Zuschauer-Plus

„Tagesschau“-Chef Gniffke: Das Dilemma mit dem Terror

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Kai Gniffke, Erster Chefredakteur ARD-aktuell, will die Terrorberichterstattung seiner Anstalt kritisch überdenken.

Anfang des Jahres machte Til Schweigers „Tatort: Fegefeuer“ viel Furore: In der Eröffnungssequenz wurde eine Geiselnahme in den Redaktionsräumen der „Tagesschau“ inszeniert.

Eine beunruhigende Fiktion, die ARD-intern dem Vernehmen nach nicht jedem gefiel. Allerdings auch ein Szenario, das in Senderkreisen offenbar als realistisch eingestuft wurde. Das geht zumindest aus einem Interview hervor, das ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gab. „Bis vor einiger Zeit hatten wir noch große Angst, dass Terroristen unsere Sender besetzen könnten“, räumt der „Tagesschau“-Chef ein. „Heute denken wir: Die werden einen Teufel tun. Weil Nachrichtenredaktionen über terroristische Anschläge sowieso berichten.“ 

Vor diesem Hintergrund ist Gniffke überzeugt, die Terrorberichterstattung seiner Anstalt „grundlegend überdenken und kritisch hinterfragen“ zu müssen: „Denn mit jedem Verbreiten von grauenhaften Bildern verstärken wir die Wirkung des Terrors und machen uns ungewollt zu Helfershelfern der Terroristen.“ Was den Zuschauerzuspruch angeht, profitiere das ARD-Nachrichtenflaggschiff allerdings von den unruhigen Zeiten: „Ich glaube, dass das Bedürfnis nach unserer Dienstleistung sogar wächst. Im Moment erleben wir zu meiner eigenen Überraschung, dass die 'Tagesschau' Zuschauer gewinnt. Aber auch Nachrichtennutzung auf allen anderen Plattformen wächst.“ Gniffkes Fazit: „Das Interesse ist allgemein gestiegen, aber Menschen suchen weiterhin Einordnung durch Institutionen, die sie kennen.“

tsch

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