Jan Böhmermanns "NEO Magazin Royale"-Redaktion schleuste Kandidaten bei "Schwiegertochter gesucht" ein

"Team Royaleraff" gelingt ein Scoop

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Jan Böhmermann meldete sich am Mittwoch zurück - mit einer faustdicken Überraschung. "#verafake" sollte aufdecken, wie zynisch hinter den Kulissen des Reality-Formats gearbeitet wird. Und tatsächlich: Es war schlimm.

Das Gute an Jan Böhmermann? Zum Beispiel dass er nie das tut, was man gerade von ihm erwartet. Der Mann ist immer für eine Überraschung gut, sein neuester Streich hört auf den Hashtag "#verafake" ...

Pause!? Welche Pause? - Zwar hat Jan Böhmermann ein paar Wochen mit seiner ZDFneo-Sendung "NEO Magazin Royale" ausgesetzt, aber gefühlt war er auch in dieser kurzen Phase des Rückzugs omnipräsent. Zu groß und nachhaltig war die Aufregung um die Causa "Schmähgedicht". Nun also das große, mit Spannung erwartete "NEO Magazin Royale"-Combeback, und was macht Böhmermann, dieser ausgebuffte Fernsehschlingel? Natürlich frech grinsend einen ziemlich weiten Bogen um das verminte Gelände. Der anstehende Rechtsstreit mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan klang in der ersten Sendung nach der kleinen Sendepause lediglich in einigen augenzwinkernden Spitzen an. Stattdessen zündelte der Satiriker am späten Mittwochabend an gänzlich unerwarteter Stelle.

"Liebes RTL, liebe Vera Int-Veen, ihr müsst jetzt sehr, sehr stark sein", holte Böhmermann aus. Dann folgte unter dem Hashtag "#verafake" eines jener Husarenstücke, die ihn für viele zum derzeit relevantesten TV-Spaßmacher avancieren ließen: "Schwiegertochter gesucht", die per se peinliche RTL-Dokusoap, war das Thema, das Jan Böhmermann an diesem Abend zur Überraschung aller aus dem Hut zauberte. Einmal von ganz oben nach ganz unten also, wenn man so will.

Wobei man als Böhmermann-Kenner zunächst durchaus entsetzt war angesichts der gezeigten Sequenzen mit einem grenzdebilen Reality-TV-Opfer namens Robin, dem "schüchternen Schildkrötensammler" aus dem Ruhrgebiet. Voyeurismus jenseits der Schmerzgrenze. Aber natürlich ist Böhmermann kein Stefan Raab. Was erst wirkte, wie die platte Bespaßung per Konservenzitat aus einer grenzwertigen Kuppelshow, entpuppte sich als Coup wallraffschen Ausmaßes. Robin und sein nicht minder verhaltensauffälliger, vermeintlich 38-jähriger Vater waren Schauspieler, die von Böhmermanns Redaktion kühnerweise in die "Schwiegertochter gesucht"-Produktion eingeschleust wurden... Autsch!

"#verafake" sollte aufdecken, wie zynisch hinter den Kulissen des Reality-Formats gearbeitet wird. Und tatsächlich: Es war schlimm. Allerdings dürften weder die lächerlichen Gagen (für bis zu 30 Drehtage gibt es 150 Euro Aufwandsentschädigung), noch die absurden "dramaturgischen" Eingriffe sonderlich überrascht haben. Wer bitte hat denn etwas erwartet? Jedenfalls darf man auf die Reaktionen aus dem Hause RTL auf die konspirative Rechercheleistung von "Team Royaleraff" gespannt sein.

Abgesehen von dieser dreisten Nummer war Böhmermanns Sendung sicher nicht das, was sich viele versprochen hatten. Der mit großer Erwartung aufgeladene Auftritt Gregor Gysis blieb hinter den Erwartungen zurück. Es war zu spüren, dass sich der erfahrene Politiker in der hibbeligen Schulfernsehatmosphäre eher unwohl fühlt. Offenbar war dem brillanten Polit-Rhetoriker eben genau bewusst, dass diese Bühne nicht ihm gehört, sondern dem vorlauten Klassenstreber Böhmermann.

Der jedenfalls darf sich nach diesem Mittwoch wieder einmal feiern lassen. Schon am Vormittag hatte er mit einem geradezu hochseriösen "heute-plus"-Interview, das in den Sozialen Medien verbreitet wurde, für Aufsehen gesorgt. "Ich bin derjenige, der die Tür auftritt, und die Leute müssen gucken, was hinter der Tür ist. Mein Job ist das Sondereinsatzkommando, ich trete die Tür ein, nach mir kommt die Polizei, und guckt was in den Raum drin ist." Schlau wie eh und je.

Weitaus weniger von Klugheit beseelt schien hingegen der Beitrag des CDU-Abgeordneten Detlef Seif in der Bundestagsdebatte über die Streichung des sogenannten "Majestätsbeleidigungsparagrafen" 103: Der bis dato kaum überregional bekannte Politiker sah sich in der Sitzung am Mittwoch genötigt, das komplette Böhmermann- Schmähgedicht zu rezitieren, inklusiver aller "Schrumpelklöten", "Schweinefürze" und "Gummimasken". Hat man im Plenarsaal so auch noch nicht gehört ... Seifs Bitte an sein entsetztes Auditorium: "Lassen Sie das in Gänze mal auf sich wirken!" hätte es vermutlich nicht gebraucht.

Böhmermann dürfte sich über die unerwartete Werbung für seine Sendung am Abend diebisch gefreut haben. Bei Twitter witzelte er: "Ich beantrage hiermit die Aufhebung der Immunität des CDU-Abgeordneten Detlef Seif wegen Verstoßes gg. §103 StGB."

Die "Neo Magazin Royale"-Sendung wird am heutigen Freitag, 0.00 Uhr, im ZDF ausgestrahlt und ist in der Mediathek abrufbar.

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