Steve Jobs

Szenen aus dem Leben des iGod

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Steve Jobs (Michael Fassbender) hält sich unbeirrt für den genialen Dirigenten, der das Orchester aus talentierten Fachkräften "spielt".

Danny Boyle versucht, sich in seinem kammerspielartigen Biopic "Steve Jobs" einem überlebensgroßen Mythos zu nähern. Ein schwieriges Unterfangen ...

Steve Jobs schaffte mit seinen Apple-Produkten - gegen immensen Widerstand seiner Wegbegleiter - ein einzigartiges, geschlossenes System, das mit allen anderen inkompatibel war. Auch der Mensch Jobs war eine weitestgehend unzugängliche Einheit, wie Michael Fassbender in seiner oscarreifen Darstellung von "Steve Jobs" (2015) zu veranschaulichen versteht. Das gleichnamige Biopic von Danny Boyle beruft sich auf die offizielle Biografie von Walter Isaacscon, aus der "The Social Network"-Autor Aaron Sorkin frei schöpfen durfte. An den Kinokassen blieb der Film allerdings hinter den Erwartungen zurück. Nun erscheint er fürs Heimkino.

Sorkin versucht erst gar nicht, das komplette Leben der Ikone in zwei Stunden abzuarbeiten. Er beschränkt sich auf drei wichtige Ereignisse im Leben des iGod, die mit bahnbrechenden Produktpräsentationen zusammenhängen: die Vorstellung des Macintosh im Jahre 1984, vier Jahre später die des Cube von Jobs Konkurrenzfirma NeXT und zu guter Letzt die Präsentation des iMac im Jahre 1998. Der in dieser Hinsicht wagemutige, doch für Nicht-Apple-Jünger schwer zu verstehende Film spielt also fast nur auf und hinter Bühnen.

Das Kamerateam von Alwin Küchler ist wie der rastlose Jobs dabei ständig in Bewegung. Darin weist der kammerspielartige Film eine gewisse Ähnlichkeit mit dem entfesselten "Birdman" auf. Der sich der Vorlage erstaunlich unterordnende Boyle unterstreicht zudem die Zeitsprünge der drei in Realzeit spielenden Akte, indem er die erste Präsentation auf improvisiert wirkendem 16-Millimeter-Filmmaterial drehen ließ, die zweite bereits auf gediegeneren 35 Millimetern und die dritte in hochmodernem HD.

Der Zuschauer lernt Jobs gleich zu Beginn als perfektionistischen Kotzbrocken kennen, der seinen genialen Programmierer Andy Hertzfeld (Michael Stuhlbarg) zusammenstaucht. Und das nur, weil kurz vor der Präsentation deutlich wird, dass die Funktion, den Macintosh "Hallo" sagen zu lassen, womöglich ausfällt. Backstage wartet auch noch seine von Sozialhilfe lebende Ex-Freundin Chrisann (Katherine Waterson) mit der fünfjährigen Lisa. Doch der kontrollsüchtige Millionär will trotz nachgewiesener Vaterschaft einfach nicht wahrhaben, dass sie seine Tochter ist. Seine Marketingchefin Joana Hoffmann (Kate Winslet) versucht, den Wüterich in jeder Hinsicht in Schach zu halten. Auch Steve Wozniak (Seth Rogen), mit dem er einst in einer Garage den Grundstein seines Imperiums legte, zeigt sich zusehends frustriert über seinen hybriden Kumpel.

Vier Jahre später hat der von Adoptivkind Jobs eigentlich wie eine Vaterfigur bewunderte und von Pepsi abgeworbene CEO John Scully (Jeff Daniels) das egomanische Genie bereits gefeuert. Die nächste Präsentation steht ins Haus, und Jobs will sich mit seinem Konkurrenzprodukt beweisen, dem NeXT-Computer. Die bis zum Äußersten loyale PR-Managerin Joana kämpft immer noch an seiner Seite. Doch hinter der Bühne treibt sich auch wieder seine intelligente Tochter herum, die dieses Ereignis auf keinen Fall verpassen will.

Der Film, der sicher mehr an der Oberfläche kratzt als beispielsweise "Jobs" mit Ashton Kutcher in der Hauptrolle, hinterlässt eher den einlullenden Nachgeschmack einer von Jobs perfekt inszenierten Produktpräsentation. Seinen i-Jüngern wird das Biopic folglich bedenkenlos gefallen. Entscheidend näher gekommen ist man dem Menschen, der den Computer für jedermann ersann, trotz herausragender Schauspielerleistungen jedoch nicht.

Universal hat die Heimkinoversionen mit etwas Zusatzmaterial ausgestattet. Sowohl DVD als auch Blu-ray enthalten ein Making-of, nur auf Blu-ray ist ein Audiokommentar der Filmemacher enthalten.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

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