eigene Sprache. - Für echte Musiker ist das miteinander Spielen anregender als jedes Gespräch. Wenn wir im Proberaum beim Singen zum ersten Mal einen Dreier- oder Viererakkord aufgebaut haben, dann siehst du in jedem Gesicht, wie den Kollegen das Herz aufgeht. Deswegen freue ich mich so auf die Tournee!

teleschau: Weil der Familienvater Weinek Bock auf ein bisschen Sex, Drugs und Rock'n'Roll hat?

Weinek: Naa! Es geht mir ums Auftreten an sich, darum, die Zeit im Umfeld von gleichgesinnten Wahnsinnigen zu verbringen. Das erdet, das vertreibt die Sorgen, bringt mich wieder runter. Da bin ich bei mir, das ist die richtige Welt.

teleschau: Gar kein Lampenfieber?

Weinek: Nein, ich habe Harry - er ist die Rampensau. Ich fühle mich wohl, wenn ich im Hintergrund stehen und an den Strippen ziehen darf. Wir sind ein gutes Team und nehmen uns nichts weg. Wir glauben an dasselbe Ziel.

teleschau: Reich und berühmt zu werden?

Weinek: Naja, zumindest Verlustgeschäft sollte es keines sein. Aber eigentlich ist es der Weg, den ich mit "Ziel" meine: das gemeinsame Musizieren, das Ding am Laufen zu halten - das ist der Erfolg, von dem wir träumen. Wenn wir dabei das Familienleben, unsere Hauptjobs und anderen Projekte unterkriegen, ist alles perfekt.

teleschau: Andere Projekte?

Weinek: Ja, wir sind zwei getriebene Kreative. Harry schreibt gerade seinen ersten Roman. Das habe ich hinter mir ("Nacht des Ketzers: Ein Roman um Giordano Bruno", d. Red.). Aktuell widme ich mich dem Verfassen von journalistischen Artikeln - natürlich immer mit dem gewissen Augenzwinkern. Gerade sitze ich an einem satirischen Beitrag über den Nationalsozialismus für ein Magazin.

teleschau: Was fällt Ihnen beim Nationalsozialismus denn Augenzwinkerndes ein?

Weinek: Vieles. Ich schreibe etwa über den paradoxen Umstand, dass man zwar über Hitler ohne Weiteres lachen darf, was auch gut so ist, aber ein Hakenkreuz per Gesetz nicht zur Karikatur taugt. Auch schön: Wissen Sie, wo die Fanta herkommt?

teleschau: Die Fanta? Nein.

Weinek: Die wurde 1942 in Essen erfunden - die Nazis brauchten ein Getränk, das die bis dahin sehr beliebte US-amerikanische Cola ablöste. Über solche randständigen Dinge mache ich mir eben so meine sarkastischen Gedanken. Ich suche nach Zusammenhängen und versuche all das ein bisschen zu verarschen. Man muss viel öfter mal sagen, wie lachhaft der ganze rechte Zirkus ist.

teleschau: Dann direkt die Frage an den History-Senderchef: Wenn der rechte Zirkus so lachhaft ist, warum ist er dann wieder so erfolgreich?

Weinek: Wieviel Zeit haben wir? Flüchtlingsthematik, Integration, die Fehler der Politik, soziale Kälte ... Ein Punkt hat tatsächlich mit dem sich verändernden Konsum von Medien zu tun: Jeder versorgt sich mit Informationen nach seinem Gusto, aber dann wiederum kuschelt man in Communitys mit Gleichgesinnten. Die Aluhutfraktion, Verschwörungstheoretiker, Leute, die vor 20, 30 Jahren auch schon da waren, nur eben ohne Resonanz, klopfen sich in Kommentarspalten auf die Schultern und gewinnen an Selbstbewusstsein. Die Freaks fühlen sich nicht mehr alleine. Das trifft insbesondere auf Rechtsextreme zu. Der Stammtisch, an dem sie mit ihren Parolen um sich werfen, ist das Internet, das ist gefährlich.

teleschau: Weshalb?

Weinek: Es gibt gefühlt immer weniger common sense, dafür aber immer absurdere Auswüchse, die immer mehr als gebräuchliche Haltung empfinden. Warum konnte denn praktisch über Nacht rechtes Gedankengut wieder salonfähig werden? Also: Ja, wir haben ein riesiges Integrationsproblem, aber das hat nichts mit Ausländern zu tun, sondern die Frage ist: Wie holen wir die Verblendeten, die sich von unseren Werten verabschiedet haben, in die Mitte der Gesellschaft zurück? Darum sollte sich jeder Politiker kümmern, dem seine Heimat etwas wert ist.

teleschau: Was ist Heimat?

Weinek: Vieles. Heimat ist ein Gefühl, das wie jede Emotion Schwankungen unterliegt. Heimat verändert sich. Ich zum Beispiel lebe seit 20 Jahren in Deutschland. Heute würde ich sagen, dass ich Deutschland als Heimat empfinde. Aber das kann sich schon morgen ändern. In unseren Liedern dreht sich fast alles irgendwie um Heimat, aber wir stellen den Begriff ständig in Frage. Weil er hinterfragt werden muss! Denn uns ist bewusst, was im Namen eines falsch verstandenen Heimatbegriffs Schlimmes geschehen ist - und neuerdings wieder geschehen könnte, wenn wir nicht aufpassen.

teleschau: Sie spielen auf den Erfolg der AfD bei dem Landtagswahlen und der FPÖ bei den Präsidentschaftswahlen in Österreich an?

Weinek: Ja. Wir Ösis haben blöd g'schaut nach der Wahl. Aber das war nur wieder typisch für den österreichischen Verdränger - von wegen: "Geh, es wird scho' net so schlimm werden!" Das hat uns kalt erwischt, ich spüre bei vielen meiner Bekannten in Österreich das blanke Entsetzen. In Deutschland sieht es ähnlich düster aus. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Heimat ist dringlicher denn je. Wir tun es auf unsere Weise im ersten Video, das wir zur Single "Gemeinsam" produziert haben. Es geht humorvoll und positiv um Gemeinsamkeiten von uns Menschen ...

teleschau. Im Video radeln Sie und Harry Blank auf einem Tandem durch eine Fantasielandschaft ...

Weinek: Ja und wir begegnen dabei allerlei skurrilen Szenen. Personen oder Ereignissen, die etwas mit "Gemeinsam" zu tun haben. Bei uns ist halt das Glas immer halbvoll. Wir sind Berufsoptimisten, und das kommt auch in unseren Liedern immer zu Ausdruck. Fast immer ...

teleschau: Dafür, dass Ihre Texte in keinster Weise politisch sind, kommen Sie im Gespräch explizit zur Sache.

Weinek: Ja, natürlich, wir sind sehr politisch, alle beide. Jeder ist politisch. Schon wenn wir über Heimat sprechen, ist das zwangsläufig politisch. Was wir aber nicht wollen, ist, in unseren Liedern den Zeigefinger auszufahren. Die Moralkeule, das Plakative ist nicht meine Art des Songwritings. Und wenn sich auf "Welt" "Geld" reimt, krieg' ich eh Ausschlag.

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