Hail, Caesar!

Wie Träume gemacht werden

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So gaga ist die Traumfabrik: Mit „Hail, Caesar!“ huldigen die Coen-Brüder der goldenen Ära Hollywoods und ermahnen das Kino von heute.

Eine Entführung, eine kommunistische Verschwörung, zickige Klatschreporterinnen und ein sprachbehinderter Cowboy: Die Coen-Brüder lassen mit „Hail, Caesar!“ die goldene Ära Hollywoods wieder auferstehen.

Bis heute gelten die 50er-Jahre als die goldene Ära Hollywoods. Die legendären Coen-Brüder („Fargo“) zeigen in ihrer unverwechselbaren Art, wie es damals in der Traumfabrik wirklich zuging - stets mit einem Augenzwinkern natürlich und mit einem Star-Ensemble, das sich genussvoll selbst auf die Schippe nimmt. Nachdem „Hail, Caesar!“ (2016) die Berlinale 2016 eröffnete und mit einer knappen halben Million Zuschauern solide in den hiesigen Kinos lief, erscheint die schräge Satire auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

Niemand anderes als Ethan und Joel Coen mit ihrer schrulligen Intelligenz und ihrem Herz für Sonderlinge hätte diesen Film machen können. „Hail, Caesar!“ ist ein Tummelplatz für absurde Typen, die mit Hingabe daran arbeiten, dem Publikum große Unterhaltung zu bieten. Aber auch ein Sammelbecken von Narzissten und Säufern, von Erpressern und Erotomanen.

Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist der Fixer Eddie Mannix (Josh Brolin). Mit Hut und Schnauzbart hetzt er als Problemlöser vom Dienst durch das Studio-Tohuwabohu, um diverse große und kleine Probleme zu lösen. Nicht zuletzt muss er sich auch mit der Entführung eines Schauspielers herumschlagen. Baird Whitlock (George Clooney), der die Hauptrolle im Prestigeprojekt „Hail, Caesar!“ spielt, wird von einem kommunistischen Geheimbund gekidnappt - ein wunderbarer Schlamassel!

So liefern die Coens einmal mehr ein echtes filmisches Schmuckstück ab, eine geniale Hommage an das Kino. Über die Erzählzeit von einem Tag schauen sie hinter die Kulissen von Musicals und Western, von ambitionierten Kunstfilmen und Revues. Da werden aus sprachbehinderten Cowboy-Darstellern (Alden Ehrenreich) Charaktermimen, die ehrbare europäische Regisseure in den Wahnsinn treiben, während Klatschreporterinnen (Tilda Swinton) die Studios mit angedrohten Enthüllungsstorys erpressen.

Hier schafft der Film endlich wieder das, wofür er eigentlich da ist: Er lässt den Zuschauer den Alltag vergessen und entführt ihn in eine echte Traumwelt. Und nebenbei zeigen die Coens mit „Hail, Caesar!“ eindrucksvoll, dass Hollywood fernab des Blockbuster- und Franchise-Wahns doch noch ein paar gute Ideen hat.

tsch

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