Probleme beim Voting

Das „Terror“-Voting: Über 600.000 stimmten ab, viele waren verstimmt

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Muss man diesen Bundeswehr-Offizier (Florian David Fitz) wegen 164-fachem Mord verurteilen, obwohl er durch seine Tat wahrscheinlich 70.000 Menschen rettete? Das war die Frage, über die TV-Zuschauer beim gestrigen TV-Experiment abstimmen sollten.

6,88 Millionen Zuschauer verfolgten am Montagabend allein in Deutschland das ARD-TV-Experiment „Terror - Ihr Urteil“.

Der spannende Film (nach Ferdinand von Schirachs Theaterstück „Terror“) machte die TV-Zuschauer am Ende zu Schöffen. Es ging bei einem Televonvoting um die Frage, ob sich Kampfpilot Lars Koch (Florian David Fitz) schuldig gemacht hatte, weil er eine mit 164 Menschen besetzte entführte Passagiermaschine abschoss, um 70.000 Leben zu retten. 86,9 Prozent der Zuschauer stimmten für Freispruch, nur 13,1 Prozent sahen den Kampfpiloten schuldig. Doch nach der Abstimmung kam es zu einem regelrechten Shitstorm in den sozialen Netzwerken, da viele User das Ergebnis nicht für korrekt halten: Die Homepage, auf der man online seine Stimme abgeben konnte, war zeitweise nicht abrufbar, die Telefone der ARD waren überlastet und das zum Voting aufgelassene Zeitfenster erschien vielen kürzer, als die vorab angekündigten zehn Minuten. Außerdem waren einige enttäuscht, dass der Sender nur die Prozentzahlen veröffentlichte, aber nicht bekannt gab, wie viele Zuschauer an der Abstimmung teilgenommen hatten. Christine Strobl, Geschäftsführerin der ARD Degeto und Koproduzentin des Films, äußerte sich nun zu den Vorwürfen: „Über 600.000 Zuschauer haben per Telefon und online ihre Stimme abgegeben. Wir haben mit externen Dienstleistern, die die modernste Infrastruktur zur Verfügung gestellt haben, zusammengearbeitet. Offenbar stößt aber selbst modernste Technik bei einer so großen Beteiligung an ihre Grenzen.“ Trotzdem hält sie die Abstimmung für korrekt. „Natürlich hätten wir uns gewünscht, dass jeder Zuschauer an diesem Abend per Telefon oder online durchgekommen wäre. Das ändert aber nichts an der Validität des Ergebnisses.“ Bei der zeitgleichen Ausstrahlung in Österreich kam übrigens ein ebenso deutliches Urteil zustande: 86,9 Prozent plädierten für Freispruch. In der Schweiz waren es 84 Prozent.

tsch

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