Midnight Special

Superheld auf der Flucht

+
Weil er ungeahnte Heldenkräfte in sich trägt, wird ein Achtjähriger in „Midnight Special“ von aller Welt gejagt.

Ein achtjähriger Junge mit außergewöhnlichen Kräften begibt sich in „Midnight Special“ mit seinem Vater auf die Flucht vor der Regierung und religiösen Fanatikern.

Ein junger Superheld, der mit seinen Kräften und der einhergehenden Verantwortung noch umgehen lernen muss. Eine rührende Vater-Sohn-Beziehung. Eine mysteriöse Sci-Fi-Story, in der auch Politik und Verschwörungen eine Rolle spielen. Dazu der Lässigkeitsgarant Jeff Nichols als Regisseur - was kann da eigentlich noch schiefgehen? Überragend gespielt, entfaltet „Midnight Special“ (2015, nun fürs Heimkino erhältlich) in angespannter Ruhe eine mitreißende erzählerische Wucht. Schade, dass das Drama im Kino kaum wahrgenommen wurde - gerade einmal 3.000 Tickets wurden hierzulande gelöst.

Verzweifelt will Roy (Michael Shannon) seinen Sohn beschützen. Der achtjährige Alton (Jaeden Lieberher) besitzt Superheldenkräfte. Nicht nur leuchten seine Augen grellblau, nicht nur strahlen seine Handflächen, auch kann der Junge ganze Häuser zerstören, Satelliten vom Himmel holen und die Natur um sich welken lassen.

Was ihn aber ungemein nervt: Bei religiösen Gruppen ist er ebenso begehrt wie in höchsten Kreisen der Politik. Verfolgt wird Alton nicht nur von den Fanatikern einer Sekte, bei der er aufwuchs und deren Prophezeiungen auf seinen Äußerungen basieren. Auch befindet er sich als unerklärliches Phänomen im Visier der Geheimdienste, zuvorderst personifiziert durch einen tollen Adam Driver („Star Wars: Das Erwachen der Macht“) als sensibel-intellektuellem Nachwuchsermittler. So hilft nur eines: Flucht. Begleitet werden sie vom Ex-Cop Lucas (Joel Edgerton) und Altons leiblicher Mutter Sarah (Kirsten Dunst).

Es ist das fantastische Schauspieler-Ensemble, das „Midnight Special“ insbesondere in der ersten Hälfte zu einem mitreißenden Beinahe-Kammerspiel im Halbdunkeln geraten lässt. Der Film könnte als meisterhaftes Kleinod gefeiert werden, als ebenso düsteres wie empathisches Gemälde einer zerbrochenen Kleinfamilie in einer paranoiden Zeit. Würde Regisseur Jeff Nichols nicht jenen Fehler begehen, den man in den vergangenen Jahren in Sci-Fi-Werken immer wieder beobachten musste: die Verwechslung von esoterisch unscharfem Rauschen mit mysteriöser metaphysischer Tiefe. So verliert sich auch „Midnight Special“ gegen Ende bisweilen im langweiligen Eso-Blabla, mit dem man jeder erzählerischen Konsequenz entflieht. Wer dieses Ärgernis ignorieren kann, erlebt indes ein bewundernswertes Charakterstück.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

tsch

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren