So traf sich das Präsidentenpaar

Trailer zu "My First Lady": Nach keiner wahren Begebenheit

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Michelle (Tika Sumpter) und Barack (Parker Sawyers).

München - Ein ganzer Film über das erste private Treffen der Obamas. „My First Lady" und das ohne ein Wort des Präsidentenpaares dazu? Ziemlich sehenswert.

Wäre Barack Obama erneut Kandidat für die Wahl des US-Präsidenten – dieser Film könnte als unverhohlene Werbung missverstanden werden. Doch nein, seine zweite und damit letzte Amtszeit endet, wenn am 20. Januar 2017 der neue Präsident vereidigt wird, und auch im Spielfilmdebüt von Richard Tanne kehren wir in eine Zeit zurück, in der Obama noch nicht einer der wichtigsten Politiker der Welt war.

Im Autoradio tönt Janet Jacksons „Miss you much“, es ist der Sommer 1989 in Chicago. Am Steuer sitzt ein smarter schwarzer Mann. Schon optisch gleicht Schauspieler Parker Sawyers dem damals 28-jährigen Obama. Doch es sind vor allem seine Bewegungen – das lockere Spiel mit den langen Armen, wenn er spricht, die eine Hand lässig in der Hosentasche, das herzliche Lachen, das offene Auf-andere-Zugehen – die hier den US-Präsidenten von heute erkennen lassen.

Tannes Film ist eine Verbeugung vor dem Intellekt, dem Idealismus und dem Charme Obamas. Doch nicht zufällig lautet der Titel „My First Lady“, denn im Zentrum steht auch Michelle (Tika Sumpter). Tanne beobachtet sie, die Anwältin, die Obama, den Auszubildenden in der Kanzlei betreut, bei einer privaten Verabredung. Wir begleiten die beiden zu einer Ausstellung, einem Lunch, einem Kinobesuch und auf ein Eis zum Abschluss des Dates. Ein Tag erzählt in einem Film, die Kamera folgt den Protagonisten, wir lauschen ihren Gesprächen. Die sind frei erfunden, vom Präsidentenpaar hat Tanne für sein Skript keine Zeile erhalten. Geschickt konfrontiert er die jungen Leute bei den einzelnen Stationen mit gesellschaftlichen Missständen: Ein Kinofilm über Polizeigewalt gegen Schwarze oder die Bilder in der Kunst-Schau sind Stichwortgeber für die Diskussion über Leistung, Familie, Rassismus, Religion. In allem klingt der Optimismus von „Yes we can“ durch, den das Land gerade jetzt gut gebrauchen kann.

„My First Lady“

mit Parker Sawyers

Regie: Richard Tanne

Laufzeit: 84 Minuten

Sehenswert

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Before Sunrise“ mochten.

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